LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Khat-Kuriere vor Gericht: Über Auftraggeber wird geschwiegen

Zollfahnder und Polizisten haben am vergangenen 29. Januar am Flughafen Findel knapp 58 Kilogramm der Kaudroge Khat bei zwei Reisenden entdeckt. Am Donnerstag standen die beiden Drogenkuriere wegen Drogenhandels im Rahmen einer kriminellen Vereinigung vor der 7. Strafkammer am Bezirksgericht Luxemburg. Die Anklage wirft dem Duo die Einfuhr und den versuchten Weitertransport von 58 Kilogramm Kath-Pflanzen vor. Khat ist eine Pflanze aus Afrika und dem Orient, die berauschend wirkt.

Der Schwarzmarktwert liegt nach Angaben des Zolls zwischen 150 und 250 Euro pro Kilogramm. Die beschlagnahmten 58 Kilogramm Kath haben somit einen geschätzten Marktwert von rund 14.000 Euro. Die Sicherstellung der Kaudroge in Luxemburg ist einer der wenigen Khat-Aufgriffe für die Justiz. Der Schmuggel in Luxemburg kann trotzdem mit strengen Strafen geahndet werden. „Das soll sich herumsprechen“, meinte der Richter im Gerichtsprozess.

Der 22-jährige Litauer und der 58-jährige Niederländer waren von Nairobi aus kommend über Amsterdam nach Luxemburg geflogen. Nach ihrem Flug waren sie in einen PKW gestiegen. Das Gepäck, bestehend aus zwei Koffern, hatten sie im Kofferraum verstaut. Die Frage vom Zoll nach mitgeführten Waffen, Betäubungsmitteln oder Bargeld verneinten sie. Doch was die Zollfahnder gegen sie in der Hand hatten, das ahnten beide nicht einmal im Ansatz: Sie waren observiert worden. Eine anonyme Anzeige hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht.

Die Drogen wurden beschlagnahmt und gegen die Männer wurde ein Verfahren eingeleitet. Die Beschuldigten wurden in die Justizvollzugsanstalt Schrassig eingeliefert.

Den Kurieren zufolge hätte „jemand“ in Luxemburg die Koffer übernehmen sollen. Doch nach der Festnahme der Kuriere in Luxemburg soll es erst einmal keine Aufträge mehr gegeben haben. Die Auftraggeber waren gewarnt. Es gilt als wahrscheinlich, dass es noch zahlreiche andere Schmuggelflüge und viele Kilogramm an Khat gab, die aus Afrika angeliefert wurden. Denn in der Szene ist den Ermittlern bekannt: Wenn die Polizei einen Drogenkurier festnimmt, nimmt ein anderer seinen Platz ein.

Vor Gericht gaben die Angeklagten an, dass sie bei Ablieferung der Ware 1.500 Euro Kurierlohn erhalten sollten. Dass die Substanz auch in Luxemburg verboten ist, müsste ihnen aber schon bekannt gewesen sein, stellte der Vorsitzende Richter fest und wollte wissen, wer ihnen in der Organisation der Drogen-Transporte den Auftrag gegeben hat. Diese Antwort blieben die Angeklagten dem Richter aber schuldig. Die Frage nutzte der 22-jährige Angeklagte, um das Gespräch in die Richtung zu lenken, die er selbst bevorzugte: Kath-Blätter kauen sei wie Tee trinken, eine Tradition in Afrika, bekundete der 22-Jährige via Dolmetscher. Die Vertreterin der Anklage forderte jeweils 30 Monate Haft und eine hohe Geldstrafe für die beiden Angeklagten.


Das Urteil fällt am 12. Juli