ROM/ROTTWEIL
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Die italienische Polizei hat bei einem Einsatz gegen die Organisierte Kriminalität mehr als 160 mutmaßliche Mafiosi festgenommen. Es seien mutmaßliche Mitglieder der kalabrischen ’Ndrangheta und der sizilianischen Cosa Nostra, wie die Carabinieri, eine Einheit der italienischen Streitkräfte, mitteilten. In Deutschland gab die Polizei bekannt, bereits vor knapp zwei Wochen die mutmaßlichen Anführer einer kriminellen Gruppe mit Verbindungen zur Cosa Nostra festgenommen zu haben. Auf ihr Konto sollen Schüsse in das Fenster einer Gaststätte in Hüfingen (Baden-Württemberg) gehen, die niemanden trafen, aber als versuchter Mord gelten.

Im Süden Italiens fahndeten am Dienstag mehr als 1.000 Beamte mit Hubschraubern und Spürhunden nach Verstecken der per Haftbefehl gesuchten Mafiosi. 114 mutmaßliche Mitglieder der ’Ndrangheta wurden gefasst. Die Razzia richtete sich gegen mehr als 20 Mafia-Familien. Die ’Ndrangheta hat ihren Ursprung in Kalabrien. Bei dem Einsatz sei auch das „schlagende Herz“ der Organisation getroffen worden. Die Aktion sei eine der größten gegen die ’Ndrangheta überhaupt gewesen, hieß es.

Bei den Ermittlungen zuvor sei aufgedeckt worden, dass die kriminelle Organisation in den von ihr kontrollierten Gebieten eine Art Paralleljustiz etabliert habe: Konflikte und Auseinandersetzungen würden vor eigenen Gerichten geregelt, berichteten die Carabinieri. Außerdem habe sich der Clan Dutzende öffentliche Aufträge gesichert.

Bei einem weiteren Einsatz gegen die sizilianische Cosa Nostra nahmen die Beamten 54 Verdächtige fest. Ihnen wird die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Drogenschmuggel, Erpressung und Raub vorgeworfen.

Bereits im Juni gelang der deutschen und italienischen Polizei ein gemeinsamer Schlag gegen ein kriminelles Netzwerk aus dem Umfeld der italienischen Mafia. Neben Drogenhandel und Waffenschmuggel sollen die Verdächtigen zur Einschüchterung ihrer Gegner Straftaten wie versuchten Mord, Brandstiftung und gefährliche Körperverletzung begangen haben. 17 Verdächtige seien festgenommen worden, darunter die mutmaßlichen Köpfe der Bande: Ein 48-Jähriger aus Donaueschingen und ein 52-jähriger Mann aus Rottweil in Baden-Württemberg.

Ein Mafia-Experte des Landeskriminalamtes, Wolfgang Rahm, sprach in jenem Fall von einer bürgerlichen Mafia. „Alle waren gesellschaftlich bestens integriert.“ Durch ein Goldankaufgeschäft und einen Kleiderladen, in den vermutlich nicht nur Kleider geliefert worden seien, sollen die Geschäfte verschleiert worden sein. 

Das Landeskriminalamt geht davon aus, dass 148 Mitglieder der italienischen Mafia in Baden-Württemberg leben. 75 gehören den Informationen zufolge der ’Ndrangheta an, 29 der Stidda, 26 der Camorra, 13 der Cosa Nostra und fünf der apulischen Mafia.