NIC. DICKEN

Eines der wichtigsten und wohl auch erfolgreichsten Elemente der Entwicklungsstrategie für Luxemburg war eine hohe Anpassungsfähigkeit an das internationale Umfeld, bisweilen auch ein Vorgriff auf neue Trends, die sich im Nachhinein sehr oft als tragend und damit wesentlich für die wirtschaftliche Zukunft des Landes erweisen sollten.

Das gilt für den Auf- und Ausbau des Finanzplatzes genauso wie für die industrielle Diversifizierung, die Satellitenindustrie, die Digitalisierung oder neuerdings die Weltraumtechnologie, um nur diese zu nennen.

Langfristige Vorlaufzeiten hat es dabei in der Regel nicht gegeben, es galt vielmehr, die Gunst der Stunde als einer der ersten zu nutzen und schnellstmöglich, notfalls in Partnerschaft mit auswärtigen Experten, die Kompetenz des Kleinstaates international unter Beweis zu stellen.

An diesem Schema haben sich zahlreiche Regierungen des Landes in der Vergangenheit und bis in die Gegenwart durchwegs mit Erfolg abgearbeitet.

Umso erstaunlicher einer der ersten Wahlplakatsprüche, der uns in den letzten Tagen ins Auge gefallen ist: „Mir hun e Plang fir en innovativt Lëtzebuerg!“

Da wundert man sich doch schon ein bisschen, wo doch Luxemburg hinsichtlich Innovation und wirtschaftliche Erneuerung als einer der EU-Pioniere gilt und nach wie vor zu den Spitzenreitern zählt.

Was also soll jetzt urplötzlich ein „Plang fir en innovativt Lëtzebuerg“?

Haben da etwa Leute die letzten Jahre und auch noch ein Stück weit vorher noch ganz einfach verschlafen?

Will man etwa das Wahlvolk mit Dingen, die längst bestehen, ernsthaft locken, indem man vorgibt, zu bestehenden Dingen einen Plan zu haben, dessen Inhalt aber niemand so genau kennt?

Der warme Sommer 2018 scheint seine Spuren zu hinterlassen in Form von warmer Luft, mit der die Wähler auch im vermutlich bereits etwas kühleren Oktober geködert werden sollen.

In sich bündig und logisch erscheint dafür der Umstand, dass die „Pläne“, die die größte Oppositionspartei vorgibt zu haben, nicht nur auf eine Legislatur von fünf Jahren, sondern sogar über zehn, zwanzig, ja sogar dreißig Jahre angelegt sein sollen.

Ein Schelm, der dabei auf die Idee kommen könnte, dass man es bei der CSV mit der Umsetzung der angeblichen „Pläne“ doch eher etwas gemütlicher angehen lassen will.

So, als würden die in Luxemburg längst nicht vollständig beseitigten Mängel oder die globale Entwicklung darauf warten, dass sich irgendwann eine künftige Regierung darum kümmert.

Der Fluss ist längst am Laufen und riskiert, ein immer schärferes Tempo zu entwickeln.

Wer da mit langatmiger Planungsstrategie versucht, Schritt zu halten, der schaut nur noch vom Bahnsteig aus dem abgefahrenen Zug hinterher.

Aber das hatten wir doch schon mal, oder?