LUXEMBURG
CATHERINE NOYER

Seltenheitswert haben luxemburgische Uhrmacher - Eric Pescheux ist einer von ihnen

Berufsvorstellungen hatte Eric Pescheux aus Schifflingen nicht, als er vor mehr als 20 Jahren die Schule verließ. „Bis zur Quatrième war ich auf dem Lycée. Als es in Richtung Naturwissenschaften und Sprachen ging, machte mir das Ganze keinen Spaß mehr. Auch der technische Zweig war nicht mein Ding“, erinnert sich der heute 41-jährige. Bei der Berufsberatung fand er in einer Broschüre die Beschreibung des Uhrmacherberufes. „Das wollte ich versuchen, begann eine Lehre und merkte, dass man dieses Metier nur auf einer Schule lernen konnte“, blickt er zurück.

Er bewarb sich auf der staatlichen Uhrmacherschule in Furtwangen im Schwarzwald. Recht abenteuerlich war der Einstieg in die Schule, denn er bewarb sich freitags für den Schulbeginn am Montag. „Ich glaubte nicht recht an eine Aufnahme, aber der Schuldirektor rief mich am Samstag an und sagte mir ich könne anfangen“, lacht Eric Pescheux. Drei Jahre dauerte die Ausbildung an der Uhrmacherschule, an der unter anderem bekannte Uhrmacher unterrichteten und ihre Erfahrungen übermittelten.

Zum Uhren- und Schmuckhaus Kayser-Reinert kam Eric Pescheux nachdem er in Düdelingen und im deutschen Stromberg gearbeitet hatte. „In Stromberg war ich Produktionsleiter bei einer Firma, die Werbeuhren herstellte, eine reine Montagearbeit“, blickt er zurück. Als die Auftragslage schlechter wurde, wollte er zurück nach Luxemburg, präsentierte sich bei verschiedenen Juwelieren und auch bei Norbert Kayser. Das war vor 14 Jahren.

Neue Uhr aus altem Fliegermaterial

Die Arbeit als Uhrmacher sei eine reine Konzentrationsarbeit, bei der man ein Teil fertig machen muss und nicht rechts und links arbeiten könne, bemerkt der Spezialist. Einen guten Kontakt zu den Luxemburger Kunden hat er ebenfalls. „Sie schätzen es von einem Fachmann beraten zu werden, der ihre Sprache spricht, denn die meisten Uhrmacher sind Grenzgänger aus dem benachbarten Ausland“.

Eine Herausforderung für ihn ist die Kreation einer komplett neuen Uhr für das 1912 gegründete Uhren- und Schmuckhaus Kayser-Reinert. „Da unser Haus der Fliegerei verbunden ist – vor allem durch unser Angebot an Breitling–Uhren, haben wir beschlossen, eine Uhr aus altem Fliegermaterial herzustellen. Beliefert werden wir von einem Engländer, der Flugzeuge ausschlachtet und das Metall verkauft. Dabei handelt es sich um spezielle Legierungen, beispielsweise mit Aluminium oder Magnesium. Wir arbeiten an einem Prototyp, der nicht nur eine GMT-Funktion, sondern ebenfalls auf dem Zifferblatt verschiedene Flughafenkürzel hat, die jeweils die Landung der ersten Boeing dort anzeigen“, erklärt Eric Pescheux. Bei diesem Projekt kann er seine Passion für die Zeitmesser voll auskosten, ohne die es bei einem solchen Beruf nicht geht. Vorgesehen ist zunächst eine kleine Serie von maximal vier Uhren. „Bis auf das Schweizer Werk wird die Uhr komplett in Luxemburg gefertigt, auch um zu zeigen, dass wir im Großherzogtum absolut in der Lage sind Uhren herzustellen“.

www.kayser.lu

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