SRI LANKA
SIMONE MOLITOR

Natur, Tierwelt und Kulturerbe: Der kleine Inselstaat Sri Lanka bietet reichlich Abwechslung

Palmenstrände, Dschungelgebiete, Teeplantagen, Tempelstädte und Nationalparks mit großen Elefantenbeständen: Der kleine Inselstaat Sri Lanka bietet alles und noch viel mehr. Auf kleinstem Raum findet man eine immense Vielfalt und deshalb reichlich Abwechslung. Wir starten unsere dreiwöchige Tour als Individualtouristen in der Hauptstadt Colombo, wo wir uns aber nicht lange aufhalten und auch nicht wirklich das Gefühl haben, etwas zu verpassen. Der koloniale Teil der Großstadt Galle an der Südküste kann uns da schon eher überzeugen. Derweil vor den Toren der Altstadt (Dutch Fort) alles hektischer zugeht, Staus und Gehupe inklusive, kann man in den schmalen Gassen einen Gang zurückschalten, entspannt bei einem Spaziergang in die Welt der Kolonialzeit eintauchen, der Jugend beim Kricketspiel zuschauen oder über die breiten Wälle rund um die Altstadt wandern. Ein Tag reicht, um auf Entdeckungstour zu gehen, sodass es uns schon am nächsten Tag weiterzieht, diesmal Richtung Regenwald.

Für unseren Trip haben wir übrigens gleich am Anfang einen Privatchauffeur gebucht, der uns von Etappe zu Etappe fährt, nicht weil wir faule Luxustouristen sind, sondern weil das Preis-Leistungs-Verhältnis definitiv dafür gesprochen hat. Zugegebenermaßen ist ein klimatisierter Van, der noch dazu von einem liebenswürdigen Singhalesen gesteuert wird, auch weit bequemer, als die Fahrt im Zug, in den man sich samt Koffer mit Hunderten Einheimischen quetschen muss.

Im „Wald des Löwenkönigs“

Sri Lanka war einst komplett mit dichtem Regenwald bedeckt, wovon der Großteil längst gerodet wurde. An seine Stelle sind vielerorts Teeplantagen gerückt. Das letzte zusammenhängende Regenwaldgebiet (89 km2) ist heute ein Naturreservat namens „Sinharaja Forest“ (Wald des Löwenkönigs). Seit 1988 steht es auf der Unesco-Welterbeliste und ist nur mit Führer zu begehen. Zahlreiche Baumriesen, Lianen- und Orchideenarten sowie riesige Schmetterlinge, bunte Vögel und Schlangen können hier entdeckt werden. Die Nacht verbringen wir am Rande des Nationalparks in einer Dschungel-Lodge umgeben von der beeindruckend lautstarken Tierwelt und lassen uns am darauffolgenden Tag nach Ella fahren. Die Landschaft, die den kleinen, rund 1.000 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Ort umgibt, raubt uns regelrecht den Atem: schroffe Berghänge, fruchtbare Gemüseterrassen, tiefe Schluchten und Wasserfälle. Der Aussicht wegen ist der wenig anstrengende Aufstieg zum „Mini Adam’s Peak“ Pflichtprogramm. Wer mehr Ausdauer hat, kann auch den weit steileren „Ella Gap“ erklimmen.

Von Ella nach Kandy im Nostalgiezug

Ein besonderes Erlebnis und deshalb absolutes Muss ist die Fahrt von Ella nach Kandy mit dem Nostalgiezug, der vom letzten Dampfross der Insel gezogen wird. Es hätte so schön sein können. Blöd nur, wenn man die falschen Tickets erwischt und stattdessen im gefühlten Schritttempo im stinkenden Dieselzug durch eine dafür aber nicht weniger beeindruckende Landschaft tuckert. Etliche Stunden später erreichen wir unser nächstes Ziel.

Abseits der Touristenpfade

In der geschäftigen Königsstadt Kandy interessieren wir uns weniger für den Zahntempel am Milchsee oder den Botanischen Garten als vielmehr für das richtige Leben der Inselbewohner, das besonders beim Besuch einer der lokalen Märkte spürbar wird. Wir staunen, ekeln uns, sind überrascht, lachen, halten uns gelegentlich die Nase zu und sind dennoch pausenlos beeindruckt. Den Zahntempel, in dem die heiligste Reliquie Sri Lankas - ein Eckzahn Buddhas - gehütet wird, besuchen wir dennoch am Abend, immerhin ist es die wichtigste Pilgerstätte der Insel.

Unsere nächste Etappe ist ein Felsen, beziehungsweise Sigiriya, beziehungsweise beides. 200 Meter hoch ragt der Felsen von Sigiriya aus der Ebene empor, sodass man ihn schon von weitem sieht. Hoch oben auf dem Plateau, das man über unzählige schmale Stufen im Gedränge vieler anderer Touristen erreicht, befinden sich die Überreste einer Festung aus dem Jahr 473. Bestätigen können wir das nicht, weil wir stattdessen den benachbarten, weniger überlaufenen und noch dazu weniger hohen „Pidurangala Rock“ bezwingen. Nicht weil wir faul sind - der Aufstieg ist nämlich recht abenteuerlich und muss teilweise auf dem Hinterteil rutschend bewältigt werden -, sondern weil vom dortigen Plateau aus ein faszinierender Blick auf den „Sigiriya Rock“ möglich ist.

Tierwelt, Kulturerbe und Puderzuckerstrände

Nach dieser Etappe steht ein Besuch in einem der zahlreichen Nationalparks an. Wir haben Glück und können während einer Jeepsafari im „Kaudulla National Park“ große Elefantenherden in freier Wildbahn beim ungezwungenen Grasen beobachten, was eines der Highlights unsere Reise ist. Neben seiner faszinierenden Pflanzen- und Tierwelt kann Sri Lanka mit einem reichen kulturellen Erbe punkten. Besonders die beiden königlichen Ruinenstädte von Anuradhapura (die frühere Hauptstadt) und Polonnaruwa sind einen ausgedehnten Ausflug wert. Zahlreiche verwitterte Tempel, prachtvolle Dagoben, große und kleine Buddhastatuen sowie Palastruinen, verteilt auf weitläufigen Ausgrabungsgeländen, ermöglichen ein Eintauchen in die sri-lankische Vergangenheit. Nach diesem Kulturprogramm kann man seinen Urlaub nirgends besser ausklingen lassen als am traumhaften Puderzuckerstrand von Trincomalee.