LUXEMBURG
CB

SNE-Forderungen: Schwerpunkt auf Gewalt und spezifische Bedürfnisse

Gewalt an den Schulen und die Betreuung von Kindern mit spezifischen Bedürfnissen sind zwei Hauptthemen im Forderungskatalog des „Syndicat National des Enseignants“ (SNE) im Vorfeld der Parlamentswahl im Oktober. In praktisch allen Schulen gebe es heute Situationen von Mobbing und Gewalt. „Die Politik muss endlich die Augen öffnen“, meinte gestern Patrick Remakel, der Präsident der Gewerkschaft der Lehrer im „Fondamental“. Für die Unterorganisation der Staatsbeamtengewerkschaft CGFP ist es deshalb wichtig, dass die 150 in Aussicht gestellten spezialisierten Lehrkräfte (I-EBS) zunächst einmal rekrutiert werden, damit es in jeder Schule einen solchen gibt, dann aber auch, nach Bedarf beispielsweise in größeren Schulen, weitere „instituteurs spécialisés“ einzustellen. Damit allein sei es allerdings nicht getan. Der administrative Aufwand müsse auf ein „striktes Minimum“ reduziert werden, damit die I-EBS tatsächlich vor allem mit den Kindern arbeiten können. Dass dem heute nicht so ist, habe dazu geführt, dass „Einzelne nach einem Jahr aufgehört haben“, berichtete Remakel auf Nachfrage. Die Gewerkschaft sieht darüber hinaus Bedarf für „Präventions- und Interventionsstrukturen“ in allen Schulen, die man sich als Gruppen von Erziehern, Krankenpflegern oder Sozialarbeitern vorstellen muss, die bei der Betreuung von Schülern mit Verhaltensproblemen oder bei der medizinischen Versorgung von Kindern im Rahmen des „Projekt d’accueil individualisé“ (PAI) eingreifen.

In den Augen des SNE hapert es auch bei den „équipes de soutien aux élèves à besoins particuliers et spécifiques“ (ESEB). Es fehle an Mitteln und Flexibilität bei den Prozeduren. „Die ESEB müssen in der Schule präsent sein“, sagte Remakel, zudem müssten die Mitarbeiter „hauptsächlich mit den Schülern in den Klassen arbeiten“. Für die Lehrergewerkschaft steht zudem fest, dass Kinder mit spezifischen Bedürfnissen, Verhaltensauffälligkeiten oder Lernschwierigkeiten, „die nicht mehr in einer Klasse oder in einer Schule betreut werden können“, in den jeweiligen Kompetenzzentren aufgenommen werden. „Auch wenn wir die Idee der Inklusion nicht kategorisch verwerfen, so sind wir aber doch der Ansicht, dass es nicht immer möglich ist, sie in der Klasse oder in der Schule zu verwirklichen“, sagte SNE-Präsident Patrick Remakel.

„Tiefgreifende Reform“ des „Stage“

Auch wenn die 80/80/90-Gehaltsregelung in Zukunft abgeschafft und die „Stage“-Dauer prinzipiell auf zwei Jahre reduziert werden soll, führt für den SNE kein Weg an einer „tiefgreifenden Reform der Inhalte und Evaluierungsprozeduren“ vorbei. Das Praktikum müsse angehenden Lehrern eine „wirkliche Hilfe“ sein. Um die in den vergangenen Jahren verloren gegangene Attraktivität des Lehrerberufs wiederherzustellen, plädiert Remakel für einen Abbau von Verwaltungsaufgaben sowie eine Bilanz der laufenden Reformen „auf ihren Mehrwert“ für den Unterricht und die Kinder.

Für mehr Ersatzlehrer sorgen

Geprägt von den Zuständen zum Anfang des vergangenen Schuljahres muss für den SNE der Pool der Ersatzlehrer (Réserve des suppléants) aufgestockt werden. Die Anwärter müssten zudem ein „adäquates Niveau“ in Deutsch und Französisch (mündlich wie schriftlich) aufweisen können. In diesem Sinne plädiert der SNE für einen Sprachentest. Die Gewerkschaft hält auch an ihrer Forderung fest, Ersatzpersonal auf zwei Ebenen zu rekrutieren: für die kurzzeitige Klassenaufsicht („surveillance“) sowie Ersatzpersonal für längere Einsätze.