LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

„Tomorrow Street Center“ von Vodafone eingeweiht

Ein Zelt als Meeting-Raum oder eine Gartenbank auf künstlichem Rasen für die Besprechung - im vierten Stock des Vodafone Gebäudes auf Kirchberg sind die Räume trendig und individuell eingerichtet; die Farben grau, weiß und Natur dominieren. Das hat seinen Grund: Gestern eröffnete Premier Xavier Bettel gemeinsam mit Vizepremier und Wirtschaftsminister Etienne Schneider das „Tomorrow Street Innovation Center“. Die Idee dazu hatte Warrick Cramer, der folgerichtig auch CEO von „Tomorrow Street“ geworden ist. Ihm es wichtig, dass Start-ups in der virtuellen Welt nicht vereinsamen und menschliche Verbindungen aufbauen. „Ich bin seit zwei Jahren hier und wollte eine Gemeinschaft schaffen“, unterstreicht er während seiner Rede vor den rund hundert geladenen Gästen, darunter viele CEOs anderer Unternehmen. Auch Vertreter des Technoport waren da, die „Tomorrow Street“ als Joint Venture mit Vodafone gegründet haben.

Gewichtiger Partner

Inkubatoren und Start-ups sind das In-Thema in Luxemburg. Vodafone ist nicht das erste Unternehmen, das so etwas anbietet. Neu ist eher, dass Technoport mit im Boot sitzt. Dazu kommt das Gewicht des Partners: Der Mobilfunkriese mit Sitz in London hat 500 Millionen Kunden in 26 Ländern, zählt über 14.000 Lieferanten und setzt 47,6 Milliarden Euro im Jahr um. Den Start-ups winkt also Zugang zu Kunden weltweit, Vodafone jener zur Technologie. Vodafone will Start-ups ab Herbst eine neue Heimat bieten. Bis zu 96 Mitarbeiter sollen im vierten Stock Platz nehmen; vornehmlich aus den Bereichen Cybersicherheit, Datenmanagement und -analyse sowie Künstliche Intelligenz. Aber Vodafone, das von Luxemburg aus in 26 Ländern einkauft, ist auch offen für anderes. Die Verantwortlichen zeigten sich sehr begeistert von der Schnelligkeit, mit der die hiesige Regierung Entscheidungen trifft. Ninion Wilson, der bei Vodafone für das „Procurement“ - vulgo Beschaffung - zuständig ist, erzählte, dass er am 16. September die Idee mit Schneider erörtert habe; „Am 9. Dezember stand das „Memorandum of Understanding“ und Ende Februar diesen Jahres das endgültige Abkommen“, fasst er zusammen. „Das ist eine beeindruckende Geschwindigkeit.“

Diese erklärte Xavier Bettel auch damit, dass jeder Teil von „Digital Lëtzebuerg“ sei. „Vor einer Woche habe ich eine Vereinbarung für die erste digitale Botschaft unterschrieben. Das ist keine Straße, sondern ein Boulevard“, betonte er. Schneider teilte seine Ansichten und bot anderen Interessierten Unterstützung an.

Ein erstes Start-up, das in die „Tomorrow Street“ einziehen wird, steht offenbar schon fest. Onoff Telecom heißt der Kandidat, der von Ex-Sportler Taig Khris gegründet wurde. Er pendelt derzeit noch zwischen Frankreich und Estland hin und her. Sein Unternehmen macht internationale Anrufe preiswert und entkoppelt die Sim-Karte von der Nummer. „Große Unternehmen haben immer ein Problem mit Apps. Wir können ihnen dabei helfen und die Apps liefern“, lächelt er.