LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Zwei junge Unternehmer im Kampf gegen Umweltverschmutzung

Im letzten Jahr ihres Masterstudiums an der „Université Libre de Bruxelles“ haben Olivier Deneumoustier (24) aus Mersch und Morgann Dawance (23) aus Brüssel angefangen, gemeinsam an einem Startup-Projekt zum Thema Recycling zu arbeiten, welches sie im Rahmen ihrer Abschlussarbeit vorstellten. Mittlerweile haben beide das Diplom in der Tasche und widmen sich nun ihrem Unternehmen „Shak&Kai“. Welche Idee die Gründer verfolgen möchten und wie sie ihre Vision in die Tat umsetzen, verrät uns Olivier im Interview.

Worum geht es bei „Shak&Kai“?

OLIVIER DENEUMOUSTIER Bei „Shak&Kai“ entwerfen wir Kleider, die mit einem Faden aus wiederverwerteten Stoffresten gewebt werden. Dieser Faden besteht aus 50 Prozent Rest-Baumwolle, die aus Abfällen der Textilindustrie gewonnen wird, und 50 Prozent aus Polyester, das aus recycelten Plastikflaschen hergestellt wird. Pro verkauftes Kleidungsstück wird ein halbes Kilo Müll von den Weltstränden aufgesammelt, dies dank einer Partnerschaft mit einer Surf-Organisation. Leider sind wir technologisch noch nicht so weit, aus diesem Dreck dann selbst Faden herzustellen. Momentan kaufen wir den Faden in Spanien ein und lassen unsere Kleider in Portugal anfertigen. Wir entwerfen das Design in Zusammenarbeit mit einer Stylistin und schicken unsere Datenblätter nach Portugal, wo dann nach unseren Plänen verfahren wird. Um Logistik und Vertrieb kümmern wir uns selbst. „Shak“ steht für das Tschaka-Zeichen: diese Faust, bei der der Daumen und der kleine Finger abstehen. Das soll den hawaiianischen Aloha-Spirit unterstreichen, den Respekt zur Natur und in der Gemeinschaft. „Kai“ bedeutet Ozean in hawaiianischer Sprache. Zusammen gibt es dann „Shak&Kai“.

Wie ist das Projekt zustande gekommen?

OLIVIER Ganz zu Beginn war es Morganns Projekt. Damals sollten vorwiegend elegante Kleider aus den recycelten Materialien hergestellt werden und mit dem Erlös wollten wir Künstler unterstützen. Mittlerweile hat sich das aber geändert. Nachdem ich eingestiegen bin, haben wir auf Surf-Klamotten umgesattelt und den Einfluss für die Umwelt in den Fokus gestellt. Mich interessiert es vor allem, einen Lösungsansatz für die umweltbelastende Textilindustrie auszuarbeiten. Dieses Gewerbe ist eine der dreckigsten Industrien weltweit. Auch bezüglich unserer Ware wollen wir nachhaltig sein. Die Kunden, die ihre Kleider länger als ein Jahr und in ihren Augen lange genug getragen haben, können sie wieder zu uns zurücksenden und enthalten einen Rabattgutschein für die nächste Bestellung. Aus den alten Kleidern werden wieder neue produziert.

Welche Schwierigkeiten musstet ihr meistern?

OLIVIER Es war sehr schwer für uns, seriöse und zuverlässige Unternehmen ausfindig zu machen, denen wir unsere Produktion anvertrauen konnten. Als wir nach Portugal reisten, hatten wir eine Liste von gut 50 Firmen auf dem Plan. Davon haben wir nur vier in die engere Auswahl nehmen können. Darunter befand sich auch die Firma, mit der wir nun zusammenarbeiten. Da wir von Brüssel aus arbeiten, müssen wir uns sicher sein können, dass in Portugal so produziert wird, wie wir es uns vorstellen. Eine Firma hat uns vorab bereits vorgewarnt, dass vielleicht Schnittmuster oder Nähpläne nicht den Erwartungen entsprechend bei uns ankommen würden. Andere Unternehmen haben, trotz professionellem Onlineauftreten, zu Hause in der Garage gearbeitet. Davon haben wir schnell die Finger gelassen. Gottseidank haben wir uns alles vor Ort angesehen. Unsere Firma arbeitet auch für bekannte Marken und hat einen sehr gut funktionierenden Kundendienst. In Portugal stimmt das Preis-Leistungsverhältnis, die Versandwege sind nicht übermäßig lange und das Land ist seit jeher für sein Textilgewerbe bekannt.

Welchen alltäglichen Aufgaben musst Du nachgehen?

OLIVIER Im Moment ist die Arbeit nicht wirklich interessant. Ich bin im Moment vorwiegend mit Pressearbeit beschäftigt, weil wir kurz vor unserer Kickstarter-Veröffentlichung stehen. Im Alltag bin ich für die Logistik und Bestellungen zuständig und habe mich um unser Media-Presse-Kit gekümmert.

Wie finanziert ihr euch?

OLIVIER Bislang haben wir unser eigenes Geld in dem Startup stecken. Von unseren Eltern wurde uns ein Darlehen ohne Zinsen gewährt. Von unserem Kickstarter-Launch erwarten wir uns jetzt die weitere Finanzierung. Wir müssen mindestens 18.500 Euro sammeln, da wir nur mit einer großen Bestellung an Kleidungsstücken in die Produktion gehen können. Momentan rechnen wir mit 300 Stück pro Farbe. Dazu kommen natürlich noch andere Ausgaben. Was das Feedback anbelangt, wurde uns bisher ausschließlich positiv geantwortet. Ein kleines Problem ist jedoch, dass die Community noch nicht groß genug ist. Wir wollten das Crowdfunding bereits eher starten, jedoch war es uns wichtig, dass genug Leute über uns Bescheid wissen. Zu einem späteren Zeitpunkt wollten wir uns noch bei diversen Business-Angels um finanzielle Unterstützung bemühen. Die brauchen aber Beweise, dass genug Nachfrage besteht. Wir hoffen, dass das Kickstarter-Event diese liefert. Wir schalten vorwiegend Werbung via Facebook und posten auf Instagram. Die Leute können sich dann auf unserer Seite für unseren Newsletter anmelden und Teil der Community werden. Man kann auch Freunde anwerben und dadurch Gadgets gewinnen, etwa Sticker, Getränkeflaschen oder sogar ein Gratis T-Shirt.

Was wird die Zukunft für euch bereithalten?

OLIVIER Da das Unternehmen zu Beginn nicht genug Gewinn abwirft, damit wir uns ein Gehalt auszahlen können, müssen wir uns noch nach Nebenjobs umsehen. Sobald das Geschäft aber dreht, werden wir uns ganz „Shak&Kai“ widmen.

Was würdest Du jungen Unternehmern raten?

OLIVIER Traut euch! Aber startet euer Unternehmen nicht alleine. Die Arbeit ist langwierig und hält auch mal Tiefpunkte bereit. Zu zweit meistert man den Alltag viel besser, man hält die Motivation hoch und unterstützt sich gegenseitig. Was man auch noch bedenken muss: Es geht nie so schnell voran, wie man es erwartet.

Newsletter und Informationen gibt es unter: launching.shakandkai.com