LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Wo das Herz des Viertels Cloche d’Or in Zukunft schlägt: Der Wohn- und Shoppingkomplex

Champagner, Reden und eine Baustellenführung: Gestern wurde Richtfest auf der Cloche d’Or gefeiert. Konkret geht es um den gemischten Gebäudekomplex, in dem sich 250 Wohnungen befinden, aber auch rund 140 verschiedene Geschäfte. Fertig werden soll das gerade erst in München auf der Immobilienmesse „real“ mit einem Platinzertifikat ausgezeichnete Gebäude der Architekten Fabeck Architectes sowie Schemel & Wirtz Architectes im Mai 2019. Sein Name könnte einfacher nicht sein: Cloche d’Or.

Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer betonte, dass die Geschwindigkeit enorm sei, mit der das Viertel wachse. Erst vor 14 Jahren sei es auf dem Reißbrett geplant worden. „Jetzt ist es fast fertig“, sagte Polfer, „ein sportliches Timing“. Sie dankte ebenso wie Wirtschaftsminister Etienne Schneider den Unternehmen Promode und Ceetrus für den Bau von modulablen Wohnungen mit insgesamt 250.000 m² Fläche verteilt auf zwei Türme. Und unterstrich: „Hier entsteht nebenan der größte Park der Stadt mit 16 Hektar Fläche.“ Der soll optimal mit öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden werden.

Deloitte, PwC, die Bank Intensa Sanpaolo und Alter Domus haben bereits auf der Cloche d’Or ihren Sitz und beschäftigen über 5.000 Mitarbeiter, wie Michel Knepper, Operations Director beim Bauträger Grossfeld PAP, betonte. Bald werden 25.000 Menschen im neuen Viertel leben. Und, so das Kalkül, hier einkaufen. Das neben dem Lycée Vauban gelegene Projekt ist schon durch seine Dimensionen außergewöhnlich. 75.000 m² sind für kommerzielle Angebote geplant. „Es soll ein einzigartiger Ort zum Shoppen und Leben werden“, wie Eric Mathieu, Head of Real Estate bei Ceetrus versprach, „das Herz des neuen Stadtviertels“. Ceetrus betreibt in zwölf Ländern insgesamt 393 Shopping Center. In Luxemburg arbeitet es mit Promode zusammen, dem Unternehmen der Familie Becca. „Die Cloche d’Or soll das multikulturelle Luxemburg reflektieren“, unterstrich Mathieu. Das geht zunächst durch den Magen. Mathieu verwies auf 4.000 m² Restaurantfläche verteilt auf insgesamt 22 Betriebe. Für die „Foodhall“ haben bereits Big Fernand, Factory & Co, das Beef House und Namur unterschrieben.

Darüber hinaus soll es Angebote geben wie eine kreative Garderie, eine Concièrgerie à la carte, Fashion Styler, E-Auto-Auflader und Valet parking. Digital soll nicht nur das Shopping sein, sondern auch die Parkplatzorganisation.

Elf Millionen Besucher erwartet

Die Bauherren rechnen mit rund elf Millionen Besuchern jährlich. Die wollen sie vor allem mit Marken locken, von denen es laut Bauherren ein Drittel bislang in Luxemburg nicht gibt. Dazu gehört Arket, ein 2017 entwickeltes H&M-Konzept mit eigenen und anderen Marken. Auch die erwartete „& other stories“ gehört zum H&M-Konzern, ebenso der H&M Home Store. Weitere angekündigte Filialen sind Weekday, Izac, Finsbury, Scotch & Soda, Cosmo Paris oder die Marken der Inditex-Gruppe; Bershka, Zara, Zara Home, Oysho, Pull & Bear und Massimo Dutti. Aus dem Kosmetikbereich haben sich der Friseur Alexandre de Paris, Bio Avril Cosmetiques oder Paris 8 verpflichtet.

Darüber hinaus sollen aber auch lokale Anbieter zum Zug kommen. Mathieu erzählte, man sei bereits mit dem Mudam in Kontakt, um Teilnehmer des dortigen „Marché des créateurs“ einzuladen. „Wir wollen ihnen die Möglichkeit bieten, Produkte oder Konzepte auszutesten, und sei es nur vorübergehend. Uns ist Komplementarität wichtig“, versicherte er.

Für Weihnachtsmärkte und ähnliche Veranstaltungen haben die Bauherren eine Fläche von 350 m² eingeplant. Auf diese fällt Licht durch die leicht herzförmigen Dachfenster, wie Architektin Tatiana Fabeck hervorhob. „Wir wollen einen Lichtfluss von oben nach unten und möglichst viel natürliches Licht“. Auch Abends soll der Platz animiert werden.

Auchan mit neuem Konzept

Die größte Fläche im neuen Shoppingcenter wird Auchan mit 12.500 m² einnehmen. Cyril Dreesen, CEO für Auchan Luxemburg, verspricht etwas ganz Besonderes; eine Art EU-Testfläche für Konzepte, die beim Produkt ansetzen. Personen und Berufe sollen im Vordergrund stehen, Lebensmittel aufgewertet und erklärt werden. „Luxemburg eignet sich als Testmarkt aufgrund seiner Größe und der polyglotten Bevölkerung“, ist der Auchan-Landes-Chef sicher. Darüber hinaus sollen vor allem lokale Produkte gefördert werden. Als Beispiel nannte er eine Zusammenarbeit mit der Kleinbettinger Mühle. Demnächst will Auchan mit der Suche der über 500 Mitarbeiter beginnen. Der vielsprachige Dreesen unterstrich, dass alle Mitarbeiter Luxemburgisch-Kurse machen können.

„Centre Médical“ in Planung

Neben einer bereits genehmigten Apotheke ist auch ein „Centre Médical“ über drei Stockwerke geplant, für das bereits ein IRM beantragt wurde. Wie es gestaltet wird und wer dorthin kommt, wollten die Bauherren nicht preisgeben.

Mathieu will zwei Wochen vor der offiziellen Eröffnung im Mai 2019 nochmal zu einer Führung einladen. Anwesende Gäste - darunter auch Mitglieder des Schöffenrats der Hauptstadt sowie der französische Botschafter Bruno Perdu - könnten dann mit eigenen Augen sehen, wie schnell sich das Gebäude entwickelt. „15 Tage vorher wird es nicht so aussehen, als ob es fertig würde. Aber das klappt“, versicherte Mathieu.