LUXEMBURGCHRISTIAN SPIELMANN

Meisterliches „West Side Story“-Revival im Pariser Théâtre du Châtelet

Am 26. September 1957 feierte das Musical „West Side Story“ seine Broadway-Premiere im Winter Garden Theatre. Die Songs von Leonard Bernstein sind Ohrwürmer geworden, und die Choreografie von Jerome Robbins ist legendär. Die deutsche Produktionsfirma BB Promotion („Cats“) produzierte ein bemerkenswertes Revival zum 55. Geburtstag eines der besten Musicals aller Zeiten, das seit dem 26. Oktober im Pariser Théâtre du Châtelet zu sehen ist, in einer grandiosen Inszenierung von Joey McKneely.

Zeitlose Geschichte von Hass und Liebe

In der New Yorker West Side bekämpfen sich die Gangs der amerikanischen Jets und der puertoricanischen Einwanderer, den Sharks. Die Liebesgeschichte zwischen dem Jet-Mitglied Tony und der karibischen Schönheit Maria könnte die verfeindeten Banden einen, und das sinnlose Gerangel um die Vorherrschaft über das Stadtviertel beenden. Leider triumphiert am Ende der Hass über die Liebe, der Tod über das Leben. „Well, I can kill too because now i have hate!“, (Gut, ich kann auch töten, weil ich nun hasse!) sagt Maria und bedroht mit einem Revolver Chino, der ihren geliebten Tony niederknallte. Sie kann aber nicht töten, wie ihr Bruder Bernardo oder Chino. Sie hat gelernt zu verzeihen. Nur in der traumhaften Ballettszene zu „Somewhere“ ist die Welt in der West Side in Ordnung. Alle sind weiß gekleidet, Liebe und Verständnis vereinen die beiden Gangs. „Gee Officer Krupke“ ist das lustige, aber kritische Gegenstück, dieses melancholischen Balletts, insgesamt die beiden Highlights dieser Inszenierung. Fazit: Selbst im Alter von 55 Jahren hat „West Side Story“ nichts von seiner Aktualität verloren!
Meisterhafte Inszenierung
Dieses Revival respektiert die Original-Choreografien von Jerome Robbins, die immer noch spektakulär und hinreißend sind. Beleuchter Peter Halbsgut taucht die Bühne oft in ein rotes Licht, die Farbe des Blutes. Per Videoprojektion werden Bilder von New Yorker Straßenblocks auf den hintersten Teil der Bühne projiziert. Bewegliche stählerne Gerüste, die Paul Gallis entwarf, stellen das trostlose Wohnviertel dar, wie auch den Drugstore von Doc oder das Geschäft, in dem Maria arbeitet.

In der besuchten Vorstellung sang Liam Tobin die Rolle des Tony. Mit sehr viel Gefühl bohrte sich seine Liebeshymne „Maria“ in die Herzen der Zuschauer. Mit „One Hand, One Heart“ „heiratet“ er Maria, die von einer zierlichen Elena Sancho Pereg gesungen wurde, die über eine gewaltige klare Stimme verfügt. Ihr beider Duett „Tonight“ war genauso schwungvoll, wie die Schlussszene traurig. Yanira Marin spielte ein feurige Anita, die mit der furiosen Tanzszene zu „America“ ihren Höhepunkt erlebte. Alex Puette sang den Anführer der Jets, Riff, und Pepe Muñoz den Chef der Sharks, Bernardo. Jede Choreografie wird in voller Perfektion getanzt. Von einer absolut engagierten Truppe gespielt, gesungen und getanzt ist aus diesem Revival ein meisterhaftes und ewiges Plädoyer für Toleranz und Nächstenliebe geworden.

„West Side Story“ läuft noch bis zum 1. Januar 2013 im Pariser Théâtre du Châtelet (www.chatelet-theatre.com) in englischer Sprache mit französischen Übertiteln.