LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Über sechs Millionen Euro für wohltätige Projekte - 70 Prozent mehr als im Vorjahr

Die Dachstiftung „Fondation de Luxembourg“ kann einen neuen Rekord vorweisen. „Wir haben dieses Jahr über sechs Millionen Euro für gemeinnützige Projekte bewilligt“, freut sich Tonika Hirdman, Generaldirektorin der „Fondation de Luxembourg“. „Das entspricht einem Anstieg von 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, betonte sie bei der Präsentation der Zahlen für 2015. Dank dieses Geldes konnte die 2008 gegründete Dachstiftung über ihre 60 Stiftungen insgesamt 120 Projekte in rund zwanzig Ländern unterstützen. Beispielsweise hilft die „Fondation Espoir“ in Äthiopien Frauen, deren Genitalien verstümmelt wurden. Durch die Stiftung „Hope“ konnte ein Kinderkrankenhaus in Palästina eröffnet werden. Aber auch in Luxemburg finanzieren Stiftungen zahlreiche Projekte. Dazu gehört die Integration junger Immigranten, die Hilfe beim Schreiben von Lebensläufen und dem Erlernen der Sprache erhalten, aber auch Unterstützung für Alzheimer-Kranke dank der Stiftung „Wivine“. „Weitere Stiftungen engagieren sich für Kultur und Kunst über Partnerschaften mit dem MNHA, dem Kulturfonds oder dem Mudam“, berichtet Hirdman.

60 Stiftungen unter dem Dach

Die „Fondation de Luxembourg“ verwaltet die Gelder für die Fonds, berät sie, wenn gewünscht und hilft bei der Auswahl und Bewertung von Projekten. Angesichts sinkender Zinsen und einer auf 60 gestiegenen Zahl betreuter Stiftungen und der damit einhergehenden Aufstockung des Personals auf sechs Mitarbeiter sieht sich die „Fondation de Luxembourg“ finanziellen Herausforderungen gegenüber. Hirdman, die zuvor als Bankdirektorin tätig war, fühlt sich gewappnet: „Wir kommen auf eine Rendite von über drei Prozent, gehen dafür aber ein höheres Risiko ein.“

Wer eine Stiftung gründen will, muss mindestens 250.000 Euro Kapital mitbringen. Das ist nicht nur für Luxemburger, sondern auch für Ausländer möglich. Diese Stiftungen haben allerdings nichts mit Firmenkonstrukten zu tun. Sie dienen einzig und allein wohltätigen Zwecken, die die Gründer festlegen. Diese kommen immer öfter nicht nur über Banken, Notare oder Anwälte, sondern auch direkt. „Wir verzeichnen einen höheren Zulauf. Darüber hinaus stiegen das Gesamt-Engagement um 20 Prozent von 100 auf 120 Millionen Euro“, freut sich Hirdman.

Nischen für Stifter

Henri Grethen betonte als Verwaltungsratspräsident, dass seit einer Woche auch die zuvor unabhängige „Fondation Pierre Werner“ mit einem Kapital von 300.000 Euro unter das Dach der „Fondation de Luxembourg“ geschlüpft sei.

„Sie ist ganz klar ein unumgänglicher Akteur der Philantropie in Luxemburg geworden“, stellte er fest. Seit ihrer Gründung 2008 durch den Staat und das „Œuvre National de Secours Grande Duchesse Charlotte“ habe die „Fondation Luxembourg“ insgesamt 17.400.00 Euro für Projekte ausgegeben. Eine Tendenz der Stifter ist dabei klar erkennbar. „Sie wollen Nischen, Bereiche, in denen ihr Engagement den Unterschied macht“, hat Hirdman beobachtet. Auch habe es in den vergangenen zwei Jahren mehr lokale Stiftungen gegeben.

Der Erfolg wird wohl noch weiter anhalten. „Die „Luxembourg School of Finance“ hat gerade Philanthropie als Fach in ihrem „Master of wealth“ eingefügt“, gab die Generaldirektorin der „Fondation de Luxembourg“ bekannt. Um Stifter in ihrem Engagement zu bestärken und neue zu gewinnen veranstaltet die Fondation de Luxembourg regelmäßig Treffen zwischen länger tätigen Stiftern und Neulingen im Bereich der Philanthropie. „Das kommt ungeheuer gut an. Da bekommen wir viel positives Feed-back“, freut sich Hirdman.

Rund 40 Prozent der Projekte, die die Fondation betreut, widmen sich dem Kampf gegen Armut und soziale Brüche. Finanziell gesehen fließen die meisten Mitteln Stiftungen aus dem Bereich Gesundheit und Forschung. Bislang sind 88 Prozent der Gründer Privatleute und 12 Prozent Unternehmen. Hirdman hofft, dass neben Firmen wie Atoz und Enovos noch mehr Unternehmen eine Stiftung gründen werden.


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