FOETZ
CORDELIA CHATON

Die Marbrerie Hary feiert am Wochenende ihren 100. Geburtstag

Am Samstag will Lex Hary ausnahmsweise mal eine Rede halten; aber nur eine kurze. Auftritte sind nicht so sein Ding. Doch dann feiert die Marbrerie Hary ihr 100. Firmenjubiläum auf dem Escher Galgenberg. Und da ist es nur natürlich, dass der Geschäftsführer ein paar Worte sagt.

Zu erzählen gäbe es viel. Denn seit der Gründung 1918 durch Victor und Joseph Hary in Esch hat sich einiges getan. Das Unternehmen zählt heute 23 Mitarbeiter und hat drei Übernahmen hinter sich - überaus freundschaftliche, wie Lex Hary betont.

Er selbst ist gelernter Steinmetz und Meister seines Fachs, hat aber zunächst mal Erzieher gelernt, bevor er das von seinem Großvater und dessen Bruder gegründete Unternehmen übernahm. Die Leitung wechselte ein wenig zwischen den Kindern der Nachkommen. Nicht jedes wollte ins Unternehmen und ging auch mal eigene Wege. Für Lex Hary stellte sich die Frage, als er 20 Jahre alt war. Da kannte er den Betrieb schon durch Sommerjobs. Damals wollte sein Vater wissen: „Ist das was für Dich?“ Lex Hary sagte ja. „Wenn man jung ist, ist man ja risikofreudiger“, lächelt er. Aber leid tut es ihm nicht, dass er diesen Weg gegangen ist, versichert er.

Als Paul Hary das Unternehmen1983 übernahm und sein Sohn Lex zur gleichen Zeit im Betrieb, der sich damals noch in Esch/ Alzette befand anfing, hatte dieser nur sechs Mitarbeiter. Nach und nach übernahm die Marbrerie Hary den Steinmetz Tagliaferri, Gelhausen und schließlich Schanen. Dabei führte ein Verkauf zum anderen. „Die Geschäftsführer haben gesehen, dass es gut läuft, wir uns um die Mitarbeiter kümmern und ihr Lebenswerk fortführen“, begründet Lex Hary. „Das hat bei den Übernahmen den Ausschlag gegeben.“ Der 55-Jährige hat selbst schon angefangen, über die Nachfolge nachzudenken. Vielleicht wird sein Neffe Felix Hary, der seit 2016 im Betrieb arbeitet ja zu seinem Nachfolger.

Sein Vater Paul ging 1996 nach 13 Jahren der gemeinsamen Arbeit mit seinem Sohn in den Ruhestand. Seither leitet Lex Hary den Betrieb allein, in dem er zuvor Marketing und Vertrieb verantwortet hat. „Meine Ausbildung als Erzieher hat mir ganz viel geholfen“, ist er überzeugt. „Ohne die Mitarbeiter geht im Betrieb nichts.“ Der Chef kennt die Familien und Sorgen jedes einzelnen. „Das kommt zurück, sie sind zufrieden und arbeiten gut“, freut er sich. Die Fluktuation ist gering. Zwar bietet die Marbrerie Küchenarbeitsplatten, Stufen, Verkleidungen und Bodenbeläge aus Naturstein, Granit oder Marmor auf Maß an. Die meisten Kunden, die den Weg hierher finden, kommen allerdings, weil sie einen Grabstein oder eine Grabplatte möchten.

Lex Hary zeigt ihnen keine Kataloge, denn was hier gemacht wird, ist Maßarbeit aufgrund ausführlicher Beratung. „Ein Grab ist ein sehr persönlicher Ort und sollte dem Menschen gerecht werden, um den es geht“, findet er. Darauf legt er im Kundenkontakt Wert. „Der Aspekt, dass wir mit Leuten arbeiten, die trauern, ist mir persönlich sehr wichtig“, stellt er fest. „Wir sollten ihnen eine Hilfe sein in dieser Phase.“

Der Geschäftsführer weiß, dass Trauerbäume -wiesen und das Verstreuen von Asche immer mehr Anhänger gewinnen. „Aber oft legen die Leute doch dort kleine Steine nieder, einfach, weil sie einen Ort zum Trauern wünschen.“ Sein Anspruch an die Arbeit ist daher hoch: „Wenn die Leute vor dem Grab stehen, ist das ein Teil der Trauerbewältigung. Ich denke, viele Angehörige jener, die sich haben verstreuen lassen, bereuen das hinterher. Das haben mir schon viele Angehörige gesagt. Es braucht einen Ort zum Trauern.“ Um einen persönlichen Grabstein fertig zu stellen brauchen die Steinmetze sechs bis zehn Wochen.

Die Marbrerie Hary war der erste Betrieb, der Gemeinden anbot, die Tätigkeit des Totengräbers an sie zu vergeben. Wenn Not am Mann ist, tragen die Mitarbeiter auch schon mal den Sarg. Auf Wunsch übernimmt das Unternehmen auch die Grabpflege. Darüber hinaus hat die Marbrerie Hary Urnengräber im Angebot. „Schon, weil es immer mehr Verbrennungen gibt“, wie Lex Hary weiß. Die Steine für die Gräber und Urnen kommen aus aller Welt: Indien, Brasilien, Italien, Frankreich, Spanien oder Südafrika. Mit entsprechender Technik - von CAD und 3D bis hin zu Laserinschriften - werden sie dann bearbeitet.

Lex Hary hat seine Rede zum Jubiläum am Samstag schon fast fertig. Er wird zwei Mitarbeiter auszeichnen, die seit 20 Jahren dabei sind. Und sich über die 50 Gäste freuen, die vor allem aus den Angehörigen der Mitarbeiter bestehen. „Wir sind ein Familienbetrieb“, lächelt er.