LUXEMBURG
DANIEL OLY

EU-Kommission stellt erste Weichen für das Supercomputer-Programm

Mit dem Projekt „EuroHPC“ soll bis 2020 die Zukunft des digitalen Hochleistungsrechners so richtig an Fahrt gewinnen. Europa dürfe nicht abgehängt werden, da war man sich bei der Unterzeichnung der Abkommen vor rund zehn Monaten in Rom recht schnell einig. Um im internationalen Vergleich nicht den Kürzeren zu ziehen, in dem die EU nur den dritten Rang der leistungsstarken Rechnersysteme belegt.

Am gestrigen Donnerstag hat die EU-Kommission die ersten großen Schritte in Richtung der Verwirklichung des Projekts bis 2020 gemacht. Luxemburg wird dabei eine zentrale Rolle spielen: Die Kommission hat nämlich vorgeschlagen, das zuständige gleichnamige Unternehmen „EuroHPC“ im Großherzogtum anzusiedeln.

Rechnerverwaltung

Das Projekt, das von Luxemburg angestoßen wurde, hat inzwischen mit der Schweiz auch einen starken Zuwachs außerhalb der EU bekommen, besitzt die Schweiz doch schließlich nominell nach der Leistung berechnet den drittstärksten Super-Rechner der Welt: Piz Daint in Lugano verdrängte den Rechner „Titan“ vom dritten Platz.

„EuroHPC“ soll nach dem aktuellen Plan in der zweiten Jahreshälfte 2018 Fahrt aufnehmen und wird dann als Kontroll- und Verwaltungszentrum der einzelnen Supercomputer-Standorte fungieren. Ob damit einher gehend auch einer der Supercomputer selbst seinen Weg zum Standort Luxemburg finden wird, ist aber noch offen. Bis spätestens 2023 soll das Projekt zur Fertigstellung gebracht werden, zwei Rechner machen auf jeden Fall den Anfang. Insgesamt wird die EU auf diese Weise ein Budget von einer Milliarde Euro einplanen. EU-Vizekommissionspräsident Andrus Ansip forderte: „Die EU muss in diesem harten Rennen aufholen“. Supercomputer seien „der Motor der digitalen Wirtschaft“. Ähnlich sehen das Premierminister Xavier Bettel und der Vizepremier und Wirtschaftsminister Etienne Schneider. „Die Entscheidung der Kommission, Luxemburg als Standort vorzuschlagen, bestätigt Luxemburg als attraktiven, innovativen Standort“, unterstrich Bettel. „Auf diesem Wege können wir eine Führungsrolle in der Digitalisierung Europas spielen.“ Schneider betonte seinerseits, dass die Entscheidung den Ruf Luxemburgs als „Smart Nation“ bestätige und zeige, wie gut das Land auf eine digitale Zukunft vorbereitet worden sei. „Durch das Supercomputer-Projekt geben wir allen wirtschaftlichen Akteuren des Großherzogtums das nötige Potenzial zur Weiterentwicklung und zur Innovation.“

Der Standort Luxemburg ist für die Kommission kein unbeschriebenes Blatt: In Betzdorf befindet sich bereits das größte Rechenzentrum der Kommission, die damit nur den nächsten logischen Schritt durchführen könnte.

Supercomputer, sogenannte „High Performance Computing“-Einheiten, sind in ihrer Rechenaufgabe nicht mit den herkömmlichen Heimcomputern für normale Nutzer zu vergleichen; sie verfügen über eine brachiale Rechenleistung, die sich aus mehreren vorhandenen Prozessoreinheiten zusammensetzt, auf denen speziell angepasste Berechnungen laufen müssen. Damit führen sie wichtige Kalkulationen in Bereichen wie der Medizin, der Forschung an Fusionstechnik oder im Automobilsektor durch. Dementsprechend gibt es auch Bestrebungen des Wirtschaftsministeriums, ein eigenes Supercomputerprojekt zu verwirklichen, um der luxemburgischen Wirtschaft ein solches Rechenpotenzial zur Verfügung zu stellen.