LUXEMBURG
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Viele Menschen werden von Migräne geplagt

Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit zahlreichen möglichen Symptomen. Diese reichen von Lichtempfindlichkeit und Sehstörungen über Übelkeit und Erbrechen bis hin zu pulsierenden, halbseitigen und heftigen Kopfschmerzen. Dabei sind die Auslöser für eine Migräneattacke vielfältig, aber noch nicht umfänglich wissenschaftlich geklärt.


Sensibilisierungskampagne

Dass Frauen und Männer, die angeben, unter Migräne zu leiden, häufig nicht ernst genommen werden, kann für diese sehr belastend sein. Deswegen findet bei unseren belgischen Nachbarn ab heute die „Semaine de la migraine“ statt, bei der über die Krankheit informiert und für das Leid der Betroffenen sensibilisiert werden soll. Diese Migräne-Woche findet bereits zum 6. Mal statt und legt dieses Jahr den Fokus auf die emotionalen Auswirkungen von Migräne auf die Betroffenen sowie den damit oft verbundenen Schuldgefühlen, da die Krankheit einen großen negativen Einfluss auf das soziale aber auch das berufliche Leben haben kann. Denn durch die Krankheit kann es sein, dass die Person ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, was oft auf Unverständnis im Umfeld stößt. Laut einer Umfrage von Betroffenen in Belgien im Auftrag von „GSK Consumer Healthcare“, sei eine von drei Personen mit Migräne aufgrund einer Attacke gezwungen gewesen, Aktivitäten oder Termine abzusagen. 40 bis 60 Prozent hätten deswegen Schuldgefühle.

Rezente Studien lassen neue Schlüsse zu, warum einige Menschen von Migräne betroffen sind und warum dies in manchen Regionen der Welt stärker der Fall ist. Die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts berichten im Fachmagazin „PLOS Genetics“, dass eine genetische Variante, die eine wichtige Rolle bei der Anpassung an kälteres Klima spielt, auch mit Migräne in Verbindung gebracht wird. Mit anderen Worten: Als unsere Vorfahren den warmen afrikanischen Kontinent verließen und sich auch in kälteren Gefilden niederließen, half ihnen ein bestimmtes Gen, sich an die neuen Wetterbedingungen anzupassen - und führte gleichzeitig dazu, sie anfälliger für Migräne zu machen.

Gene als möglicher Grund

Laut dem Team um den Evolutionsgenetiker Felix Key vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie gab es in den vergangenen 50.000 Jahren verschiedene Wanderungsbewegungen, in deren Verlauf Menschen aus Afrika etwa in die kälteren Breitengrade Europas und Asiens umsiedelten. „Diese Kolonisierung könnte durch genetische Anpassungen begleitet worden sein, die den frühen Menschen halfen, mit den niedrigeren Temperaturen umzugehen“, erläutert Genetikerin Aida Andres vom University College London, die die Studie beaufsichtigt hat. 

Ganz verschieden

Es gibt nicht nur die eine bestimmte Form von Migräne

LUXEMBURG Migräne ist nicht gleich Migräne. Sie kann von Betroffenem zu Betroffenem unterschiedlich ausgeprägt sein. So gibt es etwa die Migräne ohne „Aura“, die am häufigsten auftritt. Bei dieser klagen die Personen zwar über Kopfschmerzen und Symptome wie Schwindel und Übelkeit. Allerdings fehlt die „Aura“, die vor der eigentlichen Migräne einsetzt. Diese kann sich in Sehstörungen ausdrücken. Häufig ist bei den Betroffenen das Sichtfeld eingeschränkt. Reagiert der Betroffene schnell und nimmt entsprechende Kopfschmerzmedikamente ein, kann die folgende Attacke abgemildert werden. Bei Frauen ist die Migräne ohne „Aura“ oft mit dem Menstruationszyklus verbunden. Die Migräne mit „Aura“ kommt tendenziell bei Männern häufiger vor. In seltenen Fällen kann eine migränetypische „Aura“ auftreten, ohne dass eine Kopfschmerzphase folgt. Es gibt aber noch einige seltenere Arten. Bei der Familiären Hemiplegischen Migräne kommt es zusätzlich zu den Migränesymptomen zu vorübergehenden halbseitigen Lähmungen. Meistens sind mehrere Mitglieder einer Familie von dieser Migräneart betroffen. Bei retinaler Migräne kommt es zusätzlich zu einem langsam fortschreitenden Gesichtsfeldausfall auf einem Auge. Selten erblinden Betroffene für mehrere Minuten auf einem Auge. Sehr selten ist die Migräne mit Hirnstammaura. Bei dieser Form kommt es etwa zu Schmerzen im Hinterkopf. Auch Bewusstseinsstörungen, die von Benommenheit bis Koma reichen sind möglich wie auch Drehschwindel, Sehstörungen und Missempfindungen an Händen und Gesicht. LJ
Eindämmen der Symptome

Was Migräne auslösen kann und was Linderung verspricht

LUXEMBURG Auslöser für Migräne, auch Trigger genannt, gibt es eine ganze Reihe. Hierzu zählen etwa Stress und Schlafmangel oder ein Umstellen der Ernährung sowie das Auslassen einer Mahlzeit. Es gibt aber auch hormonelle Auslöser. Auch Reizüberflutung, bestimmt oder sehr starke Gerüche und Wetterumschwünge gehören zu den potenziellen Auslösern. Um Migräneanfälle zu verhindern, sollten Betroffene auf die Auslöser der Anfälle achten und sie möglichst meiden. Ein Kopfschmerztagebuch ist hilfreich, um die individuellen Migränetrigger zu erkennen. Eine Migräneattacke kann man mit Medikamenten und anderen Therapien vorbeugen. Das ist besonders dann ratsam, wenn diese oft auftreten und stark sind. Der Effekt setzt in der Regel erst nach einigen Wochen ein. Begleitende, nichtmedikamentöse Therapien sind etwa Entspannungsmethoden, Ausdauersport, Biofeedback-Verfahren, Akupunktur oder auch Stressbewältigungstraining. Wenn man eine Attacke hat, helfen in der Regel Schmerzmittel. Geeignet sind bei Erwachsenen besonders Ibuprofen, Naproxen, Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Diclofenac. Schmerzmittel sollten allerdings nicht häufiger als an zehn Tagen im Monat angewendet werden, da sonst dauerhafte Kopfschmerzen als Nebenwirkung möglich sind. Im Falle von einhergehendem Erbrechen können auch Medikamente gegen Übelkeit eingenommen werden. Bei schwereren Symptomen der Migräne sind migränespezifische Medikamente, sogenannte Triptane, empfehlenswert.LJ