LUXEMBURG
MARCO MENG

Wirtschaftlich nützlich: Energiewende und Umweltbewusstsein

Die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) hat gestern zusammen mit dem Großherzogtum Luxemburg eine Konferenz zu „green jobs“ und ihren Möglichkeiten in Luxemburg abgehalten.

Grüne Arbeitsplätze und die Förderung der grünen Wirtschaft sind zentrale Elemente, um eine sowohl ökonomisch als auch soziale Entwicklung zu erreichen, die nachhaltig ist. Umwelt- und Klimaschutz wurden bislang zwar oft als teuer und arbeitsplatzgefährdend betrachtet, nachhaltiges Wachstum in diesem Bereich kann aber durchaus Arbeitsplätze schaffen. Eine Umgestaltung der Wirtschaft hin zu mehr ökologischem Bewusstsein, so der Tenor bei den Veranstaltungsteilnehmern, hat darum zweifellos weit reichende positive Folgen für die Beschäftigung und den gesamten Arbeitsmarkt.

Umweltorientierte Stellen schaffen

Die ILO fördert deshalb auch mit ihrem „grünen Arbeitsplatz-Programm“ eine praktische und zusammenhängende Strategie in diesem Bereich. Peter Poschen, bei der ILO verantwortlich für Neue Arbeitsplätze und Unternehmensentwicklung, sieht besonderes Potenzial in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Energie, Produktion, Recycling, Bauwirtschaft und Transport. Die Wirtschaftspolitik müsse dem allerdings Rechnung tragen, indem sie Investitionen in diesen Bereich fördert und bei der Besteuerung auch ökologische Aspekte berücksichtigt. Die Bilanz bislang: In den Vereinigten Staaten sind heute drei Millionen Menschen in „green jobs“ beschäftigt, in Spanien mehr als eine halbe Million, in Brasilien sind bereits 6,6% aller Arbeitsplätze im Sektor „umweltorientierte Produktion und Dienstleistung“ (EGSS). Laut UNO können hier weltweit bis zu 60 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden. Voraussetzung sei allerdings, dass gezielt in die so genannte „Green Economy“ investiert wird. Eine herausragende Stellung nimmt der Sektor der erneuerbaren Energien ein, wo sich die Zahl der Arbeitsplätze in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt habe und vor allem in den Industriestaaten enormes Potenzial vorhanden sei. Weltweit arbeiteten dort bereits jetzt fünf Millionen Menschen. Andererseits, so sehen es die Skeptiker, werden hier nur wenige Arbeitsplätze mit höherer Qualifikation geschaffen.

Chancen für Luxemburg

Arbeitsminister Nicolas Schmit sieht gleichwohl in den derzeit neu entstehenden „green jobs“, vor allem Arbeitsplätzen rund um erneuerbare Energien, eine gute Möglichkeit, die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Sein Ministerium hat zusammen mit dem Nachhaltigkeitsministerium schon vor geraumer Zeit angekündigt, mehr „grüne Arbeitsplätze“ in Luxemburg schaffen zu wollen. In vielen Branchen besteht hier Ausbaupotenzial.

Weiter transformieren auch schon bestehende Unternehmen und Arbeitsplätze Richtung ökologisch nachhaltig, weswegen vor allem im Handwerk Weiter- und Fortbildungsmaßnahmen in diesem Bereich zunehmen. Rund 300 Luxemburger Handwerksbetriebe haben bereits Weiterbildungen in erneuerbaren Energien absolviert und sind Träger des Labels „Energie fir d’Zukunft+“

Da die Regierung bis 2020 einen erheblichen Ausbau des regenerativen Anteils an der Energieversorgung anstrebt, ist hier zweifellos Wachstumspotenzial vorhanden. Allein das Potenzial bei Bau und Sanierung von Gebäuden liegt in Luxemburg bei mehr als 400 Millionen Euro jährlich,