LUXEMBURG
JOS BOURG

Viele schwere Krankheiten können heute behandelt oder gar geheilt werden. Liegt das Problem aber an einem Organ, das nicht mehr richtig funktioniert oder entfernt werden muss, sind Patienten auf ein Spenderorgan angewiesen. Eine Organisation, die sich seit Jahren für die Betroffenen und das Thema Organspende stark macht, ist „Protransplant“, dessen Präsident Jos Bourg kritisch auf die aktuelle Situation in Luxemburg blickt.

„Die Situation in Luxemburg hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Als Mitglied von Eurotransplant ist das Großherzogtum vom letzten Platz ins Mittelfeld hoch gerückt. Das zeigt aber, dass es bis vor etwa zwei Jahren sehr schlecht um Organtransplantationen in Luxemburg gestellt war. Entsprechend ist die Situation trotz der Verbesserung noch immer nicht zufriedenstellend.

Im Eurotransplant-Raum, der neben Luxemburg auch Belgien, Deutschland, Kroatien, Niederlande, Österreich, Ungarn und Slowenien umfasst, sterben nach wie vor jedes Jahr zahlreiche Menschen, weil kein passendes Organ gefunden werden konnte. Im Schnitt kann man von vier Personen pro Tag sprechen, die sterben. Umgerechnet auf die luxemburgische Bevölkerung wären das statistisch sechs Menschen im Jahr. Das muss sich ändern.

Auf gesetzlicher Ebene ist Luxemburg gut aufgestellt. Denn seit 1986 ist festgehalten, dass jeder Organspender ist. Wer also zu Lebzeiten nicht schriftlich festgehalten hat, dass seine Organe nach seinem Tod nicht gespendet werden dürfen, wird Spender und rettet Leben. Länder wie Deutschland wollen demnächst ein ähnliches Gesetz einführen. Allerdings wird in Sterbefällen immer noch oft die Familie gefragt, ob die Organe gespendet werden dürfen, worauf es dann immer mal wieder eine negative Antwort gibt.

Vor einigen Monaten wurde der Artikel 15 des Organspendegesetzes ergänzt, der die Pflichten und Rechte der Ärzte nochmal definiert. Trotz eines von uns als Organisation in Auftrag gegebenen ‚avis juridique‘ fehlen hier noch wichtige Punkte, weshalb nochmal nachgebessert werden müsste. Allerdings gehe ich davon aus, dass dies nicht in naher Zukunft der Fall sein wird.

Entsprechend ist es wichtig, die Gesellschaft für das Thema Organspende zu sensibilisieren und Aufklärungsarbeit zu leisten, um so mehr Organspenden zu erhalten. Das zählt besonders für Herz-, Leber- und Lungentransplantationen. Denn im Fall von Patienten, die eine Nierentransplantation brauchen, gibt es noch die vorübergehende Lösung der Dialyse. Bei anderen Organen gibt es eine solche Möglichkeit nicht. Allerdings ist Dialyse sehr belastend für den Körper und eine große Belastung für die Person.

Da die Gesellschaft immer älter wird, aber auch da die Bevölkerung wächst, wird der Bedarf an Organspenden in Luxemburg weiter steigen. Entsprechend wären medizinische Fortschritte, wie das Züchten von Organen aus körpereigenen Zellen, ein bedeutender Schritt, um Leben zu retten. Da dies aber noch Zukunftsmusik ist, müssen wir hier und heute dafür sorgen, dass mehr Organe gespendet werden. Dabei gibt mir die Einstellung vieler junger Menschen Hoffnung. Denn diese sind der Organspende sehr aufgeschlossen.“