LUXEMBURG
LJ

Was kann man tun, wenn eine Person Selbstmordgedanken hegt?

Eine Person in einer suizidalen Krise teilt sich nicht unbedingt in ihrem beruflichen Umfeld mit. Sie äußert sich eher im Familienkreis um mitzuteilen, wie schlecht es ihr geht. „Dann soll man weniger Lösungen vorschlagen als vielmehr erstmal zuhören, Zeuge seines Leidens sein“, sagt der Psychologe Fränz D’Onghia, Direktionsbeauftragter des „Servie Information et Prévention“, der Liga für psychische Gesundheit.

„Manche Menschen haben in solchen Situationen Tendenz, überzureagieren“, erklärt er. Gleich Ratschläge zu erteilen oder bei dem Betroffenen gar den Druck noch zu erhöhen mit Aussagen wie „Das kannst du doch nicht tun“, „Denk mal an deine Kinder und Freunde“ oder gar: „Das wäre feige von dir“, kann sehr kontraproduktiv sein. Vielmehr, sagt D’Onghia, soll man dem Gegenüber zuhören und ausreden lassen. Das sei ein wichtiges Signal dafür, das man verstanden hat, dass die Person leidet. Danach sollte man zeigen, dass man bereit ist, weiter zu helfen und bestenfalls die Person überzeugen, sich professionelle Hilfe zu suchen. Gut sei auch, den oder die Betroffene auf dem Weg dorthin zu begleiten, verfügbar zu sein, wenn man gebraucht wird.

Beim Dienst würden regelmäßig Menschen anrufen, um zu erfahren, wie sie mit einer suizidgefährdeten Person umgehen sollen, die oft Angst hat, sich Unbekannten mitzuteilen. Auch Schüler etwa, die sich besorgt darüber zeigen, dass es Mitschülern nicht so gut geht. Sie seien wichtig, um an Menschen mit Selbstmordgedanken ranzukommen. Jeder könne was tun, um zu vermeiden, dass jemand sich das Leben nimmt.

Leidensgeschichte

Dem Selbstmord geht meist eine lange Krise voran

Zwischen den ersten Selbstmordgedanken bis zur Entscheidung, Hand an sich selbst zu legen ist es oft ein langer Weg. Die französische Expertin Monique Séguin („Le suicide: Comment prévenir, comment intervenir“ - 1991) macht fünf Etappen aus. Bei jeder, auch bei der letzten, kann die Krise noch entschärft werden. 1. Die Suche nach Lösungen Der Betroffene wägt seine Optionen ab, um selbst aus seiner Krise zu finden und seine Not zu lindern. Manche sehen viele, andere wenige Lösungen. Ein Selbstmord wird an diesem Stadium kaum ins Auge gefasst. 2. Suizidale Gedanken tauchen auf Die ins Auge gefassten Auswege aus der Krise erweisen sich als ineffizient oder als Sackgassen. Suizidäre Gedanken setzen sich immer öfter fest. 3. Die Grübelspirale Die Not wird größer, der Wunsch, endlich da rauszukommen, ebenfalls. Der Betroffene meint, er habe keine Lösungen mehr. Der Selbstmordgedanke wird zum Dauerbegleiter. 4. Das Szenario Die Hoffnungslosigkeit hat den Betroffenen fest im Griff. Der Suizid erscheint ihm als einziger Ausweg. Er plant ihn konkret. 5. Der Auslöser Nach einem langen Prozess des Scheiterns und der Enttäuschungen kann ein Vorfall zur Ausführung des Suizidplans führen.
Professionelle Hilfe holen

Die Anlaufstellen in Luxemburg

Personen in einer suizidalen Krise und ihre Angehörigen sind nicht allein! Es gibt Anlaufstellen, bei denen sie sich in aller Diskretion professionelle Hilfe holen können. Eine Liste von Strukturen, die Beratung anbieten, gibt es auf www.prevention-suicide.lu. Bei ihnen kann man sich rund um die Uhr per E-Mail mitteilen. Sofortige psychologische Hilfe gibt es telefonisch bei SOS Détresse (454545). Für Kinder und Jugendliche steht das „Kanner a Jugendttelefon“ zur Verfügung (116111). Die bessere Vernetzung zwischen den professionellen Beratern ist eines der Ziele des ersten  Suizidpräventionsplans in Luxemburg für die Periode 2015-2019. Er beinhaltet 33 Maßnahmen zur Bekämpfung der Ursachen und Konsequenzen der Selbstmorde.  Mehr: tinyurl.com/Suizidplan