LUXEMBURG
PIERRE WELTER

„Home-Jacking“-Prozess: Opfer sind noch heute von Tat gezeichnet

Der aktuell vor Gericht verhandelte Fall von „Home-Jacking“ vor dem Bezirksgericht Luxemburg zeigt, dass nichts schlimmer ist, als in den eigenen vier Wänden überfallen zu werden. Die psychischen Folgen für die Opfer sind oft verheerend.

Vor Gericht müssen sich zwei Frauen und ein Mann verantworten. Sie sind angeklagt, am 13. September 2014 ein Ehepaar in ihrem Haus in Eich überfallen zu haben. Die beiden anderen mutmaßlichen Mittäter sitzen in Belgien im Gefängnis. Die belgische Justiz will die beiden aus juristischen Gründen nicht nach Luxemburg ausliefern. Die drei Täter sind geständig.

Schreckensstunden

Den 13. September 2014 wird das Ehepaar P. wohl so schnell nicht vergessen. Diesmal sind die Täter nicht eingestiegen, als niemand zu Hause war. Im Gegenteil, sie hatten gezielt nach den beiden Opfern gesucht, weil sie wussten, dass sie sich zu Hause aufhalten würden. Es ist 7.00, als die Frau die Haustür im Hinterhof aufsperrt. Stockend berichtete die 62-Jährige am Mittwoch von den schrecklichen Erlebnissen. „Mein Mann holte die Zeitung. Er kam wie immer nicht zum Vordereingang ins Haus, sondern durch die Hintertür.“ Es sei zuerst eine Frau mit einer Sturmhaube gewesen, die sie von hinten gepackt, ihr den Mund zugehalten und auf den Boden geworfen hätte. Zuerst wäre sie aufgefordert worden, der Unbekannten den Schlüssel des Tresors zu übergeben. „Wir haben keinen Panzerschrank“, habe sie erwidert. Die Täter hätten dann ihren Mann bedroht und geschlagen und die Tresorschlüssel gefordert. Brutal sei vor allem einer der vermummten Männer aufgetreten. Er habe die Opfer mit einem Revolver bedroht – mit vorgehaltener Waffe an der Schläfe war die Rede. Die Misshandlungsvorwürfe weist der Täter Jason B. aber weitestgehend zurück. Er gibt lediglich an, das Opfer ein Mal geschlagen zu haben.

„Sie haben uns mit Kabeln an Handgelenken und Füßen gefesselt und mir einen Knebel in den Mund gesteckt, damit ich nicht schreien konnte“, sagte die Frau. „Sie haben auch meiner 83-jährigen Mutter ein Taschentuch als Knebel in den Mund gestopft und ihr den Schmuck vom Leib gerissen“, erzählte die Frau von dem Horrormorgen.

Schnell wird klar, dass die Täter schon vorher im Haus gewesen sein mussten. Die Einbrecher wussten schon seit Mai 2014, wo sich der Tresor im Haus befand. Damals konnten die Täter die Tresorschlüssel aber nicht finden. Damals stiegen die beiden Frauen, Laetitia B. und Ceca J., mit Gewalt in das Wohnhaus ein. Die Eigentümer bemerkten den Einbruch rasch, da sie kurz nach dem Einbruch nach Hause gekommen waren. Zahlreiche Wertgegenstände waren entwendet worden. Doch niemand konnte damals ahnen, dass die Täter ein zweites Mal im Haus auftauchen und eine härtere Gangart an den Tag legen würden. Vieles spricht dafür, dass der berüchtigte Gangster Alex J., „le gitan“, der in Belgien inhaftiert ist, den Einbruch in Auftrag gegeben hat. Laut Erklärung der beiden Angeklagten, die am Mittwoch verhört wurden, habe Alex J. die Idee für den Überfall gehabt. Als erster sagte am Mittwoch Jason B. aus. Er hat lange ein Leben als Kleinkrimineller geführt. Die ersten Diebstähle verübte er in sehr jungen Jahren. Einer geregelten Arbeit ging der Angeklagte nie nach. „Ich bin ein Dieb, ich stehle um essen zu können“, schrie er durch den Saal. Doch dann kam alles anders. Eines Tages lernte er Alex J. kennen. Und der sagte irgendwann: „Einbruch ist schnelles Geld.“ Der habe ihn zum Einbrechen angestiftet.

Komplizin wurde krankenhausreif geschlagen

Laetitia B. wird nachgesagt, dass sie alles organisiert und dass sie ihre Komplizen zu dem Tatort chauffiert habe. Ihr sei klar, dass sie zu Recht in Haft sitzt, gab sie zu Protokoll. Sie sei die Gespielin von Alex gewesen und habe ein Kind mit ihm. Ihre Mutter behauptet als Zeugin vor Gericht, dass Alex ihre Tochter entführt und sie halb tot geschlagen hätte. Vier ganze Tage hätte sie in der Klinik gelegen. Sie sei auch von ihm unter Druck gesetzt worden.

Am Donnerstag sagte die Ehefrau von Alex J. aus. Die Frau ist angeklagt, vom 5. Oktober 2013 bis 7. Juni 2014 Einbrüche in Luxemburg begangen zu haben. Am 5. Oktober 2013 sei sie aber in Deutschland gewesen, so die Beteuerung. Doch die Kripo hatte DNS-Spuren von ihr an einem Tatort in Luxemburg gefunden. Von Belgien aus starteten sie und Laetitia B. zu ihren weitgehend wohl recht ungeplanten Einbruchstouren. Die Häuser wurden eher zufällig ausgesucht, wenn sie „schön und modern“ aussahen, sagte die Angeklagte. Auf die Frage, wer Alex J. die Mitteilung vom Tresor im Haus in Eich zukommen ließ, folgten nur noch Floskeln. Von einer Bande als krimineller Vereinigung wollte sie nichts wissen.