NIC. DICKEN

Zugegeben: Für die bestehenden Mängel einer flächendeckenden Mobilität im kleinen Luxemburg kann man nicht dem aktuellen Nachhaltigkeits- und Transportminister François Bausch die Schuld geben. Das wäre zu einfach und würde auch nicht dem Umstand Rechnung tragen, dass über Jahrzehnte hinweg weniger die Bedürfnisse der Bevölkerung als vielmehr die Eigeninteressen des wichtigsten nationalen Transportträgers und dessen Beschäftigten die Richtung und den Rhythmus der Entwicklung vorgaben. Die Landbevölkerung hatte ihre Autos, während sich das öffentliche Transportangebot in ausreichender Dichte und Kadenz auf die Ballungsgebiete im Zentrum und im Süden des Landes beschränkten.

Seit der Jahrtausendwende konnten zwar im flächendeckenden Mobilitätsangebot deutliche Verbesserungen erzielt werden, die allerdings immer noch weit davon entfernt sind, als wirkliche Alternative zur automobilen individuellen Mobilität gelten zu können. Das Resultat lässt sich jeden Tag zu den Spitzenstunden selbst auf den kleinsten Nebenstraßen ablesen, die von gestressten Berufspendlern von diesseits und jenseits der Landesgrenzen als willkommene Abkürzungen und Ausweichrouten genutzt werden.

Weil sich dieses Phänomen in den letzten Jahren immer mehr zugespitzt hat - wofür, noch einmal, nicht dem amtierenden Transportminister die Verantwortung zugeschoben werden darf - , müsste endlich an eine vollständige Neuorientierung des Transport- und Mobilitätskonzeptes gedacht werden, die nicht nur in den Ballungsgebieten eine annehmbare Kadenz und Einbindung in die verschiedenen Netze garantiert, sondern eben auch dort, wo die Distanzen am größten sind und damit die Attraktivität am höchsten sein könnte..

Die derzeit den Gemeinden des Landes vorliegenden Vorschläge bezüglich der sektoriellen Entwicklungspläne, zu denen die Kommunen bis Mitte September Stellung beziehen sollen, bieten eine gute Gelegenheit, bestehende Bedürfnisse und Ansprüche nicht nur von zentraler Ministeriumswarte aus unter die Lupe zu nehmen, sondern sie als Ausdruck der Erfahrungen und Empfindungen vor Ort ernst zu nehmen. Dabei gilt es, sowohl den nationalen Mobilitätsbedarf zu kanalisieren als auch den regionalen Bedürfnissen Rechnung zu tragen, an sich eine riesige Aufgabe, die aber als Gelegenheit genutzt werden sollte, dauerhaft soziale, wirtschaftliche, ökologische und in besonderem Maße auch praktische Anliegen unter einen Hut zu bringen.

Die Fertigstellung einer ersten Tramlinie in der Hauptstadt, die auf das ganze Stadtgebiet ausgedehnt werden soll, bringt eindeutig Verbesserungen im Bereich der innerstädtischen Mobilität. Auf ein solchermaßen verbessertes Angebot sollten jedoch nicht nur die Stadtmenschen, sondern endlich auch die Landbevölkerung ein Anrecht bekommen. Für die Bedarfsermittlung können die in den nächsten Tagen von den Gemeinden eingereichten Vorschläge und Anregungen genutzt werden, wobei selbstverständlich nicht allen Wünschen in vollem Umfang Rechnung wird getragen können. Die Zeit, diese Chance optimal zu nutzen, sollte man sich jedoch allemal nehmen.