LUXEMBURG
PIERRE WELTER/LJ

Gerichtsprozess um sexuelle Ausschweifungen und mögliche Zuhälterei

Am gestrigen Donnerstag mussten sich drei Männer vor Gericht verantworten, denen das Betreiben/Bereitstellen eines Freudenhauses in der Stadt Luxemburg, Anstiftung zur Prostitution und Zuhälterei vorgeworfen wird.

Bei der Kontrolle eines Saunaclubs stieß die Polizei 2011 auf einen ungewöhnlichen Massagesalon.

Wildes Treiben in Nebenzimmer

Den Ermittlern drängte sich schnell der Verdacht auf, dass in diesem Saunaclub gewerbsmäßig Frauen der Prostitution nachgehen würden. Nach Aussagen der Staatsanwaltschaft spielte sich das ganze gut getarnt in einem Nebenzimmer ab. Die Frauen wurden über Annoncen „offiziell“ als Masseurin eingestellt. Über diskrete Instruktionen sei den Frauen mitgeteilt worden, sich zu prostituieren.

Wie viele Damen insgesamt in diesem „Etablissement“ gearbeitet haben, konnte vor Gericht nicht geklärt werden.

Rekrutierung über Annonce

Eine Zeugin sagte dem Gericht, sie sei aufgrund einer solchen Anzeige von einem der drei Männer eingestellt worden, unter der Bedingung, sich zu prostituieren. Sie sei auch „angelernt“ worden, so die Zeugin weiter. In dem Club wurden auch handschriftliche Notizen von der Polizei gefunden, auf denen eine Art „Code“ eingetragen war, der später an der Kasse richtig umgeschrieben und eingetippt wurden.

Die Masseurinen präsentierten sich, wenig bekleidet, dem männlichen Kunden. Dieser konnte dann eine von den Damen auswählen. Der Preis wurde nachher festgelegt. 55%
ihrer Einnahmen ging an den Club und 45%
bekam die Dame. Festgestellt wurde ebenfalls, dass die Frauen unter dem Mindestlohn arbeiteten. Die Geschäftsführerin, unterzeichnete die Arbeitsverträge der Damen, bezahlte sie und kassierte das Geld von ihnen. Ein Computer wurde von der Polizei beschlagnahmt mit einer Liste der Zeitangaben der Massagen, die sich von fünf Minuten bis zu einer Stunde hinziehen konnten.

Der Besitzer des Clubs beteuerte, er wäre zwar der Chef, doch fast nie im Club anwesend gewesen. Er hatte Vertrauen in die Mädchen, doch hätte er keine Kontrolle über sie gehabt. Sie hätten selbst beschlossen, was sie während den Massagen machten, sagte er dem Gericht.

Maître Michel sagte dem Gericht, dass sein Mandant in ganz Europa eine Koryphäe auf dem Gebiet der Massagetechnik wäre, vor allem, was die „Massage relaxant“ anbelangt. „Mein Mandant ist ein international bekannter Physiotherapeut.“

Damen arbeiteten auf eigene Initiative

Es wäre auch nicht vorstellbar, dass jemand einfach so in den Club hereinspaziert, ein Bier bestellt und gleichzeitig eine spezielle Massage in Auftrag gibt. Wenn es stimmt, dass einige Frauen sich in den Räumlichkeiten prostituiert hätten, wäre dies seinem Mandanten nicht bekannt gewesen. Die Staatsanwaltschaft forderte 24 Monate Haft, ob auf Bewährung wurde dem Gericht überlassen. Ein Urteil ist für den 13. Dezember vorgesehen.