LUXEMBURG
LUC SPADA

Wer Regelmäßigkeit „dudent“, findet gleich unter Bedeutungsübersicht zwei Punkte. Einmal die regelmäßige Form, Gestaltung; Ebenmaß. Dann regelmäßige Ordnung, Wiederkehr und Aufeinanderfolge.

Eine regelmäßige Ordnung also. Etwas, was also immer wiederkehrt, und wenn es wiederkehrt, läuft es immer gleich ab. Heißt, dass P. zum Beispiel jeden Morgen von Montag bis Freitag als LehrerIn zur Schule fährt, das Auto immer auf dem gleichen Parkplatz parkt, täglich die gleiche Kaffeetasse unter dieses Ding stellt, wo der Kaffee rausläuft, nachdem das Lungo-Kaffee-Pad in dieses Ding da rein gemacht wurde, wo Pads eben rein gemacht werden müssen, damit wiederum aus dem anderen Ding auch der Kaffee rausläuft. Immer der gleiche Kaffee, weil die immer gleiche Kaffeemaschine nur die immer gleichen Pads erlaubt. Kapitalismus in seiner romantischsten Form.

Dann klingelt es, Kinder laufen lautstark ins Schulgebäude, jeden Tag hat ein anderes Kind irgendwo eine Schramme, und jeden Tag kommt ein Elternteil sich darüber beschweren, dass ihr Kind gar nicht so nicht brav ist, wie der oder die LehrerIn im Hausaufgabenbuch behauptet hat. Dann wird sich darüber unterhalten, alle haben Recht, niemand Unrecht und bestenfalls gibt eine Partei ir-gendwann auf und danach geht es dann irgendwie weiter, und man übt sich, in sich auf freundlich passive aggressive Art und Weise aus dem Weg zu gehen, damit keine weiteren Probleme entstehen, diese Regelmäßigkeit also nicht gestört wird. Am Samstag wird ausgeschlafen, und am Sonntag werden die Eltern oder andere Familienmitglieder besucht. Und Ende jeden Monats kommt immer das gleiche Gehalt.

Wenn man dann Chaos „dudent“, stößt man auf die Auflösung aller Ordnung; völliges Durcheinander. Völliges Durcheinander muss demnach das exakte Gegenteil von Regelmäßigkeit sein, und würde man mich jetzt fragen, was ich will, regelmäßige Ordnung oder völliges Durcheinander, würde ich wahrscheinlich um letzteres bitten, bis zu dem Moment, wo es mir zu viel wird. Wild sein: Auf jeden Fall, aber nicht ohne meine Sozialversicherungen und die Möglichkeit, mir jedes T-Shirt, das ich haben möchte, zu kaufen.

Ich würde niemals gerne wie P. werden, obwohl diese Ruhe, jeden Morgen zu wissen, wo es hingeht, mich ab und zu bittersüß lockt, und dann taucht da diese Stimme in meinem Kopf auf: Mach mal wieder was kaputt! Lass irgendwas brennen! Fahr an irgendeinem VIP-Room vorbei und schrei, dass sie alle blöde Ficker sind, die von Sterben und Leben keine Ahnung haben. Irgendwie so.

Wer Ruhe „dudent“, stößt auf völlige Stille, auf den Zustand, der durch keinerlei Unfrieden gestört wird, und das klingt doch gut. Eigentlich. Bis diese Phase, die durch kein lärmendes Geräusch ge-stört, lauter als jede Stille wird. Anschließend stehen wir da, P. und ich, und können uns nicht entscheiden, ob wir bei Rot einfach über die Straße laufen, weil ja niemand kommt, oder ob wir die gute Ordnung nicht stören wollen…