BRÜSSEL
CHRISTIAN SPIELMANN

Welturaufführung des Musicals „Peter Pan - The Never Ending Story“ in Brüssel

Eigentlich sollte das neue Musical „Peter Pan - The Never Ending Story“ laut Pressemitteilung die erste Show von Matt Dunkley sein, der sich als Komponist, Dirigent und in der Orchestrierung von Filmmusiken einen Namen gemacht hat. Aber er hat lediglich instrumentale Titel komponiert, während die gesungenen Songs allesamt bekannt sind und u. a. von Robbie Williams, Madness, Supertramp, Rod Stewart oder Giacomo Puccini stammen. Somit könnte man diese Show, die Luc Petit inszenierte und die je nach Vorstellung in Französisch oder Holländisch erzählt wird, in die Kategorie der Jukebox-Musical abtun.

Bekannte Gestalten und Lieder

Im Rund der größten Konzerthalle Belgiens, dem Forest National in Brüssel, steht eine große Bühne, mit einem liegenden riesigen Buch, einem Berg und im Hintergrund überdimensionalen Büchern, auf die Videobilder (Landschaften von Neverland, Meereswellen, Piratenschiffe, usw.) projiziert werden. Voice-over wird die Geschichte von Peter Pan (Sandor Stürbl) von der Fee Tinkerbell (Sylvie de Bie) erzählt (in der französischen Fassung ist Julie Taton die Erzählerin). Zuerst schmettert Kapitän Hook (Milan Van Weelden) das „Largo al factotum“ aus dem „Barbier von Sevilla“ von Gioachino Rossini, während Miss Darling (Sara De Smedt) und ihr Mann (Wim Van den Driessche) ihre Familie mit dem Madness-Titel „Our House“ präsentieren. Ihre Kinder Wendy (Lilly-Jane Young), John (Gerardo Tetilla) und Michael (Davide Romeo) schlafen seelenruhig, während Peter zu „Dreamer“ von Supertramp in ihr Schlafzimmer schwebt.

Wendy fliegt zu „One Day I’ll Fly Away“ von Randy Crawford mit Peter und ihren Brüdern nach Neverland, wo die Lost Boys auf ihren Leader warten, die Indianerin Tiger Lily (Julia Guez) und ihr Stamm leben, und die Piratenbande von Hook und Mister Smee (auch Van den Driessche) auf Beutezug geht. Hook singt die Arie „Nessun Dorma“ aus „Turandot“ von Puccini, ehe er vor dem tickenden digitalen Krokodil fliehen muss. Wendy und Peter geben „Forever Young“ von Alphaville, Robbie Williams‘ „Angels“ und „Kiss From A Rose“ von Seal zum Besten, ehe die jungen Darlings zu Rod Stewarts „Sailing“ wieder nach London segeln.

Visuell beeindruckend

Die neuen Titel von Matt Dunkley dienen in erster Linie als Hintergrundmusik oder als Tanzmusik, wie das rockige „Indian Requiem“. Dunkley hat lediglich einen Song komponiert, den melodischen „Kalo Mea“ von Tiger Lily gesungen.

Das wirklich Positive an der Show sind die vielen Effekte und Einfälle. Peter, die Darlings, Tinkerbell und einige Piraten fliegen über die Bühne oder tauchen in diese ab oder aus ihr hervor. An Bungee-Seilen hängend fechten die Lost Boys gegen den Piraten. In einem vertikalen Windkanal schwebt Peter auf und ab, versucht Hook mit den unmöglichsten akrobatischen Bewegungen zu fangen. Schließlich bekämpfen sich Peter und Hook kopfüber unter der Decke der Halle.

Die Choreografien von Martino Müller scheinen oft chaotisch, gefallen aber durch ihre Einfachheit, die mit viel Akrobatik gepaart wurde, wie in der wilden Tanznummer zu „Wild Boys“ von Duran Duran. Stimmlich gefällt Lilly-Jane Young als Wendy am besten.

Sandor Stürbl hatte am Anfang ein paar Probleme mit seiner Tonlage, konnte sich aber anschließend steigern. Dieses Musical, das am Donnerstagabend einmalig ganz in Englisch gespielt wurde, ist ein Spektakel mit vielen Effekten fürs Auge, als denn eine Show, welche die Geschichte von James Matthew Barrie frisch erfindet oder neue musikalische Leckerbissen parat hält.

Gespielt wird bis zum 6. Januar 2013. Weitere Informationen und die Möglichkeit, Tickets zu reservieren, findet man auf den Internetseiten www.peterpan.is oder www.musichall.be.