LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Bloggerin Anna Katina lockt mit anregenden Bildgeschichten zur Museumsnacht 2018

Die Geschichte des Museums beginnt früh: Die älteste noch erhaltene museale Kunstkammer stammt aus dem 16. Jahrhundert. Demnach können die Menschen bereits gut 400 Jahre lang Kunstsammlungen im Museum bewundern. Kunstwerke bestaunen kann man mittlerweile allerdings auch online. Die Social-Media-Plattform Instagram ging vor gerade mal acht Jahren an den Start und bietet ein facettenreiches Sammelsurium an Fotos und Bildern an. Inwiefern sich hier Intersektionen ergeben können, testet momentan Anna Katina (27) aus Leudelingen. Die junge Bloggerin ist freie Fotografin und arbeitet zudem im Digital-Media-Marketingbereich.

Bereits im Lyzeum hat sie Gefallen an der Fotografie gefunden. Nach einem fünfjährigen Marketingstudium in Brüssel konnte sie den Master 2016 erfolgreich abschließen und entschied sich zur Selbstständigkeit. Mittlerweile hat sie schon einige größere Projekte verwirklichen können, so hat sie Architektur für das „Wall Street Journal“ fotografiert und lieferte Bildmaterial für den luxemburgischen Gastronomieführer „Explorator“. „Ich würde meinen Stil als Fotojournalismus mit einem Hauch von Nostalgie beschreiben“, erklärt Anna Katina. Durch die Bildbearbeitung schafft sie eine gewisse romantische und lebendige Atmosphäre, die sich wie ein roter Faden durch ihre Bilder zieht.

Fesselnde Geschichte durch ansprechende Fotos

Dieses Flair hat es den Veranstaltern der diesjährigen Ausgabe der „Nuit des Musées“ angetan, sodass sie Anna Katina eine Projektarbeit zur Vermarktung und Vorankündigung der hauptstädtischen Museumsnacht anboten. „Mir wurde bei der Gestaltung freie Hand gelassen. Das Wichtigste ist, dass kein Museum spezifisch in den Vordergrund gestellt wird. Als Thema wurde 2018 das Konzept der Sammlung gewählt, sodass ich dies auch als zentralen Punkt in meiner Arbeit berücksichtige“, führt Anna Katina aus. Da die junge Fotografin zwecks Vermarktung hauptsächlich auf Instagram setzt, wurde zunächst ein Account für die luxemburgische „Nuit des Musées“ eingerichtet. „Die meisten Leute sind via Instagram gut zu erreichen. Es ist momentan das populärste Medium und hat Facebook bereits längst abgelöst. Die Plattform zeichnet sich dadurch aus, dass man nicht einfach banale Fotos hochlädt. Es geht darum, qualitativ hochwertige, ansprechende und inspirierende Inhalte zu posten, mit denen sich eine fesselnde Geschichte erzählen lässt“, erklärt sie.

Zu Beginn hat sich Anna Katina durch die teilnehmenden Museen führen lassen und bereits einige ansprechende Kunstwerke oder Hingucker mit der Kamera festgehalten. Um den Aspekt der Sammlung an sich festzuhalten, interessiert nicht nur die konstruierte Anordnung der Exponate, sondern auch deren sich entwickelnder Aufbau. Nachdem die Instagram-Story die Museen selbst mitsamt der Kollektionen in den Vordergrund rückte, wird sich der Fokus nach und nach vermehrt auf die Menschen hinter den Projekten richten. Wer ist an der Montage beteiligt? Wer ist der Tänzer, durch den die Performance, wie sie im Casino zu sehen sein wird, Gestalt annimmt? Hierbei geht Anna Katina aber ausschließlich beobachtend vor, direkte Gespräche mit den Künstlern führt sie nicht. Am Abend des 13. Oktobers werden natürlich auch die Besucher zu Elementen der Fotokunst, um Stimmung und Mystik des Events einzufangen und bildlich festzuhalten.
Als Follower bereits an den Vorbereitungen teilhaben

Die Fotoreihe auf Instagram lässt die Follower aktiv an den Vorbereitungen der „Nuit des Musées“ teilhaben. So sollen Anreize gesetzt und das Interesse der Leute geweckt werden. Manchmal zeigen die Bilder nur kleine Details der Kunstwerke und informieren nicht über die Geschichte hinter dem Objekt. Dies weiß Anna Katina gut zu nutzen: „Manche kleinere Aspekte entdeckt man nicht sofort, wenn man eine Ausstellung im Ganzen betrachtet. Ich fotografiere daher auch eher versteckte Fragmente, die an sich selbst sehr reizvoll sind und vielleicht sonst im Verborgenen bleiben würden. Die Menschen sollen angespornt werden, die Erzählungen und Geheimnisse der Werke selbst herauszufinden, sei dies nun, indem sie den Entwicklungsprozess der Exposition auf künstlerische Weise quasi live miterleben, Werke aus anderen Perspektiven begegnen, oder indem ihnen der Aspekt der Sammlung im Allgemeinen nähergebracht wird.“ Das Thema der Sammlung findet die Bloggerin ohnehin sehr interessant. „Für mich ist eine Kollektion eine Ansammlung ähnlicher Objekte, die aber in ihrer Identität dennoch verschieden sind. Ich versuche Werke oder Gegenstände zu finden, die man ihrer Form nach als Teile einer Sammlung deuten könnte, und die dabei ihre Andersartigkeit dennoch nicht verlieren“, reflektiert Anna Katina.

Anhand der von ihr gefertigten Bilder für die Instagram-Story wird einem die Teilhabe an einem großen Puzzle ermöglicht, bei dem sich Einzeldinge nach und nach als wesentliche Elemente eines großen Ganzen ausweisen lassen, zudem sowohl die sieben Museen, als auch deren Kunstwerke, Besucher und die Umgebung zählen.

Junge Leute wieder fürs Museum begeistern

Durch diese perspektivische Neuartigkeit und den modernen Rahmen der Instagram-Plattform soll das Projekt von Anna Katina wieder Lust auf das Museum machen, es von einem vielleicht zu einseitigen Image lösen und als alltagstaugliches und attraktives Element der Freizeitgestaltung und -kultivierung wieder den Menschen, ob jung oder alt, näherbringen. Bislang scheint das Vorhaben auf jeden Fall zu fruchten. Nach fünf Wochen zählt der Instagram-Account bereits gut 740 Follower, für luxemburgische Verhältnisse ist dies beachtlich. „Ich selbst werde auf jeden Fall wieder öfter ins Museum gehen. Anstatt zu Hause vor dem Schirm zu hocken, könnten wir uns doch auch mal im Museum treffen, Kultur bestaunen und uns in den dortigen Cafés austauschen, wie dies in mondänen Großstädten alltäglich ist. Ich hoffe, dass mein Weg, die museale Welt Luxemburgs auf modernere und jüngere Art darzustellen, die Attraktivität dieser Szene hierzulande wieder aufwerten wird“, freut sich Anna Katina. Mit dem Instagram-Projekt zur diesjährigen „Nuit des Musées“ hat sich die Museumskultur Luxemburgs auf jeden Fall ein innovatives Mittel gegeben, um das Interesse bei den Kunstinteressierten des Landes zu wecken. Wer Lust hat, sich aktiv mit einzubringen ist herzlich dazu eingeladen während der Museumsnacht Fotos der persönlichen „Coup de Coeurs“ zu schießen, auf Instagram zu posten und mit dem Tag #ndmlux zu versehen und bei der Gewinnauslosung teilzunehmen. Das Museum im 21. Jahrhundert hält demnach äußerst viele ansprechende Facetten bereit, und unterscheidet sich zumindest dadurch mit Sicherheit von den musealen Kunstkammern der Renaissance.
www.instagram.com/nuitdesmusees_lu
Mehr zu Anna Katina findet man unter: www.annakatina.com