LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Vergewaltigungsvorwurf: Staatsanwaltschaft beantragt drei Jahre Haft

Ein Vergewaltigungsvorwurf gegen einen jungen Mann beschäftigte am Dienstagmorgen die 13. Strafkammer Luxemburg. Der 23-jähriger Nico P. sitzt auf der Anklagebank, weil er zweimal im Oktober 2015 ein damals 13-jähriges Mädchen vergewaltigt haben soll.

Teilgeständig

Das Mädchen war im Jugendheim in Limpertsberg untergebracht. Der Angeklagte hatte das 13-jährige Mädchen bei sich zu Hause aufgenommen, da sie ihren Weg nicht ins Jugendheim zurückfand. Laut seinen Aussagen wusste sie nicht, wo sie schlafen sollte. Was er dann beim Untersuchungsrichter und Gericht aussagte, klang nicht sehr glaubwürdig.

Das erste Mal habe er im Einverständnis mit dem Mädchen geschlafen. An das zweite Mal könne er sich nicht „richtig erinnern“. Doch etwas in ihm wüsste, dass es passiert sei. So hätten sie in der zweiten besagten Nacht in seinem Bett geschlafen. Am Morgen habe er dann ein Kondom neben sich gefunden.

Er nehme an, dass er mit dem Mädchen Sex gehabt habe. Die Vergewaltigung, die unter Ausnutzung einer schutzlosen Lage begangen worden sei, stehe im Zusammenhang mit einer Amnesie. Der Mann gilt als umsichtig, zuverlässig und als besonders beliebt bei dem Mädchen.

Im Prozess ging es aber nicht nur um den Vorwurf der Vergewaltigung, sondern auch um die mögliche Hinterlist, mit der er sein Opfer täuschte. Denn die Glaubwürdigkeit des Mannes steht auf dem Prüfstein, wenn man jene Fotos heranzieht, die er in seinem Computer gespeichert hatte. Die Ermittler hatten unter anderem zwei Nacktfotos von dem Mädchen gefunden. Der Mann muss sich deshalb auch wegen Pornographie mit Minderjährigen und Verletzung der Privatsphäre verantworten. Wie bekannt wurde, fotografierte er das minderjährige Mädchen, wobei er „bestimmte Körperstellen“ im Detail aufgenommen hat. Die Bilder auf seinem Computer waren gelöscht. Zahlreiche Fotos konnten jedoch von den Ermittler wieder hergestellt werden. Ans Licht kam die Sache erst, als das Mädchen ihrer Mutter davon berichtete - was zur Anzeige führte.

5.000 Euro Schadenersatz

Der Angeklagte hatte beim Untersuchungsrichter gestanden. Zu Beginn der Verhandlung legte er ein „halbes“ Geständnis ab, weil er sich laut eigenen Angaben nicht mehr erinnern konnte. Dem heute 16-jährigen Opfer blieb dadurch eine Aussage vor Gericht erspart. Die Nebenklägerin beantragte 5.000 Euro Schadenersatz.

P. habe durch sein raffiniertes Vorgehen die Gelegenheiten geschaffen, dem Mädchen Unterschlupf zu geben, sagte der Anklagevertreter in seinem Plädoyer. Er habe gewusst, dass das Mädchen aus dem Jugendheim fortgelaufen sei. P. hätte von dem jungen Alter des Mädchens profitiert, seine Aussagen würden zum Teil auf Schutzbehauptungen basieren. Der Anklagevertreter forderte für den Mann drei Jahre Haft ohne Bewährung.

Das Urteil wird am 7. Dezember gesprochen.