GOEBLINGEN
JEFF KARIER

Ferienkolonie der „Georges Kayser Altertumsfuerscher“ begeistert Jung und Alt

Im Schatten mächtiger Bäume arbeiten rund zwei Dutzend Jugendliche und Erwachsene mit Hacke, Spaten und kleineren Werkzeugen, um die Überreste einer gallo-römischen Villa in einem Waldstück bei Goeblingen freizulegen. „Wir tragen eine Erdschicht nach der anderen ab, um zu sehen, ob dort etwa Scherben oder Nägel zu finden sind“, erklärt Céline Mangen. Die 14-Jährige ist bereits das dritte Jahr in Folge dabei. Das Ausgraben und Suchen nach Überresten interessiere sie einfach. Sie habe außerdem viele Leute hier kennengelernt, mit denen die Arbeit Spaß macht. „Im ersten oder zweiten Jahr habe ich ein Messer gefunden, das war mein bisher größter Fund“, erinnert sich die kleine Archäologin mit einem großen Lächeln.

Voller Erfolg

Bereits seit 1991 wird im Sommer eine Ferienkolonie organisiert, bei der Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene über mehrere Tage an den Ausgrabungen teilnehmen. „Die Idee war, Jugendliche für die Archäologie zu begeistern“, erklärt Jacques Bonifas, Präsident des Vereins „Georges Kayser Altertumsfuerscher“ (GKA). Die Asbl. hat die Erlaubnis des Kulturministeriums unter Aufsicht des „Centre National de Recherche Archéologique“ (CNRA) Ausgrabungen durchzuführen. Dieses Vorhaben hat auch gefruchtet, denn viele der älteren Teilnehmer sind bereits seit vielen Jahren dabei. Und auch Lynn Stoffel, die nun im CNRA arbeitet, hat vor rund 25 Jahren an diesem Programm teilgenommen. Seit Anfang an dabei ist Christian Theis. Er kam über eine Schulkameradin, die Tochter des damaligen Präsidenten, zum Verein. „Wie oft ich schon an der Kolonie teilgenommen habe, kann ich nicht sagen. Allerdings ist diese Woche immer fest in
meinem Kalender eingeplant“, erklärt Theis. In der Vergangenheit hat er auch an den Ausgrabungen, die bei gutem Wetter etwa an den Wochenenden stattfinden, teilgenommen. „Alles, was wir finden, gehört zwar dem Staat, jedoch kommen nur die schönsten Stücke ins Nationalmuseum.“ Eine Besonderheit war der Fund einer kleinen Kiste mit Verzierungen aus Elfenbein, bei dessen Entdeckung Theis dabei war.

Der Hitze trotzend

„Dieses Jahr hat die Kolonie am 30. Juli begonnen und wird noch bis zum Samstag laufen“, erklärt Jacques Bonifas. Insgesamt sind es rund 20 Jugendliche, die sich während dieser Woche durch die Geschichte graben. Hinzukommen aber noch eine Reihe an Erwachsenen, sodass während dieser Zeit etwa 35 Personen mitmachen.

Gearbeitet wird normalerweise von 9.00 bis 12.00 und von 14.00 bis 17.00 oder 18.00. Die Teilnehmer übernachten auch vor Ort, und zwar in großen Gemeinschaftszelten. Allerdings gibt es auch den ein oder anderen Ausflug ins Museum oder auch ins Schwimmbad. Die Hitze der vergangenen Wochen sei bei der Arbeit natürlich kein Zuckerschlecken, dank der Schatten spendenden Bäume und genug Wasser aber erträglich gewesen. „Vergangenes Jahr hat es viel geregnet. Das fand ich schlimmer, als jetzt die Hitze“, meint Mangen.

Aktuell wird das Gebäude sechs ausgegraben. Dabei handelt es sich, wie Bonifas erklärt, um eine Brauerei, samt Darre zum Trocknen und Rösten von Getreide und mehreren Becken zum Maischen. „Die älteste von Luxemburg“, wie er betont. Diese wurde mehrfach aus und -umgebaut, wie die verschiedenen Mauerabschnitte bezeugen.

Neben Bauten aus Stein, hat es auch welche aus Holz gegeben. Deren Überreste wie große Stämme, die in den Boden gerammt wurden, erkennt man heute nur noch aufgrund von Bodenverfärbungen. Wo der Boden etwas dunkler ist, könnte also ein Stamm gesteckt haben. „Mit der Zeit entwickelt man für diese Farbunterschiede ein Auge“, meint André Kayser, der seit 2007 an der Kolonie der GKA teilnimmt. Als einer der erfahreneren Helfer erklärt er oft den Jüngeren, auf was es zu achten gilt und hilft ihnen.

Ausmaße noch unbekannt

Um Spuren und Überreste aus der Zeit vor der Romanisierung zu finden, die etwa um das Jahr 100 abgeschlossen war, wird bis unter die Fundamente der gallo-römischen Bauten gegraben. Die Überreste der Mauern werden mit Fotos festgehalten, um sie später wieder zu rekonstruieren. Denn sie werden ebenfalls abgetragen, um etwaige Keramikscherben, Nägel, Münzen oder andere Gegenstände freizulegen.

Wie groß die Anlage im Endeffekt ist, lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen. Durch Radarmessungen des Bodens werden immer wieder mögliche Mauerüberreste entdeckt. So sind bereits mehrere weitere Flächen ausgewiesen, die freigelegt werden sollen. Das ist jedoch Arbeit für viele weitere Jahre. So wird es auch in den kommenden Jahren Ferienkolonien auf dem Ausgrabungsgelände geben.