LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Das Fantasy-Universum von J. R. R. Tolkien im „Cercle Cité“

Mittelerde im „Cercle Cité“. Wer das Fantasy-Epos von J. R. R. Tolkien kennt und die Fantasiewelt, die er erschaffen hat, weiß, was das bedeutet. Düstere Kreaturen, grüne Landschaften, mittelalterliche Dörfer und gotische Bauten. Das fantastische Universum von Frodo Beutlin, Gandalf und Co. aus Sicht des Illustrators John Howe kann in der umfangreichen Ausstellung „There and back again, visions de Tolkien et d’ailleurs“ entdeckt werden. Neben Alan Lee und Ted Nasmith gilt John Howe als einer der bedeutendsten Illustratoren der Werke J. R. R. Tolkiens. Als Konzeptzeichner war er maßgeblich an der Produktion der „Herr der Ringe“-Saga sowie der „Hobbit“-Filmtrilogie von Regisseur Peter Jackson beteiligt und hat demnach zu großen Teilen das Aussehen Mittelerdes, insbesondere die dunklen Aspekte, entworfen.

Die Expo, die im Rahmen des „Luxembourg City Film Festival“ organisiert wird, zeigt 40 Originale des Künstlers, entstanden in den Jahren 1997 bis 2007, davon 30, die als Vorlage für die Peter Jackson-Filme dienten. Als „There and back again, visions de Tolkien et d’ailleurs“ vergangene Woche eröffnet wurde, war auch John Howe vor Ort. Ausstellungskurator Gilles Francescano beschrieb ihn als „monomanischen Künstler“, der sich seit etlichen Jahren zeichnerisch auf demselben fantastischen Themengebiet bewege.

Komplette Universen

Seiner sehr traditionellen Technik - Bleistift, Aquarell, Papier - ist er dabei übrigens stets treu geblieben, moderne Kompositionen gelingen ihm aber dennoch. Noch dazu zeichnen sich seine Bilder durch eine große Lebendigkeit aus und wirken nicht wie leblos auf Leinwand gebannt, vielmehr scheint alles in Bewegung zu sein. In jedem von Howes Bildern steckt in der Tat beinahe ein komplettes Universum. Zwischen zehn und 14 Tagen arbeite er an einem Bild. Während einer Filmproduktion müsse es natürlich schon mal schneller gehen, gibt Howe zu bedenken. 20 bis 30 Bilder - oftmals dann aber nur Skizzen - pro Woche könne er durchaus produzieren.

Kein Fan der heutigen Fantasy-Literatur

Inspiration findet er indes direkt in der Natur, etwa in den Landschaften der Schweiz, wo er heute lebt, oder in Neuseeland, das der „Herr der Ringe“-Saga als Kulisse diente. Dort waren er und Alan Lee mit Peter Jackson auch auf ausgiebiger Suche nach möglichen Film-Locations. „Wenn ich die nötige Zeit habe, male ich direkt vor Ort oder fertige zumindest Skizzen an. Ansonsten mache ich viele Fotos. Manchmal ist es sehr angenehm, durch die Natur zu streifen und sich dann einfach zwei, drei Stunden hinzusetzen, die Landschaft auf sich wirken zu lassen und zu malen. Das bringt einem persönlich viel mehr, als die schlichte Dokumentation mit Fotos“, erklärt er. Die große Herausforderung liege dann darin, die Bewegung in ein Bild zu übersetzen, so Howe, der übrigens zugibt, selbst kein Fan der heutigen Fantasy-Literatur zu sein. Er stöbere viel lieber in Dokumentar-, Geschichts- und Architektur-Büchern oder besuche Museen, was für seine Arbeit noch dazu von Wichtigkeit sei.

Bleistift und Papier bleiben effiziente Mittel

Im Kinobereich sei es selbstverständlich inzwischen unumgänglich, digital, demnach mit Programmen wie Photoshop, zu arbeiten. „Die heutigen digitalen Mittel machen im Filmbereich alles möglich, ich weiß nicht einmal mehr, wie es vorher ohne ging. Mit Photoshop kann man ja auch alles machen und wieder ändern, wenn es sein muss. Wenn man malt, muss man dagegen von Anfang an sehr viel weiter in seiner Überlegung sein. Auf einfache Mittel zurückzugreifen, wie Bleistift und Papier, kann aber immer noch sehr effizient sein, vor allem wenn man eine Idee mal eben schnell in 20 Minuten festhalten will. Man muss immer das Werkzeug in Bezug auf die jeweilige Arbeit auswählen, und nicht umgekehrt“, führt er weiter aus.

Tolkien gebe in seinen Büchern zwar teilweise relativ genaue Beschreibungen, gewähre aber auch Freiheiten, weil er weniger die physischen Aspekte beschreibe, als vielmehr die Emotionen, die Landschaften oder Kreaturen bei den Protagonisten erwecken würden. „Sehen, wie Bilder schließlich animiert werden, wie sich die Energie entfaltet, der auf Papier ja doch Grenzen gesetzt sind, ist toll, Eine Kreatur auf dem Papier erschaffen und sie dann später auf der Leinwand zu sehen, manchmal sogar in 3D, ist wirklich beeindruckend“, beschreibt der Konzeptkünstler. Das Leinwand-Resultat sei jedenfalls meist sehr nahe an seinen gezeichneten Visionen, sagt Howe. Genau davon kann man sich bis zum 18. März in der Ausstellung im Ratskeller des „Cercle Cité“ überzeugen.

Täglich von 11.00 bis 19.00 geöffnet. www.cerclecite.lu