DÜDELINGEN
INGO ZWANK

4,2 Millionen Euro für bessere Versorgung: Wildtier-Pflegestation in Düdelingen expandiert

Es raschelt etwas im Laub des Freigeheges - dann dauert es keine Minute und sie tauchen auf! Die putzig wirkende Tierchen mit ihren Räubermasken, die hierzulande als invasive Art gelten: Eine ganze Waschbärenbande lebt mittlerweile in der Pflegestation für wilde Tiere in Düdelingen. Doch der Platz wird nicht nur für die putzigen Räuber knapp. Gestern wurde die Erweiterung der Pflegestation in Anwesenheit von Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng) und Düdelingens Bürgermeister Dan Biancalana (LSAP) vorgestellt.

Bis zu 5.000 Tiere im Jahr

In Düdelingen ist das einzige Zentrum dieser Art in Luxemburg. Über eine Konvention mit dem Staat ist die Arbeit geregelt. Aktuell können hier 2.500 Tiere jährlich aufgenommen werden und die Station will nach der Erweiterung ein besseres Umfeld gestalten, um die Tiere zu versorgen. „So können es bis zu 5.000 Tiere sein, die wir aufnehmen können“, sagt Roy Biwer, der Präsident von „natur&ëmwelt“. Doch bereits in diesem Jahr werden es wohl rund 3.000 Tiere werden. Dafür reicht der Platz nun wirklich nicht, wie auch der Direktor der Station, Raf Stassen, betonte.

So wurden 2017 knapp über 100 verschiedene Arten aufgenommen, in diesem Jahr sind es bereits 130, präzisierte Stassen. Alleine über die neuen Sammelboxen sind rund 200 neue Tiere in der Pflegestation aufgenommen worden, die dank der Tierpflegetaxen eingesammelt werden. Mit zehn Festangestellten und rund 50 Freiwilligen, sehr viele junge Leute und Studenten, wird in der Station gearbeitet. Biwer führte dazu aus: „Wir wollen den Tieren die besten Möglichkeiten geben, später wieder in der Wildnis klar zu kommen. Die Tiere sollen hier so wenig wie möglich auf den Mensch geprägt werden.“

Doch schaut man sich beispielsweise die Pflege von Greifvögel an, die sich den Flügel gebrochen haben, braucht man entsprechend große Käfige, dass sie später auch wieder ihre Muskeln trainieren, sprich fliegen können.

58 Ar Erweiterungsfläche

37 Ar werden der Pflegestation von der Gemeinde aktuell zur Verfügung gestellt, über Tauschvereinbarungen mit einem Landwirt wurde das Erweiterungsgrundstück gewonnen, „was ein wichtiges Projekt ist“, wie Biancalana über die 58 Ar Erweiterungsfläche berichtete. Über drei Jahre wird die Gemeinde darüber hinaus 600.000 Euro der Pflegestation zur Verfügung stellen sowie die Planungskosten übernehmen.

Zurzeit arbeitet die Pflegestation mit mobilen Containern. Hier werden unter anderen die Tiere nach ihrem Pflegebedarf getrennt behandelt.

„Der Umgang mit unseren Kindern, den Tieren und der Natur sind der Spiegel unserer Gesellschaft“, philosophierte Dieschbourg, um die Wichtigkeit des Projektes herauszustellen. Der Erweiterungsbau mit allen Gehegen wird mit rund 4,2 Millionen Euro veranschlagt.

Projekt in vier Phasen stemmbar für „natur&ëmwelt“

Finanziell unterstützt wird das Vorhaben vom Umweltministerium mit 1,2 Millionen Euro - über drei Jahre verteilt - und unter anderem mittels einer Erbschaft, die durch einen Hausverkauf rund 500.000 Euro einbrachte. „Wir werden es in den vier Phasen sicherlich gestemmt bekommen“, sagte Biwer. Finanziell weiter unterstützt wird die Pflegestation durch die Gewährung von Personalgehältern. So bezuschusst das Umweltministerium beispielsweise den Direktor. Das Landwirtschaftsministerium bezuschusste in diesem Jahr mit 10.000 Euro den Posten eines Veterinärs, im nächsten sollen es 17.000 Euro sein.

Die Pflegestation erreicht man unter der Telefonnummer 26513990 oder über die Email centredesoins[at]naturemwelt.lu.