LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Kulturstaatssekretär Guy Arendt im Interview von A wie „Assises“ bis Z wie „Zen“

Für klassische Musik und Gemälde hat er ein Faible. Seit seiner früheren Tätigkeit als Bürgermeister der Gemeinde Walferdingen ist er der „Walfer Bicherdeeg“ wegen noch dazu der Literatur sehr verbunden. Die Ernennung zum Kulturstaatssekretär kam nach dem Rücktritt von Maggy Nagel vor zwei Jahren dennoch überraschend. Inzwischen fühlt sich Guy Arendt im Kulturministerium heimisch. Im Interview mit dem „Journal“ spricht der DP-Politiker über die wichtigsten politischen Dossiers des auslaufenden Jahres und die künftigen Baustellen.

Herr Arendt, Sie blicken auf ein ereignisreiches Jahr zurück, in dem Sie viel unterwegs waren. Häufig waren Sie auch bei Ausstellungseröffnungen, Programmvorstellungen, Einweihungen und so weiter anzutreffen. Ist Ihnen das persönlich wichtig oder gehört es einfach zum Job dazu?

GUY ARENDT Beides trifft zu. Wohl gehört es dazu, es liegt mir aber auch persönlich daran. Der Kontakt mit der Kulturszene ist mir wichtig, den Puls zu fühlen, und zwar nicht nur in den vier Wänden meines Büros, sondern auch draußen, dies um zu erfahren, welches die allgemeinen Wehwehchen sind und wo noch nachgebessert werden kann. Ich habe immer ein offenes Ohr und verschließe mich keiner Kritik.

Welches waren die wichtigsten politischen Dossiers des auslaufenden Jahres?

ARENDT Ganz klar die Fortsetzung der „Assises culturelles“, der Aktionsplan zur Förderung der luxemburgischen Sprache und der neue Gesetzestext über den Schutz des Kulturerbes. An letzterem arbeiten wir derzeit, nicht zuletzt um die Prozeduren etwas zu vereinfachen. Diesen Text, der das Gesetz aus dem Jahr 1983 ersetzen wird, werden wir Anfang nächsten Jahres vorlegen. Diese drei politischen Dossiers haben mich 2017 am meisten beschäftigt, gleichzeitig werden sie auch die wichtigsten Baustellen im nächsten Jahr bleiben.

Das Kulturbudget 2018 ist gegenüber 2017 von 124 auf 141 Millionen Euro gestiegen. Gibt es Neuerungen oder ist es ein Budget der Kontinuität?

ARENDT Eine gewisse Kontinuität gibt es selbstverständlich, wir haben aber auch eine Reihe neuer Akzente gesetzt. Vier Millionen haben wir beispielsweise für Esch 2022 vorgesehen. Dies dürfte wohl ein Beweis dafür sein, dass wir hinter dem Projekt stehen, auch wenn dies zuletzt etwas in Frage gestellt wurde. Das Kulturjahr wird den Südgemeinden mit Sicherheit einen Aufschwung bringen. Ich möchte noch einmal betonen, dass wir uns nicht ins kulturelle Programm oder die Entscheidungen des Verwaltungsrats der „asbl Esch 2022“ einmischen. Ein sehr wichtiger Posten ist auch der neue Pavillon in Venedig im Arsenale, der unserer Kunstszene mehr Sichtbarkeit bringt. Dies bedeutet natürlich zusätzliche Kosten. Für die Erneuerung des „Musée de la Résistance“ in Esch - ebenfalls ein sehr wichtiges Projekt, das nun endlich in Angriff genommen wird - stellen wir 4,55 Millionen zur Verfügung. Das Konventionsbudget wird ebenfalls erhöht, das Budget unserer konventionierten Häuser demnach leicht aufgebessert. Die Konventionen werden wir indes im Rahmen des Kulturentwicklungsplans im nächsten Jahr erneut unter die Lupe nehmen. Im Rahmen der digitalen Strategie haben wir ebenfalls investiert. Und auch im Bereich Musikunterricht wurde das Budget aufgestockt. Dies war nicht zuletzt nötig, da sich 20 Gemeinden in drei neuen regionalen Musikschulen zusammengetan haben.

Nachdem unter Maggy Nagel die Konventionen mit den Kulturinstitutionen und -vereinigungen neu verhandelt wurden, war die Kulturszene verunsichert. Konnte dieses Vertrauen inzwischen wieder hergestellt werden?

ARENDT Davon gehe ich aus, jedoch ist es nicht unbedingt an mir, dies zu beurteilen. Wenn ich aber sehe, wie die Kontakte mit den Vereinigungen laufen, dann habe ich ein gutes Gefühl. Das Vertrauen ist wieder da, was es natürlich im nächsten Jahr nicht zu enttäuschen gilt.

Apropos Kulturentwicklungsplan, wie ist diesbezüglich der Stand der Dinge?

ARENDT Wir arbeiten momentan ganz aktiv daran, dies nachdem wir zuvor alles gesammelt und während der „Ateliers du Jeudi“ diskutiert hatten. Jetzt sind wir dabei, alles aufzuarbeiten, und im Juni 2018 wird der Kulturentwicklungsplan dann stehen. Am 29. und 30. Juni werden wir ihn im „Conservatoire“ während der zweiten „Assises culturelles“ vorstellen. Ein bisschen „Feintuning“ ist wohl danach noch möglich, aber keine großen Änderungen mehr. Irgendwann muss dieses Projekt ja mal zu einem Abschluss kommen, beziehungsweise endlich mit dem Kulturentwicklungsplan gearbeitet werden können.

Warum lag Ihnen so viel daran, in diesem Dossier plötzlich derart Gas zu geben, nachdem Sie doch zuvor mehr als einmal betont hatten, sich die nötige Zeit nehmen zu wollen?

ARENDT Ich arbeite immer gerne mit kürzeren Deadlines. Das Ganze hat ohnehin schon viel zu lange getrödelt. Die Kulturszene ist froh, dass wir sie zu Wort haben kommen lassen. Und nun heißt es, das Eisen schmieden, solange es heiß ist. Übers Knie gebrochen wird mit Sicherheit nichts. Die Stundenzahl, die Jo Kox für seine Arbeit als Koordinator zur Verfügung gestellt wird, wurde erhöht, um sich nun richtig auf diese Aufgabe zu konzentrieren.

Nächstes Jahr steht auch die Rückkehr zur Frankfurter Buchmesse auf der Agenda, wofür 290.000 Euro im Budget vorgesehen sind. Wieso ist eine Präsenz mit einem eigenen Messestand so wichtig?

ARENDT Wir haben gute Autoren, und diese sollten sich auch nach außen hin zeigen können. Während der „Assises culturelles“ gab es bezüglich Export unserer Literatur übrigens eine klare Nachfrage. Wir brauchen keinen Monsterstand in Frankfurt, jedoch zumindest endlich wieder eine kleine Präsenz. In diesem Jahr hatten wir ja bereits die Chance, uns als Partner von Gastland Frankreich zu beteiligen. Das Feedback war sehr positiv. Momentan arbeiten wir mit dem „Conseil national du livre“, in dem sämtliche Akteure des Buchsektors vertreten sind, am genauen Konzept für nächstes Jahr. Der Stand ist bereits reserviert. Ich bin überzeugt, dass uns dieses Projekt gelingt und sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.

Die Autoren und Verleger haben in der Vergangenheit auch den Wunsch nach einer Literaturagentur geäußert, die eine ähnliche Vermittlerrolle übernehmen könnte wie das Exportbüro music:LX. Ist diesbezüglich etwas geplant?

ARENDT Die Idee ist mir bekannt. Der Stand bei der Buchmesse soll jetzt ein erster Schritt sein, also ein Anfang. In Frankfurt werden in der Regel wichtige Kontakte geknüpft. In diesem Kontext sind natürlich die Autoren und Verleger gefordert, sie müssen aktiv sein und beispielsweise das Ziel verfolgen, die Bücher in andere Sprachen übersetzen zu lassen. Ich möchte bemerken, dass verschiedene unserer Autoren ohnehin bereits stark im Ausland präsent sind, bei anderen Messen wie Paris etwa, und dabei von uns auch finanziell unterstützt werden. Mit dem Kulturentwicklungsplan wird diese Thematik sicherlich dann auch konkreter angegangen.

Sie sind im Allgemeinen sehr positiv eingestellt, was den Kulturentwicklungsplan anbelangt, die Buchmesse, Esch 2022… Gibt es auch Dossiers, wo Sie skeptischer sind?

ARENDT Es gibt immer Punkte, die schwieriger oder komplizierter sind als andere. Konkret kann ich aber jetzt nichts Bestimmtes nennen.

Seit ziemlich genau zwei Jahren sind Sie nun im Kulturministerium, wie haben Sie diese Zeit erlebt? Die Ernennung zum Staatssekretär kam damals ja doch etwas überraschend…

ARENDT In der Tat war es ein Sprung ins kalte Wasser. Ähnlich dürfte es sich aber wohl für jeden oder zumindest viele anfühlen, die Verantwortung in einem Ministerium übernehmen. Für mich war die bisherige Zeit jedenfalls sehr positiv und schön, mit Höhen und Tiefen selbstverständlich, wie das überall der Fall ist. Es ist nie immer alles himmelhochjauchzend, auch das muss man dann managen können. Ich habe gute Kontakte geknüpft, viel gesehen und interessante Leute kennengelernt.

Wie Sie anfangs erwähnt haben, sind Sie offen für Kritik. Wie gehen Sie damit um? Oder anders formuliert, manchmal können Sie schon ein bisschen aufbrausend sein…

ARENDT Sagt man mir nach (lacht). Dabei hat vor kurzem noch jemand zu mir gesagt, ich würde immer so „Zen“ aussehen. Meine Frau ist da schon mal anderer Ansicht. Doch Spaß bei Seite. Im Prinzip versuche ich immer, so ausgewogen wie möglich zu sein. Wenn aber der Ton nicht stimmt und ich den Eindruck habe, nicht respektiert oder ungerechtfertigt kritisiert zu werden, dann kann ich schon mal etwas ungemütlich werden, dennoch versuche ich jedem stets mit dem nötigen Respekt zu begegnen. Es ist normal, dass man in einer solchen Position kritisiert wird. Konstruktive Kritik nehme ich sehr gerne an. Ich denke also nicht, dass ich mich diesbezüglich von anderen unterscheide.