LUXEMBURG
ROBERTO MALDONADO

Morgen findet der „Tag der Tropenwälder“ statt, der 1989 vom WWF initiiert wurde. Auch wenn für deren Erhalt in den letzten Jahren und Jahrzehnten viel getan wurde, ist dieser wichtige Lebensraum, der auch einen bedeuten Einfluss auf das Klima der Welt hat, weiterhin bedroht. Hierzu Roberto Maldonado von WWF Deutschland.

„Im Juli dieses Jahres konnten wir in Kolumbien einen der größten Naturschutzerfolge feiern. Hier wurde der Nationalpark Serrania del Chiribiquete erweitert und ist nun der größte tropische Nationalpark der Welt. Dieser umfasst rund 4,2 Millionen Hektar, was der Fläche der Niederlande entspricht. Dieser ist ökologisch sehr wichtig, da er auf der Grenze zwischen den Anden, dem Orinoco, dem Amazonas und den Ausläufern der Guayana-Tafelberge liegt.

Außerdem konnte man in diesem Gebiet die ältesten Vorkommnisse von Menschen im Amazonas nachweisen konnte. Da es zuvor ein Rückzugsgebiet der ehemaligen Guerillagruppe FARC war, ist es noch recht unerforscht. Erste Expeditionen deuten aber darauf hin, dass die hier größte Ansammlung an Wandmalerei der gesamten Welt zu finden ist. Hinzu kommt, dass es im Westen des Nationalparks wohl noch indigene Völker, die vollständig ohne Kontakt mit der Außenwelt leben. Der Schutz dieses Regenwaldgebiets ist somit gleich aus mehreren Gründen sehr bedeutend und ein gemeinsamer Erfolg der kolumbianischen Regierung und verschiedenen Partnern, zu denen auch der WWF zählt.  

Im Nachbarland Brasilien gab es in der Vergangenheit ebenfalls immer wieder große Erfolge beim Naturschutz. So wurde etwa die Schutzgebietfläche verdoppelt und ein sehr fortschrittliches Waldgesetz verabschiedet. Wir erleben aber in letzter Zeit eine permanente Degradation von Umweltstandards. So gab es Gesetzesänderungen auch auf Druck des Agrar- und Bergbausektors um eben weitere Flächen nutzen zu können oder sogar Schutzgebiete und indigene Gebiete für Projekte zugänglich zu machen.

Wir konnten dieses Jahr dabei helfen, ein Gesetz zu verhindern, welches die Neuaufforstung von Schutzgebieten de facto unmöglich gemacht hätte. Es gibt aber weitere Versuche, die aktuellen Gesetze aufzuweichen oder auszuhebeln. Es ist seit einigen Jahren ein permanenter Kampf.

Dabei kann es eigentlich gar nicht im Interesse des Landes und auch des Agrarsektors sein, die Standards aufzuweichen. Brasilien beginnt, die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren und als Agrarnation spielen sie somit mit dem Feuer, wenn der Regenwald weiter abnimmt. Denn die Hälfte des Niederschlages stammt aus dem Amazonas. Wenn dieser weiter entwaldet wird, kommt es noch stärker als bislang zu Dürreperioden. Auch der Energiesektor ist betroffen, denn Brasilien ist eine Wasserkraftnation. Bleibt der Niederschlag aus, hat das auch Auswirkungen auf die Energieversorgung des Landes. So sind bereits die Strompreise gestiegen.

Ein möglicher politischer Umschwung, wieder hin zu mehr Naturschutz, scheint aktuell wenig wahrscheinlich. Zwar stehen in Brasilien Wahlen an. Allerdings zählt Marina Silva, die die einzige Präsidentschaftskandidatin mit einer durchaus fortschrittlichen Umweltagenda ist, nicht zu den  Favoriten. Die Chancen, dass der Naturschutz wieder mehr Gewicht bekommt in Brasilen, sind also überschaubar.“