LUXEMBURG
JEFF KARIER

Mit dem Projekt „Make Koler Kooler“ will Alain Welter Kahler attraktiver machen

Viele Menschen nehmen Kahler gar nicht wahr, wenn sie durchfahren“, meint Alain Welter. Sein Heimatdorf im Westen des Landes sei zu einem Durchfahrtsdorf geworden. Um das zu ändern hat der junge Künstler sich das Projekt „Make Koler Kooler“ überlegt. Angefangen hat es als seine Bachelorarbeit im Studiengang Illustration in Berlin. „In dieser ging es um die Rolle des Gestalters in Zeiten der Urbanisierung und was dieser zur Lösung der Probleme, die durch die Urbanisierung entstehen, tun kann“, erklärt der 24-Jährige. Seine Antwort ist die Schaffung eines Mehrwertes durch Kunst. Jetzt zieren Musik spielende Affen sowie flatternde Raben die Fassaden einiger Häuser und Kühe grasen vor dem in großen Lettern - eine Anlehnung an das Wahrzeichen Hollywood - aufgestellten luxemburgischen Namen des Dorfes „Koler“.

Dass Welter, dessen Künstlername „Mope“ ist, einen Hintergrund als Illustrator hat, merkt man seinen Graffitis auch an. Sie wirken oft sehr plastisch und lebendig. Sie sind ein echter Hingucker, auch weil man solche Werke eher in einer Stadt und nicht einem kleinen Dorf wie Kahler vermutet.

Damit er seine Vision umsetzen konnte, musste er jedoch zunächst den Bürgermeister überzeugen und Anwohner finden, die ihre Hausfassade zur Verfügung stellen würden. „Anfänglich waren noch viele Nachbarn verunsichert. Nachdem ich aber mit der ersten Mauer angefangen hatte, kamen sogar Anwohner auf mich zu, bei denen ich nicht angefragt hatte, und fragten, ob ich nicht auch bei ihnen etwas machen könnte“, erinnert sich der junge Künstler. Je weiter das Projekt fortschritt, desto größer wurde auch die Aufmerksamkeit im Dorf, aber auch darüber hinaus. „Meine Idee hat schneller Anklang gefunden, als ich gedacht hätte“, resümiert er.

Identifikation mit dem Dorf

Bei der Wahl der Motive versuchte sich Welter mit dem Dorf, dessen Geschichte und Bewohner zu befassen. „Dadurch sollen sich die Anwohner mehr mit meiner Kunst identifizieren. Außerdem sollen die Graffitis auch ins Dorf passen.“ So prägt eine Mauer drei Raben. Welter zitiert somit das Wappen seines Dorfes. Ein anderes Beispiel ist das Affen-Orchester. Dieses ziert ein Haus, dessen Bewohner selbst eine starke Verbindung zur Musik haben. Und wie lange hat es gedauert, bis ein so großes Motiv fertig war? „Das hat bis zu zwei Wochen gebraucht, kleinere einige Tage. Das hing aber oft auch vom Wetter ab“, führt Welter aus.

Um das Projekt umsetzen zu können, war Welter auf finanzielle Unterstützung angewiesen, die er dann auch von mehreren Seiten erhielt. Etwa von „Oeuvre“, der Gemeinde, dem Kulturministerium sowie das Unternehmen „Couleurs Gérard“ aus dem benachbarten Dorf Kleinbettingen, das ihm Farben sponserte. „Ich habe aber auch von den Leuten aus dem Dorf viel Unterstützung bekommen, wenn ich mal Hilfe gebraucht habe. Etwa beim Aufbau des Schriftzugs. Da war ein Traktor sehr praktisch“, erklärt der 24-Jährige.

Im September endete seine Bachelorarbeit, jedoch nicht das Projekt. Es gab weitere Häuserfassaden, die er mit seiner Kunst verschönern durfte, so dass es bislang 16 Graffiti-Werke von Welter zu entdecken gibt. Ob er noch einen Master machen soll, weiß Welter noch nicht. „Aktuell habe ich sehr viele Anfragen für Auftragsarbeiten bekommen, und zwar sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland.“ So stehen ihm Dank „Make Koler Kooler“ viele Türen offen. Ins Ausland will der Künstler auch mittelfristig wieder gehen. „Ich verspüre nach etwa einem Jahr in Luxemburg das Bedürfnis, wieder raus zu gehen“, erklärt Welter. Demnächst wird er etwa nach Hamburg reisen, um an der„Urban Art“-Expo „Millerntor Gallery“, die im Stadion des FC St. Pauli stattfindet, teilzunehmen.

Vernissage als Abschluss

Um sein Projekt der Öffentlichkeit auch in seiner Gesamtheit zu präsentieren und Kahler bekannter zu machen, organisiert Welter eine Vernissage mit Führungen durch das Dorf. Diese wird im Rahmen des traditionelle „Duerffests“ von Kahler, das vom „Club des Jeunes Koler“ am 15. Juli veranstaltet wird, stattfinden.

Bis sich die Besucher ein genaues Bild des Projekts „Make Koler Kooler“ machen können, wird Welter aber noch ein letztes Mal auf das Baugerüst klettern. „Als Letztes werde ich noch eine Wand meines Elternhauses verschönern.“ Ein weiterer Hingucker für Kahler.