CONTERN
JEFF KARIER

Obst- und Gemüselandwirten machen Wetterkapriolen zu schaffen - Aber nicht nur

Zu einer Betriebsbesichtigung hatte gestern die Innung der gartenbaulichen Berufe geladen, und zwar nach Contern. Dort ging es zunächst zum Gemüselandwirt Tom Jungblut. Der heute 26-Jährige gründete 2014 den „Heederhaff“. „Hauptsächlich bauen wir Salate an. Hinzu kommen aber auch Zucchini, Zwiebeln, Schalotten, Kürbis, Kohl und Radieschen. Seit diesem Jahr auch noch Melonen und es sollen weitere Gemüsearten folgen“, führt Jungblut an. Gemeinsam mit vier Partnern hält er auch eine kleine Zahl Hühner, die über www.poulet.lu vertrieben werden. Ein Teil geht aber auch an Cactus und wird dort unter dem Label „Poulet vum Lëtzebuerger Bauer“ vermarktet. Jungblut beschäftigt fünf Personen fest, greift aber auch immer wieder auf Saisonarbeiter zurück.

Auf insgesamt 20 Hektar baut der junge Landwirt Gemüse an. Davon rund 20 Ar unter Folientunneln, unter denen das Gemüse schneller wächst und auch gegen schlechte Witterung geschützt ist. Dieser Anteil soll demnächst noch weiter ansteigen. „Das ist eine Reaktion auf die immer wieder auftretenden Wetterkapriolen, die für einen so jungen Betrieb wie unseren, große Rückschläge darstellen“, erklärt Jungblut.

Kunden wollen perfektes Obst und Gemüse

Denn wie manch anderer, litt auch Jungblut unter den Hagelschauern der letzten Wochen. Am 29. April zerstört ein solcher Schauer die Salate auf einem seiner Felder. Diese wurden so stark beschädigt, dass sie nicht mehr den von seinen Abnehmern festgelegten Vorgaben entsprechen und er das Feld samt Salatköpfen nur noch umpflügen kann. „Die Kunden in den Supermärkten sowie in der Gastronomie verlangen Spitzenware, die wir auch liefern. Nur gibt es für beschädigte Salatköpfe, die allerdings geschmacklich erste Klasse sind, keine Abnehmer.“ Die Kunden seien sehr wählerisch geworden und würden oft nur noch zu Obst und Gemüse zurückgreifen, das perfekt ist. Der Anteil an Ausschussware ist somit groß und stellt für die gesamte Landwirtschaft ein Problem dar. Ein Beispiel sind auch Zucchini, bei denen rund 50 Prozent nicht der gewünschten Größe, Form oder Optik entsprechen und somit nicht in den Supermarktregalen landen. Die Kunden würden diese schlicht nicht kaufen. Ähnliches erlebt auch der Landwirt Jean-Claude Muller, der den Hof „Muller-Lemmer“ führt, und in erster Linie Obst, aber mittlerweile auch Gemüse anbaut. „Man muss sich breiter aufstellen“, meint Muller. Auch er kann einen Teil seiner Ware nicht absetzen, da sie optisch kleine Mängel hat. Dabei stimmen Geschmack und Qualität. Neben Hagel hat Mullers Betrieb in den vergangenen Jahren aber besonders der frühe Frost zugesetzt. Ein Kirschbaumhain, der Teil der Besichtigung war, wurde vor sechs Jahren angelegt. 2016 und 2017 zerstörte der Frost jedoch die Blüten der Bäume und die gesamte Ernte im Hain fiel aus. Dieses Jahr überstanden die Bäume die ersten Monate des Jahres gut, auch dank moderner Plastikplanen, die sie schützen und zugleich eine angenehme Luftzirkulation zulassen. „Ansonsten könnten es im Hochsommer mehr als 40 Grad unter der Plane werden und die Kirschen würden förmlich gekocht“, erklärt Muller. An Obst baut er außerdem Mirabellen, Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Rhabarber, Quitten und Zwetschgen an.

Aufgrund der Ernteausfälle beim Obst hat Muller dann auch mit dem Anbau von Gemüse begonnen. Hierzu zählen Kohl, Kürbis und Salat sowie einige weitere Kulturen für den eigenen Hofladen. In diesem verkauft Muller auch Produkte von anderen Landwirten, aber auch die von ihm gebrannten Schnäpse sowie seinen eigenen Gin „Twin Gin“ und seinen Whisky „Éim Néckels“.

Zusätzlich zu den Wetterproblemen haben die beiden Landwirte aber auch immer wieder mit bürokratischen Hindernissen, der Wasserversorgung für ihre Felder sowie dem Mangel an Personal zu kämpfen. Dabei fehle es nicht einfach an qualifizierten Arbeitern. Viele würden ganz einfach nicht in der Landwirtschaft arbeiten wollen. Probleme, wie man sie so ähnlich auch aus anderen Branchen kennt.