LUXEMBURG
DANIEL OLY

„Ciscinho“ hat als erster eSportler in Luxemburg einen Profi-Vertrag unterzeichnet

Profi-eSportler aus Luxemburg gibt es bislang nur denkbar wenige. Einen eSportler mit Profistatut bei einem luxemburgischen Verein gab es bis vor wenigen Wochen noch nie. Den denkwürdigen ersten Schritt hat Francisco Muñoz geschafft: Er wurde vom Differdinger Profiverein „FC Déifferdeng 03“ für eine Saison verpflichtet. Er ist damit der erste Spieler der 11F-Vereinigung, der ein echtes Profistatut erhalten hat - ein absolutes Novum für Luxemburg. Kicken mit den Fingerkuppen, quasi.

Die Kooperation kommt nicht von ungefähr: Francisco Muñoz trägt den Spielernamen „Ciscinho“; unter dem trat er bereits mehrfach an nationalen und internationalen Turnieren im Fußballspiel „Fifa“ an, wurde bereits drei Mal Luxemburgs Landesmeister und gewann sogar bereits die Meisterschaft in Belgien. „Das hat den Organisatoren in Belgien sogar so sehr gestunken, dass seitdem keine Luxemburger bei der Meisterschaft antreten dürfen“, lacht er. Bei der diesjährigen „Luxembourg Gaming Xperience“ (LGX) schlug er den amtierenden „Fifa17“-Weltmeister bei einem Showmatch auf der großen Bühne. Talent hat er demnach genug.

Großes Werbepotenzial erkannt

„FC Déifferdeng 03“ wagt damit trotzdem einen ersten Schritt, zu dem bislang kein anderer Club bereit war. International sieht das anders aus: Den Anfang machte der deutsche Bundesliga-Club Wolfsburg, inzwischen sind viele andere namhaften Teams nachgezogen.

„Déifferdeng“-Teamchef Fabrizio Bei meint dazu: „Wir sind zuversichtlich, dass dieses Abenteuer klappt.“ Für den Verein springe dadurch eine international höhere Visibilität heraus. Dadurch, dass „Ciscinho“ bei allen Matches in den „Déifferdeng“-Farben und mit einem FCD03-Kürzel antrete, kann sich der Club auch bei internationalen Turnieren platzieren. „Déifferdeng 03“ habe das Potenzial im Spielesektor eindeutig erkannt: „Ein Blick auf unsere Jugendspieler zeigt: Videospiele sind in aller Munde“, erklärt Bei weiter. „Das müssen wir anpacken.“

Seit seiner Verpflichtung blieb „Ciscinho“ denn auch nicht untätig: Am vergangenen Wochenende vertrat er seinen Verein (und damit auch Luxemburg) bei der „Paris Games Week“ und dem dort abgehaltenen „Fifa 18“-Turnier der ESWC. „Meine Qualifikation für die Gruppenphase hat super geklappt, aber dann geriet ich in eine absolute Favoritengruppe und wurde schlussendlich Dritter“, erklärt Muñoz. „Das ist besonders ärgerlich, weil ich in beiden Spielen gegen die Profis von PSG und Basel richtig gut mithalten konnte und nur knapp verlor.“ Eines der Spiele wurde sogar auf der Hauptbühne vor tausenden Zuschauern gespielt. „Das war die perfekte erste Messlatte für den FCD03 und mich“, meint er.

Dafür nehme er jetzt viel Motivation mit in die Vorbereitung für die Meisterschaften am 25. November. „Die heiße Phase der Vorbereitung fängt dann jetzt knapp eine Woche im Voraus an“, erklärt Muñoz. „Das heißt: Möglichst viele Testspiele gegen Freunde, entweder online oder lokal zuhause.“ Das sei wichtig, weil sich beide Versionen - im Netz und offline - unterschiedlich spielen. „Online ist das Spiel viel schneller“, sagt Muñoz. „Aber bei lokalen Turnieren muss man sich als Spieler wieder rasant umgewöhnen; das ist nicht ohne.“

Regeln und Gewöhnungssache

Umgewöhnungsphasen gebe es auch nach jedem neuen Update des Spiels. „Jedes Mal, wenn kleine Details verändert werden, müssen wir uns völlig neu eingewöhnen“, sagt er. In manchen Fällen könnte das sogar am Tag vor dem Turnier passieren. „Das hatte ich schonmal, da haben wir stundenlang getestet, was das Zeug hielt“, lacht Muñoz. „Umgewöhnen muss man sich auch immer, wenn auf einer anderen Konsole gespielt wird“, sagt er. Zur Erklärung: „Fifa 18“ gibt es für nahezu alle Plattformen, im Wettbewerb wird auf Sonys „PlayStation 4“ und Microsofts „XBox One“ gespielt. Muñoz ist auf der „PlayStation“ zuhause, muss aber für den Titel auch an der anderen Konsole ran. Das ist nicht so einfach: „Die Versionen unterscheiden sich in kleinen Details“, meint er. „Da kommt es aufs Können an.“

Richtig lange Turniere dauern auch mal etwas mehr als acht Stunden. „Da wird man schnell müde, die Konzentration lässt nach. Für schwache Nerven ist das nichts“, meint er. Es mag komisch klingen, aber er hat Recht: Regelmäßig fliegen (sogar namhafte) Spieler auf, weil sie sich Hilfe verschaffen. Mit dem Aufputschmittel „Adderall“ zum Beispiel.

Deshalb gibt es klare Regeln für die Matches. In den normalen Qualifikationen werden offizielle Teams gespielt - aber sobald es in den Showdown-Matches um die Wurst geht, setzt die offizielle Regelung auf die „Ultimate Squad“-Funktion des Spiels: Hier setzt man sich sein Team aus einem Pool an Spielern zusammen. „Das heißt, da spielen personalisierte Teams gegeneinander“, erklärt Muñoz. „Das sorgt dann für mehr Fairness und verhindert, dass jeder mit großen Clubs wie Real Madrid oder Bayern spielt.“ Zudem erlaube es, das Spiel auf genau die Weise zu spielen, die der eSportler selbst bevorzugt: „Langsam, schnell, stärker über die Seiten - das erlaubt mehr Taktik und Finesse und ich kann selbst entscheiden, was ich mache“, sagt Muñoz.

Deshalb das selbsterklärte Ziel: „Ich will an möglichst vielen Turnieren teilnehmen, national aber besonders international.“ Deshalb hofft er auch, in den internationalen Online-Top64-Ranglisten geführt zu werden. Da winkt nämlich ein Ticket für die offizielle Weltmeisterschaft. „Das erste Weekend war bereits erfolgreich, ich habe 39 von 40 Spielen gewonnen und bin auf dem 69. Platz. Mal sehen, wie es läuft“, erklärt Muñoz.

Der Support seines neuen Muttervereins freut ihn bislang jedenfalls sehr. „Das ist eine super Gelegenheit für mich; ich hoffe, dass ich sie auch weiterhin sehr gut vertreten kann. Die Resultate von Paris sind nur der Anfang! Toll wäre etwa eine Teilnahme an der diesjährigen ,Dreamhack‘ in Schweden.“ Ambitioniert ist er schon.

Man findet ihn online auf Facebook unter „Ciscinho27“ und auf Twitter unter „Ciscinho_27“