LUXEMBURG
JEFF KARIER

Jeff Poitiers entwirft eigene Filmplakate und trifft damit einen Nerv

Ob die auf Celluloid gebannten Werke Steven Spielberg oder auch Kultfernsehserien wie „A-Team“ und „Knight Rider“: Die Popkultur der 80er hat Jeff Poitiers geprägt. Eine besondere Faszination üben auf den 38-Jährigen bis heute Filmplakate aus, sodass er in seiner Freizeit Plakate zu Filmen und Serien entwirft, die seine ganze eigene Handschrift tragen. Dabei hatte Poitiers zunächst einen Weg eingeschlagen, der nicht wirklich etwas mit Kunst zu tun hatte.

Zeichnen statt Zahlen

„Eigentlich habe ich in Innsbruck Wirtschaft studiert“, erklärt Poitiers, der heute als Art Direktor arbeitet. Zu einem Sinneswandel kam es noch während seines Studiums. Er stellte fest, dass Wirtschaft und Finanzwesen doch nicht das sind, was er beruflich tun möchte. Es sollte eher etwas Kreatives sein. „Bereits während meiner Schule habe ich viel gezeichnet, mehr gezeichnet als dem Unterricht gefolgt“, erinnert sich Poitiers. Zwar hat er seinen Magister abgeschlossen. Während er aber an seiner Abschlussarbeit saß, hat er sich intensiv mit Grafikprogrammen wie Photoshop und Illustrator beschäftigt. Und zwar bis er diese grundlegend verinnerlicht hatte. Während dieser Zeit und auch darüber hinaus half und motiviert ihn sein Freund Rick Tonizzo, der Grafiker ist.

„Als es dann soweit war mir einen Job zu suchen, habe ich sowohl Banken, als auch Agenturen hier in Luxemburg und in Wien angeschrieben.“ Er hoffte auf ein Praktikum, eine Chance einen Einblick in diese Welt zu bekommen. Dies erhielt er bei „PlanK“. In der Agentur konnte er während drei Monaten die Arbeit der Grafiker beobachten und auch selber mit an Projekten arbeiten. Am Ende stand ein Arbeitsvertrag. Seither sind rund zehn Jahre vergangen. Poitiers arbeitet nun als Art Direktor bei „cropmark“ und bereut seinen Berufswechsel keine Sekunde. „Ich habe noch im richtigen Moment das Steuer herumgerissen“, meint er sichtlich zufrieden.

Kreatives Ventil

„Als Kind der 80er bin ich schnell mit Filmen in Kontakt gekommen. Filmisch war es ein sehr interessantes Jahrzehnt und es hat mich sicherlich beeinflusst.“ Während dieser Zeit spielten Filmplakate eine wichtige Rolle und faszinierten Poitiers. Als Grafiker oder Illustrator zu designen ist laut Poitiers ein Traum, von dem man hofft, dass er in Erfüllung geht. „Anstatt darauf zu warten, dass ich irgendwann an einem Filmplakat arbeiten kann, habe ich mich entschlossen, neben der Arbeit eigene zu entwerfen. Das war und ist auch weiterhin eine Art Ventil für mich, um mich kreativ auszudrücken und etwas zu schaffen. Es macht mir einfach Spaß“, erklärt der Grafiker, der nun seit fast fünf Jahren dieser Leidenschaft nachgeht. Dabei ist er allerdings nicht der Einzige. Im Internet gibt es eine ganze Subkultur an selbst gestalteten Postern. Es hat sich zu einer eigenen Kunstform mit vielen Anhängern entwickelt.

Auch wenn die Arbeiten von Poitiers einen klaren künstlerischen Wert haben, versteht er sich nicht als Künstler. Dabei sind die Plakate nicht einfach Kopien der Originale. Es sind eigene Interpretationen, die durch seine Handschrift leben. „Ich zeichne die Plakate digital von Hand auf einem Tablet, verarbeitete und bearbeite das Ganze aber anschließend in Photoshop“, erklärt der Grafiker. Dieser Prozess ist recht aufwendig und zeitintensiv, sodass ein Bild viele Stunden in Anspruch nimmt: „Man kann sagen, dass ich im Durchschnitt gut 30 Stunden für ein Plakat brauche, wobei ich etwas mehr als 60 Prozent der Zeit für die Illustration benötige.“ Der Rest besteht unter anderem aus der Komposition samt Farbe und der Typografie. „Diese spielt eine sehr wichtige Rolle. Da kommt mir mein Hintergrund als Grafikdesigner zugute. Die passende Typografie zum jeweiligen Projekt zu finden, die die richtige Botschaft zum Film rüber bringt, muss erstmal gefunden werden.“

Da so viel Zeit in ein einzelnes Poster fließt und diese auch nur in einer limitierten Auflage von meistens 20 Stück gedruckt werden, versucht Poitiers einen fairen Preis für sich und die Interessenten zu finden. Je nach Format des Drucks liegt der Preis bei 70 bis maximal 400 Euro. „Es gibt aber auch immer mal wieder Anfragen für Einzelstücke, das also nur für den Kunden und vielleicht noch für mich gedruckt wird. Da steigt der Preis entsprechend.“ Er versucht etwa ein Poster pro Monat fertigzustellen.

Steigendes Interesse

Mittlerweile hat er für einige nationale Produktionen Filmplakate designen dürfen. Darüber hinaus entwirft er hin und wieder auch Albumcover oder Tour-Plakate für Musikgruppen. Etwa für „Mutiny on the Bounty“, die er eher ungeplant auf ihrer Japan-Tour begleitete. „Als ich vor etwa zwei Jahren nach Japan gereist bin, habe ich mitbekommen, dass die Band zufälligerweise zur gleichen Zeit durch Japan tourt. Da ich sie kenne, habe ich ihnen vorgeschlagen, dass ich eine Serigrafie für die Tour entwerfe, mich an sie ran hänge und die Serigrafie bei ihren Auftritten verkaufe.“ Das war eine tolle Erfahrung für den Grafiker, der über seine Kunst in direkten Kontakt mit Japanern gekommen ist. Er entwickelte daraufhin eine große Faszination für die japanische Kultur und ist seither zwei weitere Male in das Land der aufgehenden Sonne gereist. Solche Reisen geben ihm immer wieder Inspiration und neue Blickwinkel auf Dinge, was wiederum sowohl seiner Arbeit, als auch seiner Kunst zugute kommt.

Sehr stolz ist Poitiers über die Anfrage der Pariser Galerie des „French Paper Club“ (frenchpapergallery.com), sein „Blade Runner“-Poster bei ihnen zu veröffentlichen. In einer limitierten Auflage würde es von ihnen gedruckt und verkauft werden. „Auch wenn es nie meine Intention war, mit meinen Filmplakaten Geld zu machen, ist es doch schön zu sehen, dass ein solches Interesse an meiner Arbeit besteht. Das macht mich einfach glücklich!“


Die Werke von Poitiers und weitere Informationen
finden Sie unter www.jeff-poitiers.squarespace.com und www.instagram.com/jeff_poitiers. Außerdem werden
einige seiner Arbeiten am 11. Oktober im Rahmen der
Gruppenausstellung „Fuel Box III“ in Strassen sowie beim „Augenschmaus Creators Market“ im Kulturzentrum
„beim Nëssert“ am 4. Oktober in Bergem zu sehen sein