NÜRNBERG
SOPHIA SCHÜLKE

Vielschichtiges Nürnberg ist eng mit deutscher Geschichte verwoben

Uneinsichtige Naziverbrecher, ein künstlerisches Multitalent und eine imposante Burganlage. Dazwischen verwinkelte Gassen mit Fachwerkhäusern aus dem Mittelalter und teure Einkaufsstraßen mit Schickimicki-Glitzer. Nürnberg konfrontiert seine Besucher mit so manchem scharfem Kontrast. Zudem ist die zweitgrößte Stadt Bayerns mit deutscher Geschichte eng verwoben.

Als schon von Weitem sichtbare Sehenswürdigkeit thront die Kaiserburg, das Wahrzeichen Nürnbergs, auf einem Sandsteinfels 50 Meter über der Stadt. Die Burg wurde erstmals 1105 schriftlich erwähnt und ist eine der bedeutendsten in Deutschland: Von 1050 bis 1571 residierten in dieser Kaiserpfalz alle römisch-deutschen Kaiser zumindest zeitweise. Damals regierten diese nicht in einer Stadt, sondern reisten mit Hofstaat von Kaiserpfalz zu Kaiserpfalz, um dort Vasallen zu treffen, Gericht zu halten oder Reichstagen beizuwohnen. Genau genommen besteht die Burg aus Kaiserburg, Burggrafenburg und reichsstädtischen Bauten. Zu sehen gibt es heute unter anderem die Kaiserzimmer samt Einrichtung des 16. und 17. Jahrhunderts und eine romanische Doppelkapelle. Aber selbst ein nur äußerer Bummel über Burgmauern, durch Höfe und Gassen rundherum verschafft schon malerische Ein- und Ausblicke.

Dürerhaus und Reichsparteitagsgelände

Ein Muss für Kunstfreunde liegt direkt in einem imposanten Fachwerkhaus am Fuß der Kaiserburg: Das Haus von Albrecht Dürer (1471-1528) ist das einzige Künstlerhaus aus dem 15. Jahrhundert, das sich in Nordeuropa erhalten hat. Hier lebte und arbeitete der Renaissancekünstler fast 20 Jahre lang. Auf vier Stockwerken kann der Besucher fundiertes Wissen über den Maler, Grafiker und Kunsttheoretiker erlesen und auch praktisch nachverfolgen, wie das Multitalent arbeitete: Von der Herstellung der Farben für Gemälde bis zum Abziehen der Platte für Kupferstiche. Neben der Werkstatt gibt es die historische Küche und Wohnräume zu sehen. Besonderer Höhepunkt: Im Dürersaal hängen historisch exakte Kopien der Hauptwerke des Künstlers.

Im Süden der Stadt können sich Besucher dann mit der jüngeren deutschen Geschichte auseinandersetzen. Im ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände wurde ein Dokumentationszentrum eingerichtet, das sich mit Ursachen, Zusammenhängen und Folgen der nationalsozialistischen Diktatur befasst. Ein Gang zum Justizpalast, wo im November 1945 die Nürnberger Prozesse gegen 21 Hauptkriegsverbrecher stattfanden, kann die Auseinandersetzung mit dem NS-Regime abrunden.

Süßes und Deftiges - unter dem Schutz der EU

Jenseits des Geschichtlichen hat Nürnberg auch noch leichtere Kost zu bieten, und zwar gleich zwei internationale Exportschlager. Die Nürnberger Lebkuchen aus Nüssen, Honig und verschiedenen Gewürzen sind vor allem zur Weihnachtszeit beliebt. Doch ein Nürnbergbesuch jenseits der Adventszeit ist für Pfefferkuchenfans trotzdem gefährlich: Hier gibt es die Spezialität das ganze Jahr über und noch dazu in Hülle in Fülle. Im Sommer frische Lebkuchen? Diese dekadente Saisonentgleisung aus Zimt und Kardamom wird hier gelebt. Wer es deftiger mag, wird an den Nürnberger Bratwürsten nicht vorbeikommen, die im Brötchen oder mit dem für die Stadt typischen Rotbier serviert werden. Eine Verordnung aus dem Mittelalter schreibt vor, dass die Würste acht Zentimeter lang, rund 20 Gramm schwer und über Buchenholz gegrillt werden müssen, seit 2003 steht die Spezialität auch im Register der von der EU geschützten kulinarischen Spezialitäten. Die beliebten Pfefferkuchen, welche fränkische Mönche schon im 14. Jahrhundert gebacken haben und deren Rezept geheim gehalten wird, tragen übrigens schon seit 1996 das EU-Siegel als „Geschützte geografische Angabe“.

Ganz besonders stimmungsvoll, aber eben auch ganz besonders stark besucht ist die Stadt in der Adventszeit, wenn der Christkindlesmarkt Touristen aus aller Welt anlockt. Aber wenigstens muss man sich dann keine Gedanken um die Entsaisonalisierung der Jahreszeiten machen, wenn man im Gedränge in einen Lebkuchen beißt. Oder in zwei oder drei.


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