LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Die preußische Garnison hat einen bleibenden Eindruck in der luxemburgischen

In Luxemburg-Stadt finden sich heute noch viele Spuren aus der Zeit der preußischen Garnison. Größtenteils haben die Preußen bestehende Infrastrukturen modernisiert, allerdings auch neue Projekte umgesetzt, erklärt Robert Wagner, Präsident der „Frënn vun der Festungsgeschicht Lëtzebuerg“ asbl. Doch bis Anfang der 1830er Jahre die ersten Bauwerke entstehen, vergehen einige Jahre, in denen hauptsächlich Studien durchgeführt werden, wie Wagner ausführt. Major Keibel etwa führt um 1814 eine Bestandsaufnahme sämtlicher bis dahin existierender Minengänge unter der Stadt durch, ein historisch wertvolles Dokument. Weil Teile der Festung lange Zeit nicht unterhalten wurden, bessern die Preußen zudem vielerorts das Mauerwerk aus.

„Erst Anfang der 1830er Jahre entstehen die ersten Bauwerke“, führt Wagner aus, der aber betont, „dass dies vor allem geschah, weil die Festung Luxemburg zu den fünf Festungen des deutschen Bundes zusammen mit Mainz, Landau, Rastatt und Ulm gehörte, aber auch im Kontext der belgischen Revolution zu sehen ist, was die Preußen in hohe Alarmbereitschaft versetzte“. Weil es an kasemattierten, also bombensicheren Räumen, aus denen heraus man die Festung verteidigen konnte, fehlte, bauten die Preußen die Festung aus. So wurde etwa das Mitte des 18. Jahrhunderts von den Österreichern errichtete Fort Thüngen (Dräi Eechelen) erweitert. „Noch heute sieht man im Festungsmuseum die Spuren davon“, bemerkt Wagner. Auch das Reduit Lambert (die Überreste sieht man vom Parkhaus Monterey aus) wurde umgebaut. Die Schießschächte der Franzosen, für die die Preußen hier keinen Gebrauch hatten, wurden zugemauert und stattdessen Platz für Kanonen im Festungswerk geschaffen. Die preußischen Bauten erkennt man dem Experten zufolge übrigens an den regelmäßig, eng aneinander verbauten, rechteckigen Steinen.

Neue und modernisierte Forts

Zu den Neubauten der Preußen gehörte das ebenfalls in den 1830er entstandene Fort Dumoulin (Fetschenhof) oder das Fort Wedell von stattlicher Größe: Es reichte von dem als Post bekannten Gebäude gegenüber vom Bahnhof bis zur Schule in der Straßburger Straße, bestand allerdings nicht sehr lange. Große Umbauarbeiten kamen auf das Fort Rheinsheim an der Avenue Marie-Thérèse zu. Das Mitte des 18. Jahrhunderts entstandene Fort wurde modernisiert. Das heutige Hauptgebäude des Nationalarchivs diente derweil als Militärkrankenhaus. Ein Teil dieses Lazaretts (mit dem Spitznahmen „le Criminel“, heute das Robert Bruch-Gebäude im Hof der Abtei Neumünster), musste in den Grund ausgelagert werden, weil der Fels nicht mitspielte.

Eine große Neuerung stellte allerdings auch die Einführung der Eisenbahn in die Festung um 1860 dar. Das Festungstor auf der Eisenbahnstrecke Richtung Ettelbrück sowie die Eisenbahnbrücke von 1858/61 sind einige Zeugnisse davon. Wer sich für dieses Kapitel in der Geschichte Luxemburgs interessiert, dem legt Wagner einen Besuch des Festungsmuseums auf Kirchberg oder des „City Museum“ nahe, wo auch Modelle und Ausstellungsstücke aus der Zeit zu sehen sind. Einen besonderen Einblick ins Innenleben der Festung bieten auch die „Frënn vun der Festungsgeschicht Lëtzebuerg FFGL“, die regelmäßig Führungen organisieren, zum Beispiel durch die Überreste des Fort Dumoulin. „Das sind auch richtige Kasematten“, merkt Wagner an.CHRISTIAN BLOCK

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