LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Zuerst vor die Tür gesetzt - dann Polizisten angegangen

Am 27. Oktober 2017 beschloss ein Polizist nach seinem Dienst gegen 6.00 ein stadtbekanntes Lokal in der Rue Dicks in Luxemburg aufzusuchen, um hier noch ein Bier zu trinken. Die Bar ist normalerweise bis 6.00 geöffnet. Doch als der Beamte, der in Zivil unterwegs war, gerade in das Lokal wollte, bemerkte er einen Mann in seinem Auto, auf dem Parkplatz vor der Bar. Das Autoradio hatte der 40-jährige Cyril F. voll aufgedreht.

F. hatte sich in der Nacht in der Bar aufgehalten. Dort war er aber offenbar nicht mehr erwünscht gewesen, denn ein Türsteher hatte ihn gebeten, das Lokal zu verlassen. Offensichtlich war er gegen 6.00 aus dem Lokal gewiesen worden. Das Personal der Bar ging davon aus, dass der Mann den Heimweg antreten würde. Doch das tat F. nicht.

Was dann geschah, ist allerdings unklar. Der Polizist ging zum Auto und bat den Fahrer um etwas Ruhe. Vor Gericht wurde eine Videoaufnahme dieser Szene den Anwesenden vorgespielt.

Klar ist, dass es zwischen beiden zunächst zu einem harmlosen Geplänkel kam. Der Angeklagte soll sich dann aber beim Polizisten in Zivil anhand eines offenbar gefälschten Ausweises als Kollege ausgegeben haben. Als der echte Beamte ihm zu verstehen gab, dass man sich kennen müsste, stieg der Angeklagte aus dem Wagen und stieß sein Gegenüber von sich weg.

Video dokumentiert die Ausraster

Im Video sieht man den Türsteher, der den Angeklagten in eine hitzige Diskussion verwickelt. Als der Mann dann weiter randalierte, verpasste ihm der durchtrainierte Türsteher sogleich einen Schlag. Ein Messer soll auch im Spiel gewesen sein. Der Angeklagte ging durch den Schlag zu Boden und schlug mit dem Hinterkopf auf. Einige Minuten blieb er regungslos liegen. Passanten leisteten Erste Hilfe und riefen den Notarzt. Der Mann wurde verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Er gab an, unter einer Amnesie zu leiden. Nichts sei mehr präsent. Erinnern konnte sich aber der „echte Polizist“, der hatte eine Platzwunde am rechten Auge. Wer aber den Polizisten im Gerangel das blaue Auge verpasst hatte, konnte nicht eindeutig ermittelt werden.

Günstige Sozialprognose

Aufgrund der „günstigen Sozialprognose“ sowie seiner offenkundigen Reue plädierte der Verteidiger auf eine zweite Chance für seinen Mandanten. Am Ende forderte der Anklagevertreter für F. wegen Widerstands eine Strafe von drei Monaten - allerdings ohne Bewährung. Die Staatsanwaltschaft sei nicht abgeneigt, dass der Angeklagte für die Strafe Sozialstunden leisten soll. Der Absprache stimmte F. zu.


Das Urteil fällt am 13.Juli