PATRICK WELTER

Entweder ist der Mann total clever oder schlau wie hundert Meter Feldweg. Was letzte Woche noch nach einer neuen Allianz quer zu den üblichen Bruchlinien des Nahen Osten aussah, scheint „the real Donald Trump“ in dieser Woche wieder zertrampeln zu wollen. Oder er weiß etwas, was wir alle noch nicht wissen? Trump macht einen Umzug zum Politikum.

An der Existenz Israels ist nicht zu rütteln. Dennoch ist es ätzend, dass der Knatsch zweier Kleinstaaten, Israel und Palästina, seit Jahrzehnten die Weltpolitik vergiftet. Es könnte schon seit der Ära Clinton eine echte Zweistaaten-Lösung geben, wenn Arafat nicht gekniffen hätte - aus Angst. Hätte er Jerusalem aufgegeben, hätte die Hamas versucht, ihn in Streifen zu schneiden. Aber es wäre eine Gelegenheit gewesen, das Drama mit einem kühnen Schritt zu beenden.

„Donald Trump will die US-Botschaft nach Jerusalem verlegen, um die Stadt als israelische Hauptstadt anzuerkennen.“ Klingt gut, ist aber nicht ganz richtig. Der US-Kongress hat diesen Beschluss schon 1995 (!) gefasst - allerdings wurde er seit 22 Jahren von jedem US-Präsidenten ausgesetzt. Bis jetzt.

Wie immer setzt der Verstand aus, wenn es um den eingebildeten Freund „Gott“ geht. Die schlechten Schwingungen dreier Religionen konzentrieren sich in Jerusalem, wie die Schwerkraft in einem schwarzen Loch. Nicht nur die abrahamitischen Religionen müssen hier miteinander auskommen, auch die jeweiligen konfessionellen Fraktionen. Prügeleien zwischen Mönchen unterschiedlicher Konfessionen um jeden Quadratmeter der Grabeskirche sind bittere Tatsache. Beim Glauben setzt der Verstand aus. In weiser Voraussicht haben schon die Altvorderen 1947/1948 bei der Formulierung des UN-Teilungsplans Jerusalem zu einer Stadt unter internationaler Verwaltung erklärt. Nur hat sich keiner dran gehalten. Bis 1967 saßen die Israelis im Westen, die Palästinenser im Osten. Seit dem Sieg 1967 beherrscht Israel ganz Jerusalem. Es betrachtet die Stadt - entgegen dem UN-Plan - schon seit 1950 als seine Hauptstadt. Unter Berücksichtigung der UN-Vorgabe haben die meisten Staaten ihre diplomatischen Vertretungen in Tel Aviv eingerichtet, um die de facto Anerkennung des israelischen Anspruchs zu vermeiden. Donald T. will das jetzt ändern. Der palästinensische Anspruch auf die Stadt kratzt ihn dabei wenig.

Es mangelte in den letzten Jahren nicht an Lösungsvorschlägen: Eine Aufteilung der Stadt nach jüdischen und arabischen Stadtvierteln, also in zwei Jerusalems, nur ohne Mauer. Sogar die Saudis haben einen Vorschlag unterbreitet, sie hätten sich mit einem (!) Stadtviertel Jerusalems als palästinensischer Hauptstadt begnügt.

Abgesehen vom üblichen Theaterdonner für seine Wählerschaft könnte Trump zwei Gründe für den Möbelwagen haben. Zum einen könnte er Bibi Netanjahu innenpolitisch helfen, der hartnäckige Korruptionsermittler am Hals hat - das wäre grob fahrlässig. Zum anderen könnte ihm das „neue“ Saudi-Arabien freie Hand gegeben haben - im Tausch gegen Waffen und die Stärkung seiner anti-iranischen Allianz. In diesem Fall juckt es Trump nicht, wenn die muslimischen Massen auf die Straßen gehen und gegen den großen Satan USA wettern. Hauptsache es geht für ihn gegen Teheran.