AUGSBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Musical „Herz aus Gold“ uraufgeführt: Augsburg ehrt Jakob Fugger

Jakob Fugger wurde 1459 in Augsburg geboren und starb dort 1525. Seit einiger Zeit versucht die Stadt Augsburg, ihren berühmtesten Sohn auf eine spezielle Art zu ehren. Irgendwann kam die Idee, sein Wirken in einem Musical zu zeigen. Komponist Stephan Kanyar bekam den Zuschlag zusammen mit Andreas Hillger, der das Buch und die Liedtexte für das Musical „Herz aus Gold“ schrieb. Am Samstag vergangener Woche wurde die Show auf der Freilichtbühne am Roten Tor in Augsburg uraufgeführt, unter der Regie von Holger Hauer.

Für den Fortschritt über Leichen gehen

Das Musical beginnt mit Jakobs (Chris Murray) Rückkehr aus Venedig, wo er seine Ausbildung zum Kaufmann abschloss. Seine Mutter (Elke Kottmair) und seine Brüder Ulrich (Gerhard Werlitz) und Georg (Stanislav Sergeev) freuen sich, während der Adel und die Bevölkerung fröhlich zu der Hymne „Augsburg, Augsburg“ tanzen. Jakob mischt sich unters Volk, bis er Sibylla (Roberta Valentini) begegnet und mit ihr tanzt. Beide kennen sich aus der Jugend. Alte Gefühle werden wach, die Sibylla nicht erwidern kann, da sie verheiratet ist und eine Tochter hat. Daraufhin steigert sich Jakob in die Geschäfte mit dem Geldverleih und dem Kauf von Silbermienen. Sein direkter Konkurrent Welser (Holger Hauer) bietet ihm eine Partnerschaft an, die Jakob ablehnt.

Die Jahre vergehen und unter dem Motto, dass man für den Fortschritt über Leichen gehen muss, werden die Fugger reicher und einflussreicher. Als Sibyllas Mann stirbt, bietet sich Jakob als neuer Ehemann an. Aber sie hat sich entschlossen, nie wider zu heiraten. Stattdessen soll er ihre Tochter Sibylla jr. (Katharina Wollmann) zur Frau nehmen. Er akzeptiert das Angebot, kann diese junge Frau aber nicht so lieben wie ihre Mutter.

Chris Murray Superstar

Die Geschichte von Jakob Fugger, der von Ende des 15. Jahrhunderts bis zu seinem Tod zum reichsten Mann auf Erden wurde, wird sozusagen im Zeitraffer erzählt. Vier Schauspieler (Christian Bock, Florian Koller, Thoms Zigon und Edward Roland Serban), die mal als Boten oder Herolde auftreten, erzählen und kommentieren mit ihren Liedern das Geschehen. Die Liebe zu den beiden Sibyllas, wobei die Beziehung zu der Mutter eher fiktiven Charakter hat, wird nicht vertieft. Der Satz von Jakob „die eine konnte nicht, die andere wollte nicht“ sagt zwar viel aus, wie auch das Duett mit Sibylla „Sieh in mir, was ich bin“, ein paar intimere Momente hätten der Show in Sachen Liebe aber gutgetan. Die Geschäfte von Jakob mit unter anderem König Maximilian (Eckehard Gerboth), der zum Kaiser gewählt wird, werden nur oberflächlich behandelt. Ein visuell starker Moment ist der Tod von Jakob. Bei dieser Szene tauchen Tote aus der Vergangenheit auf, wie seine Mutter und Brüder und auch Sibylla senior.

Ein überaus beeindruckender Chris Murray erhebt das Musical zu einem gesanglichen Leckerbissen. Es ist fantastisch, wie Murray alle Töne trifft und sie endlos aussingt. Tief ins Gehör geht der Titelsong, wie noch „Nach oben“. Roberta Valentini hat es nicht einfach, mit dieser Stimmgewalt mitzuhalten. Aber sie spielt ihre Routine aus und hält ihre starke und klare Stimme entgegen. Ein besonderer Genuss ist ihr Duett „Du durftest mich nicht zwingen“ mit Katharina Wollmann, die zeigt, dass sie stimmlich sehr gut drauf ist.

Die ausgezeichnete Musik von Stephan Kanyar besteht vornehmlich aus rockigen Liedern, aber es fließen auch mal sanfte Töne ein oder solche, die an mittelalterliche Menuette erinnern. Und wie es sich für ein Musical gehört, lockern ein paar flotte Choreografien von Ricardo Fernando die Show auf. Auch wenn die Geschichte nicht alle Erwartungen erfüllt, sorgen die Musik und Chris Murray dafür, dass man den Weg nach Augsburg nicht bereuen wird.


Weitere Informationen und Tickets unter

theater-augsburg.de/herz_aus_gold