LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Pflegeleistungen in betrügerischer Art und Weise abgerechnet

Ein Mann und zwei Frauen mussten am Montag in Luxemburg auf die Anklagebank. Ihnen werden unter anderem Betrug und Geldwäsche vorgeworfen. War es die Gier nach immer mehr Geld oder eine Notlage, die die mutmaßlichen Gauner dazu brachten, systematisch Menschen um ihr Erspartes zu prellen?

Der Angeklagten Salomé V. (62) wirft die Staatsanwaltschaft vor, höhere Summen Geld bei drei Schutzbedürftigen ergaunert zu haben.

In einer ersten Etappe soll sie zwischen Februar 2013 und Juli 2015 einem 67-jährigen Mann aus Niederanven durch List und Überredungskunst größere Summen Geld abgeknöpft haben. Die Rede ist von Geldüberweisungen in Höhe von 134.000 Euro und Barabhebungen von über 90.000 Euro.

Ein anderer Mann (82) soll der Angeklagten ebenfalls auf den Leim gegangen sein. Er soll ihr 14.100 Euro überwiesen haben. Als Argument soll sie angegeben haben, sie hätte sich Geld bei der Bank geliehen, es aber nicht zurückzahlen zu können. Im guten Glauben, dass sie ihre Schulden tilgen kann, gab der heute 82-Jährige der Beschuldigten 40.000 Euro.

Weiter wird der Frau zur Last gelegt, ein drittes Opfer (heute 72 Jahre) überredet zu haben, ihr 17.000 Euro auf ihr Konto zu überweisen.

Den beiden Angeklagten Johnny G. (29) und Cécile S. (36) wird vorgeworfen, den 67-jährigen Herrn aus Niederanven (Opfer von Salomé V.) auch betrogen und ausgenutzt zu haben. Sie boten dem schutzbedürftigen Mann Pflegedienste und Hilfe bei der Hausarbeit an. Die Rechnungen seien betrügerisch ausgestellt worden, sagte die Staatsanwaltschaft, die Summe sei übertrieben und der Stundenlohn zu hoch. Durch falsche Erklärung hätten sie höhere Beträge kassiert, als ihnen zustanden. Ihre Masche war dabei simpel: Es wurden teure Pflegeleistungen in Rechnung gestellt, die sie sich mit 50 Euro die Stunde bezahlen ließen. Schließlich zahlte das Opfer den beiden 20.000 Euro für die Betreuung.

Ein Tag krankgeschrieben

Bei den Opfern geht die Staatsanwaltschaft von besonders schutzbedürftigen Personen aus - sei es, weil die Leute hochbetagt sind oder ihr mentaler Zustand stark beeinträchtigt ist.

Doch nicht selten scheuen Opfer den Gang zum Gericht. So auch das 67-jährige Opfer aus Niederanven. Der Mann hatte sich mit einem medizinischen Attest durch die Staatsanwaltschaft vor Gericht entschuldigen lassen. Aus dem Attest geht hervor, dass er für einen Tag krankgeschrieben war. Rechtsanwalt Pim Knaff, der die Verteidigung der Angeklagten Salomé V. übernommen hat, hegte allerdings Zweifel an der Geschichte. Knaff erklärte, dass der 67-Jährige aus Niederanven nie unter einer „gesetzlichen Vormundschaft“ gestanden hätte. Der Betroffene hätte für sich beim Vormundschaftsgericht eine Betreuerin oder einen Betreuer als gesetzliche Vertretung in genau festgelegten Bereichen beantragt, was das Gericht aber als unzulässig abgelehnte. Der Verteidiger hatte deshalb darauf gedrungen, den Prozess gegen seine Mandantin zu vertagen, das Opfer solle vor Gericht erscheinen. Er wolle dem Geschädigten die Gelegenheit geben, den Äußerungen der Angeschuldigten beizuwohnen, soweit dies ohne Gefährdung seiner Gesundheit geschehen kann. Der Geschädigte wird nur insoweit vernommen werden, als dass es zur Abklärung des Sachverhaltes nötig sei. Die 7. Strafkammer hat diesem Ansehen nun stattgegeben.

Der neue Prozesstermin steht noch aus.