SCHÜTTRINGEN/LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Schüttringen: „Schëtter Bierger“ scheitern mit der Idee einer Viererkoalition vorzeitig

Der Aufreger schlechthin ist die großangekündigte, aber schon nach wenigen Stunden geplatzte Viererkoalition in Schüttringen gegen eine starke DP. Noch am Dienstagabend hieß es, dass sich die drei ein-Mann-Fraktionen von CSV, LSAP und déi Gréng hinter die „Schëtter Bierger“ mit vier Sitzen geschart haben, um in dieser Konstellation einen Schöffenrat unter Jean-Paul Jost - Gemeindesekretär von Mamer - zu bilden.

CSV steigt aus

Nach einem heftigen Sturm in den sozialen Medien ruderte die CSV gestern als erste lokale Sektion zurück. In einer Erklärung heiß es: „Die CSV-Sektion Schüttringen hat nach eingehender Analyse des Wahlresultats beschlossen, dass ein solches Viererbündnis nicht im Interesse der Gemeinde Schüttringen ist und steht demnach nicht für eine solche Koalition bereit.“

Kersch war stinksauer

Innenminister Kersch hatte alle politische Zurückhaltung fahren lassen und nicht mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten und frei von der Leber weg geschimpft: „Véirerkoalitioun géint déi stärkst Partei? Esou ennergrieft een de Rescht Politikvertrauen, waat nach do ass. Dem demokratesche Wettbewerb vun den Iddien ass dat e Bierendingscht geleescht, Demokratiegéigner könne sech an d’Féischtchen laachen.

Sorry Kamerode vu Schoetter, mee dofiir hun ech kee Verständnis. Esou lues réift d’Iwerzeegung a mär, dass een dene Magouille muss iwert d’Gesetz een Enn setzen…“ Politisch sicher unklug wegen des Rufs nach einem - unnötigen - Gesetz, aber menschlich völlig verständlich. Prompt hatte die CSV dem Minister ein merkwürdiges Demokratieverständnis unterstellt, ein Vorwurf den Kersch gestern Nachmittag zurückwies.

LSAP: Nein zum Vierer

Kurz nach der Schüttringer CSV kippte auch die LSAP die „Vierer-Idee“, die sich zu Gesprächen über eine Dreierkoalition bereit erklärte, aber der ursprünglich vereinbarten Vierer-Koalition eine Abfuhr erteilte. Dabei sei immer einer der kleinen Partner das „fünfte Rad am Wage.“

Ob die Entscheidung der Schüttringen Sozialisten, die bei der Wahl böse abgestraft wurden, sie verloren zwei ihrer bis dahin drei Sitze, etwas mit dem wütenden Posting des sozialistischen Innenministers Dan Kersch zu tun hat, sei einmal dahin gestellt.

Unverstandene „Bierger“

Die „Schëtter Bierger“ die noch im Wahlkampf von der guten Zusammenarbeit mit der DP geschwärmt haben, sprachen in einem Statement von gestern, von zerstörtem Vertrauen zum bisherigen Koalitionspartner und warben um Verständnis für ihre Haltung. Selbstverständlich würden sie bei ihrer Entscheidung keine Partikularinteressen vertreten.

Ob und wie eine Koalition in Schüttringen zustande kommt, ist im Augenblick weniger klar als noch vorgestern. Das Tischtuch zwischen DP und den „Schëtter Bierger“ ist aber wohl endgültig zerschnitten.