LUXEMBURG/PONTPIERRE
MARCO MENG

Serien-Entrepreneur Marc Neuen will mit Homexperts den Immobilienmarkt in die Spur bringen

Marc Neuen hat keine Zeit für Hobbys. Oder anders: „Homexperts.lu ist inzwischen zu meinem Hobby geworden, das mich ständig beschäftigt, sonst ginge das nicht“, sagt der Mann, der schon in der Vergangenheit mit Startups erfolgreiche Unternehmen ins Leben gerufen hat. Sein neustes, Homexperts, könnte mit Ablauf von anderthalb Jahren die Gewinnschwelle überschreiten: Jedenfalls sieht es ganz danach aus, sagt Neuen.

Was genau macht Homexperts und wie kamen Sie auf die Idee?

Marc Neuen Das ist ziemlich einfach. Weil wir festgestellt haben, dass vor allem auf Seiten der Verkäufer auf dem Markt ein großes Problem besteht. Es gibt so viele Makler, dass die Verkäufer nicht mehr wissen, zu wem sie gehen sollen und wem sie tatsächlich vertrauen können. Auf dieser Basis haben wir so zehn, zwölf zusammengetrommelt, die im Prozess waren, eine Immobilie zu verkaufen, um das Problem mit ihnen durchzugehen und um zuerst auch zu sehen, ob da wirklich ein Problem besteht. Die Haupterkenntnis, die dabei herauskam, war, dass die Verkäufer durchaus den Wert eines gutes Makler zu schätzen wissen, aber sie haben große Probleme zu erfahren, zu wem sie gehen sollen. Um das mit ein paar Ziffern zu verdeutlichen: In Luxemburg werden im Jahr zwischen sechs- und siebentausend Immobilien - ohne Büroimmobilien - verkauft, und es gibt über tausend Makleragenturen, also enorm viele. Für Verkäufer ist da die Frage, bei wem sie anklopfen sollen. Für uns hieß das, wir müssen etwas tun, um dieses Problem zu beheben. Die Grundidee, die wir mit Homexperts.lu verwirklichten, war, eine Plattform zu schaffen, wo wir die Verkäufer mit guten Maklern in Verbindung bringen, und wo wir aber noch zusätzlichen Service wie Begleitung und Kontrolle draufsetzen. Das heißt, wir machen bei dem Verkäufer die erste Visite, um ihn kennenzulernen und zu verstehen und ihm auch Frage und Antwort zu stehen, so dass wir die Verbindung mit den passenden Maklern herstellen. Die große Herausforderung ist dabei natürlich, wie wir die guten Makler finden. Um das objektiv und neutral zu machen haben wir dazu eine zweite Firma gegründet, „The Brokers Certificate“, wo wir gewissermaßen ein „Examen“ für Makler aufgestellt haben, indem wir vier große Thematiken analysieren, was uns erlaubt, objektiv sagen zu können, wer die guten Makler sind, mit denen wir dann über die Homexperts-Plattform zusammenarbeiten.

Welche Kriterien sind das?

Neuen Wir schauen zuerst, wie solide die Firma ist, also wie die Finanzen aussehen, dann wie qualifiziert das Personal ist, welche Arbeitsverträge sie haben und so weiter. Dann schauen wir, welche Datenbanken hat die Firma, um effizient einen Käufer finden zu können. Und ebenso wichtig ist uns die Frage nach der Zufriedenstellung der Kunden und ob zum Beispiel auch nachträglich geschaut wird, wie zufrieden der Kunde ist und ob noch etwas zu verbessern ist, und welche Maßnahmen das Unternehmen ergriffen hat, sich kontinuierlich selbst zu verbessern. Das ist der grobe Umriss. Bei der fachlichen Kompetenz haben wir dann noch vier zusätzliche Unterkategorien, die wir prüfen.

Seit wann ist es operationell?

Neuen Anfang Januar haben wir damit angefangen.

Die ersten Geschäftsabschlüsse haben Sie auch schon?

Neuen Ja. Bislang haben wir sieben - von eigentlich gewünschten zehn Makleragenturen -, die unseren Kriterien entsprachen und mit denen wir zusammenarbeiten. In der Tat bin ich seit Mitte Januar quasi jeden Tag unterwegs, um Besuche zu absolvieren und Mandate zu bekommen. Der Start ist viel besser, muss ich sagen, als ich mir erhofft hatte. Der Bedarf ist groß, und das ganze Konzept spricht die Leute an.

Ihre Kunden sind die Immobilien-Verkäufer?

Neuen Ja, ausschließlich diejenigen, die eine Immobilie verkaufen wollen, darauf haben wir uns konzentriert, also keine Verkäufe oder Vermietungen. Die uns anrufen, das sind zwei große Gruppen: Zum einen die, die bei der Vielzahl der Makler nicht wissen, wen sie anrufen sollen. Die andere Gruppe sind die, die schon mit einer Agentur zusammenarbeiten, aber nach drei oder sechs Monaten feststellen, dass es nicht vorangeht und den Vertrag darum nicht verlängern und zu uns kamen, um einen besseren Makler zu finden.

Momentan bieten Sie diese Dienstleistung nur für Luxemburg?

Neuen Ja, momentan nur in Luxemburg, aber hier gibt es genug zu tun, so dass wir jetzt keine Pläne über die Landesgrenzen hinaus haben. Wir haben das Unternehmen zu zweit gegründet, und ich lege Wert darauf, dass wir auch alles selbst von A bis Z machen, damit die Prozesse gut einlaufen. Wenn es soweit ist, könnte man über einen Ausbau des Geschäfts nachdenken, aber derzeit will ich es selbst unter Kontrolle haben.

Mit Linc, Houser, Yellow und so weiter sind Sie quasi ein Serien-Entrepreneur… Wie ist das mit diesen anderen Firmengründungen von Ihnen?

Neuen Die laufen alle, und ich bin an ihnen noch als Aktionär beteiligt oder sogar als Berater aktiv drin, aber immer weniger im operativen Geschäft, weil Homexperts wirklich viel Zeit in Anspruch nimmt. Die älteren Gründungen von mir wie Monster.lu, atHome.lu etcetera, da bin ich inzwischen überall raus.

Warum so viele Firmengründungen? Wenn Sie irgendwo ein Problem sehen, gründen Sie ein Unternehmen, das zu beheben?

Neuen (lacht). Nicht bei jedem Problem, das wäre zu viel, aber der rote Faden ist tatsächlich so: Wenn ich ein Problem in einem Markt sehe, frage ich mich, was die Lösung dafür sein könnte. Das interessiert mich sehr, und in der Vergangenheit waren meine Startups Unternehmen, die ein herrschendes Monopol durchbrachen wie das bei Monster, atHome oder Yellow der Fall gewesen war. Auch bei Homexperts ist das so. Und da glaube ich, ebenfalls eine gute Lösung gefunden zu haben.

www.homexperts.lu