HOLZEM
CORDELIA CHATON

Guy Greif hat sich vor fünf Jahren auf Aluminium-Wabenpaneele für Wandverkleidungen spezialisiert - und stattet jetzt Luxusyachten oder Museen wie den Louvre-Lens damit aus

An der Wand hängt sein ganzer Stolz: Das pinke Alupaneel in Knitteroptik, das für den afrikanischen Nachrichtensender „Africa-News“ in Brazzaville bestimmt ist, daneben glitzern versilberte Muschelstückchen, gebogene Natursteine, mit Netz bezogene silberfarbene Wandverkleidungen, eingefärbter Titan oder Elemente, die mit flüssigem Bronzestaub oder Goldreißlack überzogen wurden. Guy Greif lächelt. Der Manager von R-Tech weiß, dass keiner ihm das so leicht nachmachen kann. Er hat selbst Jahre gebraucht, um die Aluminium-Wabenpaneele mit dekorativen Oberflächen für Außen- und Innenflächen zu entwickeln.

Angefangen hat der 59-Jährige ganz schlicht, als gelernter Fliesenleger im Baugeschäft. Heute ist Greif weit mehr. Das Unternehmen R-Tech hat ein Nischenprodukt für den großen Luxus entwickelt, das Yachten und Museen ebenso schmückt wie Luxus-Restaurants und Einkaufszentren. Jetzt rufen Stararchitekten in Holzem an, damit R-Tech sie beliefert.

Wie kommen Sie auf Alupaneele?

Guy Greif Ich wollte schon immer mit den großen Architekten zusammenarbeiten. Die setzen ihren Willen durch und nehmen das Beste. Über den Messebau bin ich auf Aluwaben gekommen und wollte dann Oberflächen aus speziellem Alu haben. Das war damals schwierig, wir waren ein No-name-Unternehmen. Gemeinsam mit Tom Reichert und dem Team haben wir viel getüftelt, denn wenn man noch kein Vorzeigeprojekt hat, ist es mit Unterstützung schwierig. Irgendwann nach zwei Jahren hatten wir es dann geschafft. Da war es natürlich toll, dass wir vom renommierten japanischen Architektenbüro Sanaa den Auftrag für den Innenausbau des Louvre-Lens bekommen haben.

Was können Sie, das andere nicht können?

Greif Es geht darum, große Flächen mit einem Material zu verkleiden, das ein geringes Gewicht hat. Je geringer das Gewicht, desto mehr Einsatzmöglichkeiten. Doch das war beim Louvre-Lens mit einem großen Risiko behaftet, da bis dahin noch niemand Fassadenelemente mit einer Aluwabe als Kernmaterial zum Aussteifen in dieser Größe - immerhin 1,50 x 6,29 m - gefertigt hatte. Sanaa hatte verlangt, dass man die Kante von dem Alupaneel nicht von außen sehen durfte. Das ist bei eloxierten Aluplatten schwierig, zumal diese riesige Fläche nur mit einem Kleber befestigt wurde und warmer und kalter Luft standhalten musste, die dahinter heizte oder kühlte. So etwas würde ich auch gern für andere Architektur-Stars machen wie Peter Marino. Zaha Hadid lebt ja leider nicht mehr.

War der Louvre-Lens der Durchbruch?

Greif Leider nein, aber aufgeben kam für uns nie in Frage, sondern genau das Gegenteil. Wir wussten, wir sind auf dem richtigen Wege und wenn wir noch etwas Zeit und Entwicklung in diese Idee investieren würden, dann würden auch Folgeaufträge kommen. Also haben wir weiter an dem Produkt entwickelt, bis wir dann im März 2014 einen Europäischen Musterschutz auf unser Produkt bekamen. Damit konnten wir dann auch zu den international anerkannten Architekten Kontakt aufnehmen. Leider hielten sich die Architekten in Luxemburg bis auf einige Ausnahmen stark zurück. Bald kamen die ersten positiven Reaktionen aus dem In- und Ausland, wie beispielsweise das Architekturbüro PPAG Anna Popelka aus Wien, mit dem Büro wir dann den Gourmettempel „Steirereck im Stadtpark Wien“ erweitert haben, das zu den fünfzig besten Restaurants der Welt zählt. Dort haben wir nicht nur Fassaden, sondern auch geschwungene Innentüren geliefert, die 3,50 hoch und breit sind. Diese mussten leicht und steif sein, weil sie als Raumteiler ständig genutzt werden. Nach der Fertigstellung haben wir dann dort einen Architekturtag mit unseren Lieferanten vor Ort organisiert. Mit den 40 ausgewählten Architekten, die der Einladung gefolgt sind, arbeiten wir heute noch eng zusammen. Das war der Durchbruch.

Welche Projekte haben Sie noch gemacht?

Greif Die Liste reicht von der RATP in Paris, für die wir die Metrostation André Citroën ausgestattet haben, über das American Hospital of Paris bis zu den VIP-Kundenräume von Vuitton am Place Vendôme. Ausgefallen war sicher auch die Ausstattung einer Luxusyacht. Dabei haben wir für die Firma Vedder aus Deutschland Produkte für das größte private Segelschiff der Welt entwickelt, das eine ist ein spezieller 3-D-Druck mit Holz-Optik , und das andere ist mit Blattgold belegt und als Oberfläche kommt dann noch ein so genannter Reißlack darüber. Die ´White Pearl´ ist ein 143 m langes Luxusschiff eines russischen Milliardärs und hat acht Stockwerke.

Machen Sie nichts in Luxemburg?

Greif Doch, zuerst habe ich mit Tatiana Fabeck und mit B + von Andrea Schroeter die ersten Objekte in Luxemburg gemacht. Dann kam WW+ hinzu, mit denen ich das Restaurant B13 realisiert habe. Heute sind es viel mehr. Momentan arbeiten wir an 23 Dossiers. Nebenbei forschen wir weiter. Zurzeit experimentieren wir mit Recycling-PET-Schaum, um neue Produkte zu schaffen.

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