COLETTE MART

Im Rahmen der aktuellen Debatten um eine politische Krise, die ihresgleichen in der jüngsten Vergangenheit unseres Landes sucht, spielt die Presse eine wesentliche Rolle. Durch die Offenbarungen der Presse wurden Machenschaften aufgedeckt, die unser Land auf nationaler und internationaler Ebene ins Zwielicht bringen und das Vertrauen der Bürger in den Staat grundsätzlich erschüttern können. Die Presse spielte hier ihre investigative und kritische Rolle voll.

Darüber hinaus ist und bleibt es zu begrüßen, dass in Luxemburg die Medienvielfalt dank der Pressehilfe und auch dank der Kreativität der einzelnen Presseorgane garantiert bleibt. Pressehilfe und Innovation erlaubten also den Erhalt einer traditionellen Kultur der geschriebenen Presse im Kontext der fortschreitenden Online-Medien, die dem aktuellen Zeitgeist besser zu entsprechen scheinen.

Wer allerdings die politische Szene und die damit verbundenen Berichte über Jahre beobachtet, wird den Eindruck nicht los, dass über Jahre eine Fokussierung auf einige wenige Persönlichkeiten stattfindet, was dem differenziert analysierenden politischen Beobachter das Gefühl vermitteln kann, dass das Land beständig um sich selbst und die absolut gleichen Gesichter dreht, und dass damit die öffentliche politische Diskussion manchmal an der Komplexität des Lebens und der gesellschaftlichen Entwicklungen vorbeiführt. Oft bleiben politische Aussagen plakativ, was nicht einmal ein Vorwurf an die Politik sein sollte; vielmehr scheint es, als würden sich führende Politiker genormt ausdrücken, um ihre Präsenz in den Medien abzusichern, um gut „rüber“ zu kommen, so, als würden sich die Politik und die Presse schlussendlich auf einer Ebene treffen, die für kritische Beobachter manchmal wie eine Einbahn anmutet und viele tiefgründige Fragen offen lässt.

In einer Zeit, in der die Presse in der Politik entscheidend mitspielt und es zum politischen Kalkül gehört, wie die Presse am besten genutzt werden kann, ist es notwendig, dass Presseorgane ihre Konzepte überdenken, eigenständige Initiativen nehmen, Themen von verschiedenen Standpunkten aus und auf unterschiedlichen Ebenen beleuchten, und auch Themen eine Öffentlichkeit geben, die traditionsgemäß nicht in ein vordergründiges Raster passen.

Demgemäß ist und bleibt es wichtig, dass die Presse sich immer wieder an ihren eigenen traditionellen Werten misst. Auch wenn sie sich dem Markt und den Ansprüchen der Leser sowie gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen müssen, ist es wichtig, die niveauvolle Information, sowie die kritische Hinterfragung der Politik und der Gesellschaft anzustreben, einen intellektuellen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben zu leisten, und der allgemeinen Tendenz zur fortschreitenden Oberflächlichkeit entgegen zu wirken.