LUXEMBURG/MAINZ/HAHN
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Schlussverhandlungen für Verkauf des Flughafens Hahn gestartet

Im Verkaufsprozess für den Flughafen Hahn hat die rheinland-pfälzische Landesregierung die Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsprüfer KPMG beendet. Beide Seiten hätten eine entsprechende Vereinbarung getroffen, sagte gestern der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) in Mainz. Dabei sei auch eine Honorarregelung gefunden worden, „die unseren Vorstellungen sehr entspricht“.

Das Beratungsunternehmen KPMG hatte die Verhandlungen mit der chinesischen Firma SYT geführt und einen Kaufvertrag für den Flughafen erreicht. Dieser Verkauf platzte jedoch spektakulär wegen Betrugsvorwürfen gegen das chinesische Unternehmen, das lange Zeit auch „unauffindbar“ gewesen war.

Den weiteren Verkaufsprozess führt nun die danach mit eingeschaltete Wirtschaftsberatungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton. Die Verhandlungen mit drei Bietern sollten noch gestern beginnen, sagte Berater Martin Jonas. Ein Kaufvertrag werde für Januar angestrebt.

Auch neue Angebote sind willkommen

Nach Ministeriumsangaben spielen im Verkaufspoker um den Hunsrück-Airport noch drei der sechs verbliebenen Bieter mit. „Der Verkaufsprozess ist aber weiterhin ein offenes Verfahren ohne Ausschlussfristen, so dass gegebenenfalls auch neue oder nachgebesserte Angebote noch berücksichtigt werden können“, hieß es.

Die Namen der drei Bieter, die nun nach einer mehrstufigen Sichtung in die heiße Verkaufsphase eintreten, sind offiziell nicht bekannt. Als Grund der Vertraulichkeit nennt der Berater Martin Jonas: Die Verkaufsverhandlungen könnten erschwert werden, wenn die Käufer einander kennen. So viel aber ist aber bekannt: Es gibt Bieter mit Kooperationspartnern aus der Luftverkehrsbranche. Aus Kreisen bisheriger Interessenten für den Flughafen Hahn sind zwei Namen zu hören, die unter den drei verbliebenen Bietern sein sollen: Die pfälzische ADC GmbH mit dem Geschäftsführer Siegfried Englert und dem chinesischen Unternehmen HNA als Partner sowie der chinesische Investor Jonathan Pang mit dem Regionalflughafen Schwerin-Parchim.

Die Verhandlungen sollen während mehrerer Tage in Klausurberatungen stattfinden. Dabei erwartet Berater Jonas, „dass wir uns im Laufe des Dezembers mehr und mehr auf einen Bieter zubewegen werden, wir werden zwei Bieter verlieren“. Ein Kaufvertrag, sollte er denn zustande kommen, muss dann allerdings von der EU-Kommission geprüft werden, auch der Plan für staatliche Beihilfen, die Brüssel noch bis maximal 2024 zugelassen hat. Auch soll der Verkauf in einem Gesetz verankert werden, über den dann der rheinland-pfälzische Landtag abstimmen muss.

Verkäufer sind in unbequemer Lager

Dass sich die Eigentümer - zu 82,5 Prozent Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent Hessen - wegen der defizitären Lage der Flughafengesellschaft nicht gerade in einer komfortablen Verhandlungsposition befinden, liegt auf der Hand. Die laufenden Erträge der Flughafengesellschaft FFH reichen nicht aus, um alle Kosten zu decken - das Jahresdefizit beläuft sich auf 18 Millionen Euro. Um die Zahlungsfähigkeit sicherzustellen, soll es ab Mitte Dezember im Abstand von vier bis acht Wochen jeweils ein bis eineinhalb Millionen Euro aus einem Gesellschafterdarlehen des Landes geben. So kann die monatliche Zahlung der Gehälter für die mehr als 2.000 Beschäftigten geleistet werden. Insgesamt stehen 34 Millionen Euro als Gesellschafterdarlehen bereit.

Werden auch künftig noch Billigflieger vom Hahn starten? Die drei verbliebenen Interessenten am Hahn sind laut Berater Jonas an einer Fortführung des Flugbetriebs interessiert. Denkbar ist nach Darstellung von Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro auch ein Modell mit einem eingeschränkten Flugbetrieb. Die irische Fluggesellschaft Ryanair hat ihren Abfertigungsvertrag am Hahn um fünf Jahre verlängert - das Unternehmen ist ein Hauptkunde auf dem ehemaligen US-Militärgelände, wo seit 1993 ein ziviler Flugbetrieb stattfindet.

Ryanair setzte auch die Bezeichnung des Flughafens „Frankfurt-Hahn“ durch. Allerdings fliegt Ryanair seit kurzem auch von Luxemburg, von woher viele Passagiere des Hahns einst kamen, und die Airline will künftig auch vom 120 Kilometer östlich gelegenen Flughafen Frankfurt am Main aus Ziele wie Mallorca oder Malaga anfliegen. Für den Hahn ein schwerer Schlag. Mit rund 2,7 Millionen beförderter Passagiere im letzten Jahr konnte gegenüber 2014 (2,4 Millionen) zwar wieder eine leichte Steigerung der Passagierzahlen erreicht werden. Im Rekordjahr 2007 flogen über den Hahn aber vier Millionen Passagiere. Auch das Frachtgeschäft, in das viel Hoffnung gesteckt wurde, liegt darnieder, nachdem einige große Frachtbringer dem Hunsrück-Airport den Rücken gekehrt hatten.