LUXEMBURG/ ETTELBRÜCKGERHARD KLUTH

Das OPL glänzte in Luxemburg und Ettelbrück

Weelch einen Abend bescherte das OPL seinem Publikum mit seinen beiden jüngsten Konzerten. Einmal beim Benefizkonzert der P&T Luxembourg in der Philharmonie und dann im CAPe in Ettelbrück. „Klassik vom Feinsten“ konnte man hier getrost sagen.

Verantwortlich für den Erfolg waren neben dem Orchester der norwegische Gastdirigent Eivind Gullberg Jensen und der schwedische Klarinettist Martin Fröst. Das OPL glänzte in allen Farben, in allen Registern, als es den Abend mit Richard Wagners Ouvertüre zu „Der fliegende Holländer“ eröffnete. Es illustrierte die Urgewalten des Meeres, die Dramatik der fantastisch-irrealen Geschichte mit all seiner Spannung sowie seinen lyrischen und amourösen Anteilen, die diese Oper Wagners beim Publikum so beliebt macht. Fast mochte man bedauern, dass es nur die Ouvertüre gab. Aber der Abend bot ja noch mehr, bei dem das OPL aus dem Vollen schöpfen konnte.

Über Peter Tschaikowskys erste Sinfonie hatte Gullberg Jensen im Gespräch mit dem „Journal“ gesagt, dass in ihr imaginäre Winterbilder gezeigt werden. „Der erste Satz versinnbildlicht eine Kälte, dass man durch die Musik den Atem vor dem Mund kondensieren sehen kann.“ Und in der Tat musste man sich gedanklich warm anziehen, als Tschaikowskys Opus 13 den Raum erfüllte.

Die klanggewordenen „Winterträume“ - so der Beiname der Sinfonie - sparten nichts aus. Das wundervolle einer Winterlandschaft, das das Auge erfreut, zeichneten Gullberg Jensen und das OPL ebenso in den Raum wie das Unerbittliche. Die Kälte, die Stein und Bein gefrieren lässt, bei der man sich nichts sehnlicher Wünscht, als einen gut geheizten Ofen. Unglaublich dicht geriet der zweite Satz - Land der Öde, Land der Nebel - , undurchdringlich, aber nur, damit das Scherzo die Trostlosigkeit auflösen und im Finalsatz doch der Frühling seine ersten Boten entsenden konnte. Gullberg Jensens Interpretation war meisterhaft und die Umsetzung durch das OPL großartig.

Fröst als absoluter Höhepunkt

Zweifellos der Höhepunkt des Konzertes aber war das Klarinettenkonzert Nr. 1 von Carl Maria von Weber, bei dem sich Fröst zum OPL gesellte. Fröst wird als der beste Klarinettist Schwedens bezeichnet. Es stellte sich die Frage, ob das nicht ein wenig zu kurz gegriffen ist. Sein Spiel hatte fast schon etwas Erotisches. Es gibt viele Musiker, die sich beim Spiel intensiv bewegen. Fröst aber tanzt mit seiner Klarinette, wenn er spielt. Er umgarnt, er umwirbt sie.

Er lockt sein Instrument und verführt es. Er streichelt es und bringt es dazu, Klänge in den Raum zu stellen, bei denen man zwei Mal hinhören muss, so leise sind sie. Ebenso aber lässt er es jauchzen und jubilieren, den ganzen Raum bis in den letzten Winkel füllen. Sein Spiel war geprägt von Leidenschaft durch und durch, die sich auch auf Gullberg Jensen und das OPL übertrug. Wen wundert es da, dass es frenetischen Applaus gab, für den sich Solist und Orchester mit einer „Klezmer Melodie“ für Klarinette und Streicher, arrangiert von Frösts jüngerem Bruder Göran, bedankten.