LUXEMBURG
MARCO MENG

In Luxemburg verwaltetes Fondsvermögen erreichte im August 3,6 Billionen Euro

Das von luxemburgischen Fonds verwaltete Vermögen hat einen neuen Rekordstand erreicht. Das erklärte die Vorsitzende des Fondsverbands ALFI, Denise Voss, gestern am Rande der „European Alternative Investment Funds Conference“ auf Kirchberg. Nach jüngsten Zahlen belief sich das von luxemburgischen Fonds verwaltete Vermögen Ende August auf insgesamt 3.602,162 Milliarden Euro, was gegenüber dem Vormonat ein Plus von 1,02 Prozent bedeutet und gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 5,23 Prozent. „Siebzig Prozent der 96 Milliarden Euro, um die seit Ende letzten Jahres das Fondsvolumen wuchs, sind Neuzuflüsse, was besonders erfreulich ist“, so Voss. Die Vorsitzende des luxemburgischen Fondsverbandes wies darauf hin, dass vor allem auch der Sektor der alternativen Investmentfonds (AIF) wächst, der in Luxemburg seit 2013 reguliert ist und seitdem zahlreiche neue Akteure angezogen habe. Im Land gäbe es mittlerweile 335 autorisierte Alternative Investment Funds Manager. Und da der AIF-Sektor (Immobilienfonds, Beteiligungsgesellschaften, Hedgefonds) an Attraktivität gewinnt, nutzen auch herkömmliche Fondsgesellschaften, die bislang die gängigen Publikumsfonds UCITS vertrieben, AIFs: Sogenannte Super-Management-Companies entstehen.

FINANZMINISTER GRAMEGNA BEI DER ERÖFFNUNG DER ALFI-KONFERENZ

„Phase der Unsicherheiten angebrochen“

Dass das von luxemburgischen Fonds gemanagte Vermögen einen neuen Rekord erreicht habe sei „kein kleiner Erfolg“, sagte Finanzminister Pierre Gramegna zum Auftakt der ALFI-Konferenz gestern. Vor allem, wenn man die Volatilität der Märkte und die niedrigen Leitzinsen betrachte. Der DP-Politiker freute sich auch besonders darüber, dass neue Kapitalflüsse zwei Drittel des Anstiegs bestreiten. Die Entwicklung bestätige, dass der Fondsstandort Luxemburg weltweit eine fest Größe ist. „Wir haben einen sehr kompletten Werkzeugkasten für Fonds“, unterstrich Gramegna, der kurz über seine Reisen in China berichtete. „In Hong Kong sind zwei von drei verkauften UCITS-Fonds luxemburgisch“, erklärte der Minister, der ebenfalls das Interesse chinesischer Banken am Finanzplatz Luxemburg hevorhob. „Eine Phase der Unsicherheiten ist angebrochen“, kommentierte er derweil die Entwicklungen um Brexit und Präsidentenwechsel in den USA. „Eine Verbindung zwischen diesen beiden Folgen eines demokratischen Prozesses mag eine Globalisierungsmüdigkeit sein“, analysierte Gramegna. Man habe es bislang als gegeben betrachtet, dass Liberalisierung und Globalisierung des internationalen Handels stets fortschreiten. In Großbritannien und den USA gaben die Wähler nun ein Signal, dass sie diese Offenheit nicht mehr wollen, sie als Bedrohung sehen. Dass der designierte US-Präsident Donald Trump sich aus Handelsverträgen zurück ziehen will, sei „sehr besorgniserregend“. Zumal für Länder wie Luxemburg, das seinen wirtschaftlichen Erfolg auf die Freizügigkeit von Gütern, Dienstleistungen, Kapital und Menschen aufgebaut habe. Abschließend wies der Minister darauf hin, dass dieser Erfolg stark von Innovationen abhängt - Stichwort FinTech - die in Luxemburg ein ideales Umfeld finden.  clk

Die Zahlen zeigten, dass Luxemburg nicht nur UCITs könne, sondern auch Alternative Investmentfonds, und „in beiden streben wir weiteres Wachstum an“, so Voss.

Auch Claude Niedner, der bei ALFI das „Alternative Investments Committee“ leitet, zeigt sich zufrieden, dass der luxemburgische Fondssektor nicht nur attraktiv sei, sondern auch mit stets neuen Produkten wie zuletzt dem RAIF (Reserved Alternative Investment Fund) an Attraktivität gewinne. Gerade erst im Juli autorisiert, existieren bereits 16 dieser RAIF im Land. Diese ganze „Value Chain“ an verschiedenen Produkten erlaube Asset Managern, ihre Investmentfonds in Luxemburg zu strukturieren. „Damit stellt sich Luxemburg onshore so attraktiv auf wie es sonst nur offshore-Standorte in der Karibik oder den Kanalinseln waren“, sagt Niedner. Zur Flexibilität, die das Produktangebot biete, zähle auch die Frage des Fonds-„Passports“, der EU-weit den Fondsvertrieb erlaubt. Eine Frage, die auch im Hinblick auf den „Brexit“ wichtiger wird.

ALFI-Generaldirektor Camille Thommes betont, dass Luxemburg sich davor hüte, aggressiv in London für den Standort Luxemburg zu werben, es bestehe aber seit jeher eine enge Bande mit der Fondsbranche auf der Insel, und dort sei bei den Akteuren derzeit vor allem eines groß: die Unsicherheit. Tatsächlich würden viele Anfragen von britischen Fondsgesellschaften, Banken oder E-Commerce-Unternehmen an die Finanzaufsichtsbehörde CSSF oder an Rechtsberater im Land gerichtet.

Unterdessen arbeitet die luxemburgische Fondsbranche weiter an ihrer Internationalisierung. Im kommenden Jahr sind darum nicht nur Reisen nach Asien geplant, sondern auch nach Südamerika, wo luxemburgische AIFs interessant für institutionelle Investoren wie chilenische, brasilianische oder kolumbianische Pensionsfonds seien. „Mittelfristig gesehen sind das vielversprechende Märkte“, meint Thommes.

DER ZUSTAND DER „ALTERNATIVE INVESTMENT FUNDS“-INDUSTRIE

Von „dry powder“, begehrten Immobilien und Hedgefonds unter Druck

Alain Kinsch, „Country Managing Partner Luxembourg, EMEIA Private Equity Fund Leader“ des Beratungsunternehmens EY moderierte das erste Rundtischgespräch bei der ALFI-Konferenz, bei der es darum ging, den Zustand der alternativen Investmentbranche zu diskutieren. Mit auf der Bühne waren Rosa Villalobos, „Managing Director, Head of Luxembourg Office, MIRA Macquarie Infrastructure and Real Assets S.A“, Daniele Spada, „Head of Lyxor Managed Account Platform“ und Jérôme Wittamer, Vorsitzender der „Luxembourg Private Equity & Venture Capital Association“. Alain Kinsch umriss die verschiedenen Komponenten der alternativen Investments. Zunächst „Private Equity“, wo Fonds im vergangenen Jahr weltweit 5.000 Milliarden US-Dollar gesammelt hätten. 536 Milliarden seien dieses Jahr noch nicht investiert. So viel „dry powder“, wie diese Summe im Fachjargon heißt, habe es dem Experten zufolge noch nie gegeben. Laut Kinsch wird Europa für „Private Equity Fonds“ immer attraktiver. Letztere spielen auch bei Unternehmensübernahmen eine immer größere Rolle. Die Immobilienfonds konnten im vergangenen Jahr 125 Milliarden Dollar neues Kapital mobilisieren, rund die Hälfte davon kam aus Europa. Dort wird auch fast die Hälfte der verfügbaren Mittel investiert. Die Wohnungsmärkte in Großbritannien und die Niederlande sind begehrte Operationsgebiete für die „Real Estate Funds“, die besonders bei Rentenfonds hoch im Kurs stehen. Auch der Hedgefonds-Markt wächst weiter, mittlerweile wiegt die Branche weltweit rund drei Billionen Dollar. Ihre Renditen werden von einer ganzen Reihe von äußeren Faktoren wie etwa den niedrigen Leitzins gedrückt. Innovative Strategien sind also in dieser Branche gefragt.  clk