PARIS
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Frankreich: Macron startet mit neuem Rückenwind in ein schwieriges Jahr

Emmanuel Macron kam aus dem Nichts und gewann die Wahl. Nach sieben Monaten als jüngster Staatschef Frankreichs seit Napoleon hat sich der Präsident aber nicht nur im Élysée-Palast etabliert, sondern auch auf der Weltbühne. Die heimische Bevölkerung sieht ihn mehrheitlich als den richtigen Mann für wirtschaftliche Reformen. International gilt er längst als wichtiger Anführer in den Kämpfen gegen Klimawandel und Terrorismus. Doch 2018 dürfte er mehr gefordert werden denn je.

Die treibende Kraft in der EU

Nach aktuellen Meinungsumfragen sind 52 Prozent der Franzosen mit ihrem Staatspräsidenten zufrieden oder haben eine gute Meinung über ihn. Im September waren es kaum 40 Prozent. Wenige Wochen nach seinem erstaunlichen Wahlsieg hatte Macron mit einer Lockerung des Arbeitsrechts viele Landsleute gegen sich aufgebracht. Kritiker beschrieben seinen politischen Stil schnell als arrogant und autoritär. Zumindest einige von ihnen hat er aber offenbar umstimmen können.

In seinen erst wenigen Monaten im Amt ist Macron zugleich viel gereist - und viele hochrangige Gäste aus aller Welt haben ihn in Paris besucht. Gegenüber US-Präsident Donald Trump setzte er mit einem zupackenden Händedruck schon früh ein klares Zeichen. Und dessen Fokus auf die amerikanische Innenpolitik hinterließ auf globaler Ebene ein Vakuum, das der Franzose in vielen Bereichen füllen konnte.

Als Antwort auf den von Trump angekündigten Ausstieg der USA aus dem UN-Klimaabkommen startete Macron die Initiative „Make Our Planet Great Again“. Angesichts des geplanten Austritts Großbritanniens aus der EU wirbt er bei internationalen Unternehmen mit Sitz in London offensiv für einen Umzug nach Paris. In Brüssel macht er sich für Reformen zur Stärkung Europas stark - da Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen der zähen Regierungsbildung in Berlin geschwächt ist, gilt Macron in der EU immer mehr als die treibende Kraft.

Das neue Selbstbewusstsein Frankreichs zeigt sich auch militärisch. Mehr als 4.000 französische Soldaten kämpfen in der afrikanischen Sahelzone gegen Extremisten. Das Engagement in der internationalen Allianz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat im Irak und in Syrien führte Macron ebenfalls fort. Zuletzt bot er sich zudem als Vermittler im Libanon und in der Krise am Persischen Golf an. Und, was für einen französischen Staatspräsidenten ein Novum ist: Wenn er sich an ein internationales Publikum wendet, spricht - und twittert - er auf Englisch.

Innenpolitisch stehen dem Shootingstar der französischen Politik die härtesten Kämpfe aber wohl noch bevor. Im Vorfeld der ersten Arbeitsmarktreform von Macron kam es im Sommer landesweit zu massiven Demonstrationen. Ein im Herbst durchgebrachtes Anti-Terror-Gesetz wurde wegen möglicher Eingriffe in die persönlichen Freiheiten zum Teil heftig kritisiert. Doch die schwersten Brocken kommen noch.

In der Arbeitsmarktpolitik sollen im kommenden Jahr nicht nur neue Regeln in Kraft treten, die den Kündigungsschutz deutlich aufweichen. Macron plant auch umstrittene Maßnahmen bei der Arbeitslosenunterstützung. - Die Arbeitslosenquote ist mit 9,7 Prozent höher als in vielen anderen europäischen Ländern. Für heftige Debatten dürfte darüber hinaus ein neues Zuwanderungsgesetz sorgen, das es der Regierung einfacher machen würde, illegal eingereiste Migranten wieder in ihre Heimatländer zurückzuschicken.

Viele Franzosen sehen Macron vor allem als „Präsident der Reichen“. Und diesen Ruf festigt er regelmäßig durch sein eigenes Verhalten. Als er kurz vor Weihnachten seinen vierzigsten Geburtstag im weltberühmten Loire-Schloss Château de Chambord feierte, ließen die kritischen Kommentare nicht lange auf sich warten.

Auch im politischen Alltag stößt er immer wieder große Teile der Bevölkerung vor den Kopf. Einmal legte er Angestellten eines angeschlagenen Unternehmens nahe, sich einfach neue Jobs zu suchen, anstatt zu demonstrieren. In einer Rede vor Vertretern der Wirtschaft im Sommer sprach er von „Menschen, die Erfolg haben und Menschen, die ,Niemande‘ sind“. Für Kritik sorgt oft auch sein restriktiver Kurs im Umgang mit Medien. Journalisten hält er meist auf größtmögliche Distanz. Interviews gibt er nur selten - und vor allem nur dann, wenn es ihm gut passt.

Trotz allem hat sich die Stimmung in den zurückliegenden Wochen aber klar zu seinen Gunsten entwickelt. Gaël Sliman, Leiter des Meinungsforschungsinstituts Odoxa, sieht hier einen direkten Zusammenhang zum zunehmenden Optimismus der Franzosen im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage. Gerade erst hat die französische Statistikbehörde Insee ihre aktuellen Schätzungen nach oben korrigiert und erwartet für 2017 ein Wachstum von 1,9 Prozent. Das wäre der höchste Wert in zehn Jahren.

Für das kommende Jahr hat Macron umfassende Steuersenkungen versprochen. Unternehmen und Arbeitnehmer sollen dabei um insgesamt etwa zehn Milliarden Euro entlastet werden. Im Gegenzug will er die Steuern auf Benzin und Zigaretten erhöhen. Bis zur nächsten Wahl bleiben dem jungen Staatschef noch mehr als vier Jahre, um dem Land seinen Stempel aufzudrücken. Ob er mit seiner oft forschen Politik auch langfristig eine Mehrheit der Franzosen überzeugen kann, bleibt abzuwarten.