LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

Minister wollen Studie über Wohnungsproblematik von psychisch Kranken nicht finanzieren

Mit der Psychiatriereform in Luxemburg sollte die reine Verwahrung und medikamentöse Ruhigstellung von Psychiatrie-Kranken endlich der Vergangenheit angehören. Die Behandlung der Patienten sollte soweit wie möglich ambulant, also außerhalb von Anstalten und der Krankenhausbetten sowie wohnortnah erfolgen - Stichwort: Dezentralisierung der Psychiatrie.

Dafür wurden in sämtlichen Krankenhäusern psychiatrische Akutbetten zur stationären Versorgung bei Krisen eingerichtet. Die Anzahl der im Centre Hospitalier Neuro-Psychiatrique (CHNP) in Ettelbrück untergebrachten Patienten sollte auf 80 reduziert werden. Wesentliche Schritte der nationalen Psychiatriereform wurden auch zügig umgesetzt.

Es mangelt an Tageskliniken und vor allem anWohnstrukturen

Bedarfsgerecht funktionieren kann dies allerdings nur, wenn auch genügend Tageskliniken und betreute Wohnstrukturen zur Begleitung der Patienten vorhanden sind. Dies wurde immer wieder angemahnt - akuten Bedarf gibt es allerdings noch immer.

Das Phänomen, dass psychiatrische Fälle zwischen nur kurzzeitig möglichen Aufenthalten in stationären Akutbetten nicht so richtig wissen, wo sie unterkommen sollen und dann zwischen Krankenhausaufenthalten und anderen Übernachtungsstrukturen hin- und herpendeln, ohne irgendeine Perspektive auf eine dauerhafte Wohnsituation besteht weiter. Dieses als „In and Out-Psychiatrie“ bekannte Phänomen ist schwerwiegend - 180 Personen sollen betroffen sein.

Geschätzte 180 Personen betroffen

„Das sind Schätzungen der Psychiater aus Ettelbrück und Useldingen“, sagt René Kneip, Sozialdirektor bei der Caritas. Er spricht von einem „gravierenden Problem“, das den zuständigen Autoritäten auch bekannt sei.„Jeder sagt, ja, wir wissen das. Die Finanzierung der Studie, die wir darüber schon vorbereitet haben, haben sowohl das Gesundheits- als auch das Familienministerium aber abgelehnt.

Zusammen mit dem CRP-Santé hat die für Forschung und Entwicklung zuständige Einheit der Caritas die Studie entwickelt. „Die kleine Studie, die dann nur auf unsere Strukturen beschränkt wäre, würde 65.000 Euro kosten. Wenn wir die Untersuchung ausweiten und die Krankenhäuser sowie die psychiatrischen Notaufnahmen einbeziehen, kämen wir auf 110.000 Euro.“ Mit dieser großen Studie würden man auf alle Fälle auch wertvolle Details auch über die Krankheitsbilder erfahren. „Wir bekämen endlich ein richtiges Bild über den Bedarf an Wohnstrukturen im Rahmen der Psychiatrie, über das Leben außerhalb der Psychiatrie und über die ambulante psychiatrische Behandlung“, betont René Kneip.

„25 bis 30 unserer 65 Notbetten im Nachtfoyer Ulysse, die ja eigentlich für Obdachlose und andere Wohnungslose gedacht sind, sind permanent mit psychisch Kranken belegt, die teilweise zwei bis drei Monate bei uns bleiben.“ Wenn das so weitergehe sei man bald eine permanente Wohnstruktur.

Größere Wohnstruktur in der Diskussion

Derzeit führe man Diskussionen mit dem Familienministerium über den Bau einer größeren Struktur für 30 bis 40 Personen. „Dort sollen eigene Wohneinheiten für die Patienten entstehen mit Gemeinschaftsräumen. Die Personen würden für sich wohnen, wären aber betreut und könnten bei bedarf die Gesellschaft Anderer suchen.“