LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Wenn Noten zu Bildern werden: Musikalischer Nachwuchs und kleine Zeichentalente gesucht

Minimalistische Musik, eine Chance für junge Musiker und Sänger und dazu eine Bühne mit malenden Kindern: Das Projekt „Drawing on Steve Reich“ verbindet das Visuelle mit dem Akustischen und vergibt Stipendien an junge Künstler. Gesucht werden dafür neun professionelle junge Musiker und Sänger am Anfang ihrer Karriere: drei Sängerinnen - zwei Soprane und ein Alt - zwei Pianisten, drei Perkussionisten und ein Klarinettist, denen die „Fondation Michelle“ neun Stipendien zur Verfügung stellt.

Bei dem interdisziplinären Künstlerprojekt steht die minimalistische Musik des Komponisten Steve Reich im Mittelpunkt. Das Werk des US-amerikanischer Komponisten Steve Reich „Music for 18 musicians“ wurde 1976 uraufgeführt. Das Projekt wird von der „Compagnie Ghislain Roussel-PROJETEN“ und „United Instruments of Lucilin“ organisiert und in Partnerschaft mit „Rotondes“, Mudam und Metzer „Arsenal“ über die Bühne gebracht, der „Fonds culturel national“ steht dabei unterstützend zur Seite.

Nachwuchstalente treten mit„United Instruments of Lucilin“ auf

„Das Projekt wird eine große Interpretation der Musik und geht den Fragen nach, was Farben für eine Wirkung haben und wie sie entstehen“, erklärt Stéphane G. Roussel, der künstlerische Leiter, den Ansatz. Für den Zuschauer verspricht er sich eine teilweise Übersetzung der Musik in ein Bild, welches die Beziehung zwischen der Musik von Steve Reich und von Farben verdeutlichen soll. „Diese Musik hat eine starke ästhetische Kraft, ist auch sehr geometrisch und wie ein Perpetuum mobile, mit einem Akkord, der sich permanent bewegt.“ Am Ende geht es um Synästhesie, die Verbindung sonst physisch getrennter Sinneswahrnehmungen - etwa zu Raum, Temperatur oder eben Farben und Tönen.

Bei „Drawing on Steve Reich“ haben die jungen Talente die Gelegenheit, durch das Stipendium der „Fondation Michelle“ über eine Aufnahmeprüfung für das Projekt in das Orchester der „United Instruments of Lucilin“ aufgenommen zu werden. Bewerber müssen junge Luxemburger oder Lothringer zwischen 25 und 35 Jahren sein und einen Abschluss eines „conservatoire supérieur“ besitzen. Unter diesen Umständen können sie sich mit einem Dossier, das verschiedene Dokumente umfassen muss, bewerben. Die „Fondation Michelle“ konnte seit 2014 unter der Ägide der „Fondation de Luxembourg“ schon 122 junge Musiker unterstützen, darunter auch zwei Musikwissenschaftler und drei Komponisten. Allerdings bietet das „Drawing on Steve Reich“ nicht nur jungen Musikern eine Bühne, sondern auch kunstinteressierten Kindern. Etwa zehn Kinder zwischen acht und elf Jahren sollen während der Aufführung ein großes farbiges Kunstwerk zeichnen - ganz unter dem Einfluss der modernen Musik von Steve Reich.

Dabei sollen die Kinder die Farben vor der Aufführung aus Blumen auch selbst herstellen. Damit das dann aber auch klappt, plant Roussel eine Vorbereitung ein. Das Orchester muss ja schließlich seinen Part auch einstudieren - für die Musiker sind Proben sieben bis zehn Tage vor der Premiere angesetzt. „Wir müssen das aber sehr ernsthaft üben, es braucht aber eine bestimmte Konzentrationsfähigkeit und eine kreative Ader.“ Prinzipiell dürfe jedes Kind mitmachen, was aber am Ende auch von der Nachfrage abhänge.

Bewegungs- und Zeichen-Ateliers für Kinderin Kultureinrichtungen

Entwickelt wird das Kunstwerk der Kinder in einem gemeinschaftlich organisiertem Projekt von Mudam und Rotondes. Die beiden Kultureinrichtungen werden bald entsprechende Ateliers ausschreiben, in denen dann schon einiges entwickelt werden soll. Geplant sind mehrere Ateliers mit verschiedenen Experten, vormittags zum Thema Körper und Bewegung und nachmittags folgt dann der visuelle Teil. „Mich interessiert, ein Bild zu kreieren, das eine Reaktion der Kinder auf diese Musik ist“, erklärt Roussel. Die Kinder werden nicht dauernd auf der Bühne sein, haben aber laut Roussel große Verantwortung.

Ein Orchester, Nachwuchstalente mit Stipendium und malende Kinder: Dafür braucht es eine große Bühne. Daher freut sich Roussel über das „große Glück“, in den „Rotondes“ in Bonneweg und im Metzer „Arsenal“ Partner gefunden zu haben. Vielleicht kommen noch weitere Aufführungsorte in Frankreich und möglicherweise in Deutschland hinzu.


Weitere Informationen unter www.compagnie-ghislain-roussel.com, Bewerbung und Angaben zum Ablauf unter www.focuna.lu

Die Premiere findet am 5. Juni in den „Rotondes“ statt, am Tag darauf folgt eine Vorstellung in den „Rotondes“. Im Metzer „Arsenal“ ist die Aufführung für November geplant