LUXEMBURG
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Parlament gab grünes Licht für Ausbau der A3 auf je drei Spuren

Illusionen, dass sich der Verkehrsfluss durch den Ausbau der A3 wesentlich verbessern wird, macht sich Infrastruktur- und Nachhaltigkeitsminister François Bausch (déi gréng) nicht. Stattdessen will er das „Mehr an Kapazität intelligent nutzen“, also etwa dadurch, dass Fahrgemeinschaften eine Spur benutzen können, sodass zu Spitzenstunden weniger Autos unterwegs sind. Die Notwendigkeit für den Ausbau machte Bausch gestern im Parlament aber auch daran fest, dass zwischen Bettemburg und Düdelingen große, auf Logistik fokussierte Aktivitätszonen liegen. Das Parlament stimmte vergangene Woche in der letzten öffentlichen Sitzung für dieses Jahr mit 58 Stimmen bei zwei Gegenstimmen für das entsprechende Gesetz.

Der Kapazitätsausbau der A3 soll helfen, den Ausweichverkehr über die angrenzenden Ortschaften zu verringern. Er soll aber auch die Sicherheitslage auf der Autobahn insgesamt verbessern, da es insbesondere auf Höhe der „Aire de Berchem“ häufig zu Unfällen kommt. Seit Ende der 1970er beziehungsweise Anfang der 1980er Jahre hat sich der Verkehr mehr als verzehnfacht. In der Sommersaison sind mehr als 90.000 Fahrzeuge täglich auf dieser Strecke unterwegs, die nicht nur die Hauptstadt mit dem Süden des Landes verbindet, sondern auch auf der großen Autobahnachse zwischen Rotterdam und Genua sowie Palermo liegt. Das gestern verabschiedete Gesetz sieht den Ausbau der Autobahn zwischen dem Gaspericher Autobahnkreuz und der französischen Grenze auf zweimal drei Spuren vor. Gleichzeitig werden die Verteiler Düdelingen und Liwingen neugestaltet, während bedeutsame Arbeiten auf das Bettemburger Autobahnkreuz zukommen, unter anderem aufgrund der Spurverbreiterung. Derzeit sind die Logistikzonen Eurohub und CFL-Multimodal über den Verteiler Düdelingen (allerdings nur in Richtung Hauptstadt) an die Autobahn angebunden sowie über die Verteiler Düdelingen/Büringen beziehungsweise Hellingen auf der A13. Lkw und Lieferwagen machen grob 20 Prozent des Verkehrsaufkommens auf der Düdelinger Autobahn aus.

Beim Neubau des Verteilers Düdelingen ist indes auch der Bau eines Park&Ride-Parkplatzes angedacht, wo möglicherweise auch - zur Entlastung der „Aire de Berchem“ - Lkw parken können sollen. Das Fahrradnetz zwischen Bettemburg und Peppingen soll ebenfalls vervollständigt werden. In maximal sieben Jahren sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Aire de Berchem: „Smarter“ Lastwagenparkplatz im Bau

An der A3 liegt die größte Tankstelle der Welt. Was 1983 bescheiden begann, wächst beständig. In Fahrtrichtung Luxemburg-Frankreich unterhält die Aral-Gruppe ihre größte Tankstelle. 20 Autos und zwölf Lastwagen können hier simultan ihre Reservoirs auffüllen. Laut Unternehmensangaben wird hier jährlich Treibstoff für eine Million Pkw und 165.000 Lastwagen gezapft, während der Aral Store rund 850.000 Kunden zählt. Neun Millionen Liter Treibstoff werden monatlich von Aral hier verkauft und das rund um die Uhr. Angesichts des Laster-Andrangs - die Fahrzeuge stehen oft gefährlich an den Auf- und Abfahrten, zumal nachts und an Wochenenden, denn die Fahrer müssen schließlich ihre Ruhezeiten sowie die Wochenendfahrverbote einhalten - wurde dieses Jahr eine Ausdehnung des bestehenden Parkraums fertig-gestellt und Ende 2018 wird ein noch weitaus größerer Lkw-Parking den Betrieb aufnehmen. Das Areal, das vom Straßenbauamt gebaut wird, wird über ein „smartes“ Leitsystem verfügen, das die Lkw etwa gemäß geplanter Stationierungsdauer parken kann. Die Zahl der verfügbaren Lkw-Parkplätze steigt von etwa 54 auf 122 Plätze. Die Tankstelle in Richtung Frankreich-Luxemburg wird indes von Shell betrieben. Auch hier ist es die größte, die der Konzern weltweit betreibt. Hier können gleichzeitig 27 Pkw und 24 Lkw befüllt werden. In den letzten Jahren wurden die Anlagen renoviert und modernisiert, rund 300 Millionen Liter Treibstoff jährlich wechseln hier den Besitzer. Rund 1.500 Lkw und 7.500 Pkw fahren hier im Durchschnitt täglich an die Zapfsäule. Etwa 25.000 Besucher werden im Mittel am Tag gezählt. Ein nicht geringer Anteil davon wird auch extra kommen, um im „McDonalds“, „Deli2Go“ oder „Starbucks“ zu speisen.

A31 bis in Frankreich; Wie geht es weiter ab Zoufftgen?

Sechs Spuren zwischen dem Gaspericher Kreuz - aber dann vier ab dem Grenzübergang in Zoufftgen: Nicht zuletzt der Staatsrat warnte in seinem Gutachten zum A3-Erweiterungsgesetz vor einem „neuen Flaschenhals“ in Richtung Thionville. Schwer vorstellbar in der Tat, wie der Verkehr dort problemlos zu Spitzenzeiten zusammengeführt werden könnte. Nun steht die Verbreiterung der A31 zwischen Thionville und Luxemburg auch im Plan des großen Ausbaus dieser Autobahn zwischen Gye (bei Toul, Meurthe-et-Moselle) und dem Grenzübergang zum Großherzogtum. Nach einer langen öffentlichen Debatte gab die damalige französische Umwelt-, Energie- und Meeresministerin Ségolène Royal im Februar 2016 grünes Licht für das Prinzip des Ausbaus, der zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro kosten dürfte und größtenteils durch die Einnahmen von Maut-Geldern finanziert werden soll. Dagegen laufen die Gemeinden, die nahe an Luxemburg liegen und aus denen die meisten Grenzgänger stammen, bereits Sturm. Es gilt noch eine Menge Etappen zu nehmen, bis die Arbeiten beginnen können. Eigentlich stand in der ministerlichen Entscheidung, dass noch vor Ende diesen Jahres eine weitere Konzertierung zwischen Staat und betroffenen regionalen sowie lokalen Behörden über die Details der Baustellen kommen sollte. Doch davon hat man bislang wenig gehört.

Der Präfekt der Region „Grand Est“, Jean-Luc Marx, der Ende November im regionalen Rat mit Fragen zur „A31 bis“ gelöchert wurde, konnte nicht viel dazu sagen, außer dass bis zum Frühjahr der Regierung ein Vorschlag unterbreitet werden soll, um die A31bis in die Liste der „Baustellen der Zukunft“ aufzunehmen. Für die meisten Politiker aus dem „Grand Est“ und besonders aus Lothringen ist das eine bittere Notwendigkeit. Allerdings: Selbst wenn die Infrastrukturen auf eine Prioritätenliste kommt und als Baustelle „öffentlichen Nutzens“ erklärt wird, dürfte es voraussichtlich noch bis mindestens 2030 dauern, bis das Projekt abgeschlossen ist.